Nico Rosberg gewann in Monte Carlo sein fünftes Formel-1-Rennen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Monaco-GP © getty

Nico Rosberg dreht in Monaco das Momentum im Titelkampf. Er überrascht Teamkollege Lewis Hamilton mit einer ungewohnten Seite.

Von Carsten Arndt

München - Die dunkle Seite der Macht ist äußerst verführerisch - schon Anakin Skywalker erlag ihrer Anziehungskraft.

Im Kampf um Siege, Punkte und den begehrten WM-Titel in der Formel 1, ist nun offenbar auch Nico Rosberg vom rechten Pfad abgekommen.

Selbst Star-Wars-Produzent Goerge Lucas, der gerade an Teil sieben der legendären Saga arbeitet, war beim Monaco-Grand-Prix (Bericht) vor Ort und wollte sich die nächste Episode im "Krieg der Sterne" nicht entgehen lassen.

Besonders im Qualifying am Samstag wurde er nicht enttäuscht. Die Mercedes-Teamkollegen lieferten sich ein filmreifes Duell - mit Rosberg in der etwas überraschenden Rolle als Bösewicht.

Zu weich für den Titel?

Denn eigentlich gilt der Wiesbadener als ruhiger Zeitgenosse. Zu ruhig, wie einige Experten sagen. Häufig wurde dem Deutschen fehlender Killerinstikt vorgeworfen.

Auch Hamilton äußerte sich zuletzt in diese Richtung und sah sich im Titel-Kampf deshalb klar im Vorteil.

"Lassen sie mich nur eines sagen: Ich komme aus keiner besonders tollen Gegend bei London und habe auf einer Couch im Appartement meines Vaters gewohnt. Nico ist in Monaco mit Jets, Hotels und Yachten aufgewachsen - der Hunger ist ein anderer", sagte der Brite.

Pole Position mit Beigeschmack

Vielleicht waren es genau dies die Worte, die Rosberg gebraucht hat, um die letzten Prozente aus sich herauszuholen - die letzten Prozente um sich der dunklen Seite zuzuwenden?

Zumindest bleibt von diesem Wochenende neben Rosbergs Sieg vor allem die Geschichte um seine Pole Position haften.

Kurz vor dem Ende leistete sich Rosberg einen Verbremser und nahm Hamilton damit die Chance auf eine weitere schnelle Runde - unabsichtlich, wie er selbst sagt. ( 897292 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

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Fahrerlager glaubt an Absicht

Doch nicht nur Hamilton ging anschließend von einem "Foul" des 28-Jährigen aus.

Ein britischer Journalist berichtete, dass im Fahrerlager und unter den Teamchefs größtenteils die Meinung vorherrschte, dass in Rosbergs Fall genauso Absicht vorlag wie damals bei Michael Schumacher.

2006 hatte der Rekordweltmeister seinen Ferrari mal eben mitten auf der Strecke geparkt und damit für einen Skandal gesorgt. Einer der Hauptkritiker: Nico Rosberg. Er forderte gar Schumachers Rücktritt von der Spitze der Fahrervereinigung.

"Er ist jetzt nicht mehr glaubwürdig. Aber ich weiß jetzt schon, dass da nichts rauskommt. Es traut sich keiner, den Michael zur Rede zu stellen." Hier gibt es Tickets für die Formel 1

Prinzipien über Bord geworfen

Nun sieht er sich selbst dem Vorwurf gegenüber, mit unfairen Mitteln gespielt zu haben.

"Ich glaube nicht, dass er es absichtlich gemacht hat. Ich kenne Nico und dessen Charakter. Er hat gewisse Prinzipien" nahm Mercedes-Motorsportchef Tot Wolff Rosberg in Schutz. (DATENCENTER: Rennergebnis Monaco-GP)

Doch vielleicht hat er diese Prinzipien nun über Bord geworfen.

Er habe eine Seite an Rosberg kennengelernt, die "ich so nicht kannte", zeigte sich Hamilton überrascht.

Revanche für Barcelona?

Dabei hat er selbst wohl den größten Anteil am vermeintlichem "Richtungswechsel" des Kontrahenten.

Wie "auto, motor und sport" berichtet, soll sich Hamilton während des Rennens in Barcelona nicht an Absprachen gehalten haben und den sogenannten Überholmodus aktiviert haben, der mehr Power freigibt. Rosberg soll im normalen Modus so keine Chance mehr gehabt haben, seinen Teamkollegen anzugreifen.

"Wenn es Absicht war, könnte es sein, dass es eine Revanche für irgendetwas war", äußerte sich Wolff vielsagend.

Hamilton sicherte sich dadurch in Barcelona den vierten Sieg in Folge und verdrängte Rosberg von der Spitze der Fahrerwertung. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Rosberg schlägt zurück

Nun hat Rosberg also zurückgeschlagen. Vor allem auch mit einem herausragenden Rennen. Unbeeindruckt von allen Diskussionen feierte er einen souveränen Start-Ziel-Sieg.

Hamilton, der zuvor noch eine harte Gangart in Senna-Manier angekündigt hatte, kam gar nicht erst dazu seine Drohung in die Tat umzusetzen. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

"Lewis hatte einen Lauf", sagte Rosberg, "und den musste ich brechen. Dass es hier in Monaco geklappt hat, ist unglaublich. Das ist ein ganz besonderer Tag für mich."

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Rosberg setzt ein Zeichen

Rosberg hat in Monaco ein Zeichen gesetzt, vor allem in Sachen Kampfgeist. Zur Entspannung des mehr als angespannten Verhältnisses, wird dies sicherlich nicht beitragen. (EINWURF: Hass-Duell gegen die Langeweile)

"Wenn zwei Männer um dieselbe Frau kämpfen, dann mögen sich diese beiden nach einiger Zeit nicht mehr. Die beiden kämpfen um dieselbe Sache, dieselbe Frau - also den WM-Titel. Um diesen Pokal am Ende der Saison in der Hand zu halten, gehst du sehr weit", erklärte Wolff der "Bild".

Keine Rücksicht auf Verluste

Klar ist: Das Mercedes-Duell um den Titel wird emotionaler, der Konflikt zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton immer deutlicher.

Und offenbar sind seit diesem Wochenende auch beide Akteure dazu bereit alles für den Titel zu tun, ohne Rücksicht auf Verluste.

Offen ist dann nur, wer letztendlich die Nase vorn haben wird. Schließlich gewinnen doch am Ende immer die Guten - zumindest auf der Kinoleinwand.

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