Christian Horner (l.) ist seit 2005 Teamchef beim Rennstall Red Bull © getty

Red Bull fordert wegen dem DRS von Mercedes weiterhin Klärung von der FIA. Sollte bis China nichts passieren, droht der Protest.

Von Jakob Gajdzik

München - Red Bull macht in der Diskussion um den umstrittenen F-Schacht ernst.

Der Rennstall von Sebastian Vettel hält sich weiter offen, gegen das Mercedes-System zur Verringerung des Luftwiderstands Protest einzulegen - sollte bis zum kommenden Grand Prix in China keine Entscheidung über dessen Legalität fallen. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"Wir haben die FIA um weitere Klärung gebeten", fordert Red Bull-Teamchef Christian Horner "Sky TV" und fordert endlich Klarheit von Rennleiter Charlie Whiting.

Das Thema schwelt seit dem ersten Grand Prix in Melbourne. Bereits nach dem Rennen in Australien kündigte der Rennstall von Weltmeister Sebastian Vettel einen möglichen Protest an.

Zweifel bei Lotus und Red Bull

Auch Lotus schlug sich auf die Seite von Red Bull und hegte öffentlich Zweifel am DRS (Drag-Reduction-System, d.Red.) der Silberpfeile, das vor der Saison von der FIA allerdings grünes Licht bekam. (BERICHT: Technik-Zoff: Mercedes geht in die Offensive)

Ein Protest blieb bisher aus. Sollte sich das Thema weiterhin in die Länge ziehen, könnte sich das ändern, auch wenn Horner betonte: "Wir hoffen nicht, dass es soweit kommt".

Weitere Gespräche gab es nach dem zweiten Grand Prix in Malaysia, doch diese verliefen ebenfalls erfolglos.

"Er wollte noch einmal darüber nachdenken"

"Ich glaube, er (Whiting, d.Red.) wollte noch einmal darüber nachdenken. Wir werden seine Position natürlich respektieren, wenn er uns in China Klarheit verschafft", sagte Horner.

Klargestellt werden soll, ob das System des beweglichen Heckflügels des Mercedes-Boliden legal ist.

Dieses legt eine Öffnung frei, in der Luft zur Front des Boliden weitergeleitet wird, um den Luftwiderstand zu verringern. Die Folge: Eine höhere Geschwindigkeit.

Der Knackpunkt ist die Aktivierung des DRS, denn eine aktive Betätigung durch den Fahrer ist laut Statuten seit dieser Saison verboten.

Eine "Grauzone" nannte Horner dieses System und will abwarten, in welche Richtung das Pendel der FIA ausschlägt.

Allison: Gleiches System wie letzte Saison

Lotus-Teamchef James Allison glaubt sogar, dass Mercedes im Vergleich zum letzten Jahr nichts am DRS verändert hat.

"Mercedes hat nichts investiert. Es war da und andere Personen sind davon ausgegangen, dass es illegal war", sagte Allison "MotorSport".

Er glaubt weiterhin, dass das System aktiv vom Fahrer bedient wird.

Sollte der Automobilverband das umstrittene System für legal erklären, hält sich Red-Bull-Kollege Horner zwei Optionen offen:

"Entweder das Urteil akzeptieren und zusehen, wie man eine ähnliche Lösung ans eigene Auto bringt. Oder ein Protest, wenn wir oder ein anderes Team das Gefühl haben, dass wir mit der Interpretation von Charlie nicht einverstanden sind."

DRS nur der Startschuss?

Denn Grünes Licht der FIA würde nicht unerhebliche Kosten nach sich ziehen. Der komplette Bolide müsste auf das neue System abgestimmt werden.

Allison glaubt zudem, dass die Erlaubnis eine Folgeeffekt nach sich ziehen wurde: "Falls das System erlaubt wird, wird jeder nachziehen. Und das wäre nicht alles, dann kommen noch viele, viele andere Dinge, die passieren können."

Noch kein Erfolg im Rennen

Dass ein Protest bisher ausgeblieben ist, mag an der schwachen Punkteausbeute durch Mercedes liegen.

Trotz starker Ergebnisse in der Qualifikation haben Michael Schumacher und Nico Rosberg erst einen Punkt ergattert. (DATENCENTER: So steht's in der WM)

Einer der Gründe: In der Qualifikation ist die Nutzung des DRS erlaubt, im Rennen allerdings nur in den sogenannten Überholzonen.

Sollte sich der Erfolg beim deutschen Rennstall auch im Rennen einstellen, würden sich Red Bull und Co. in Sachen Einspruch vermutlich nicht so zögerlich wie bisher zeigen.

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