Sebastian Vettel ist der jüngste viermalige Weltmeister der Formel-1-Geschichte. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Monaco-GP © getty

Nach dem Fiasko von Monaco ist die Titelverteidigung für Weltmeister Sebastian Vettel kein Thema mehr. Es droht Ärger mit dem Team.

Von Patrick Mayer

Monaco/München - Sherlock Holmes war da.

Berühmt berüchtigter Detektiv. Spitzfindig, gewieft, ein Analyse-Genie. Nichts bleibt vor ihm im Verborgenen. In Monte Carlo bat er drei Herren zum Gespräch: Nico Rosberg, Lewis Hamilton und Daniel Ricciardo (Highlights ab 22.55 Uhr im TV auf SPORT1).

Schauspieler Benedict Cumberbatch ("Sherlock") interviewte die ersten Drei des Monaco-GP (BERICHT: Rosberg mit Heimsieg zur WM-Führung).

Nicht dabei: Sebastian Vettel. Der 26-Jährige muss zuschauen, wenn die andern feiern. Spätestens nun ist klar, dass es dieses Jahr nichts mehr wird mit einer Titelverteidigung. Sein Auto taugt nicht zum Weltmeister. Es droht Ärger mit dem eigenen Team.

"Suzie" bockt wieder

Dabei begann alles prächtig. Der Start des Heppenheimers im Fürstentum (DATENCENTER: Rennergebnis Monaco-GP) war verheißungsvoll. Er überholte direkt seinen Teamkollegen Ricciardo.

Doch dann bockte "Suzie" - mal wieder. Schon im Qualifying (Bericht) hatten ihn Probleme mit dem Energie-Rückgewinnungs-System um eine bessere Zeit gebracht.

Im Rennen fehlte die Power. Was banal klingt, sorgt für gehörigen Stunk - seit längerem mit Motorenausrüster Renault. Und jetzt auch mit dem eigenen Rennstall.

Der neue Hybrid-Turbomotor des RB10 streikte zum wiederholten Male. "Ich hatte keinen Ladedruck, ein Turbo-Motor ohne Ladedruck ist kein echter Motor", schilderte Vettel das Dilemma.

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23MonacoGP"]

Kampfansage kommt zu früh

Selbst auf der Strecke mit dem geringsten Anteil an Geraden war er somit chancenlos gegen die dominanten Mercedes.

"Wir setzen sie möglichst stark unter Druck, die haben offenbar gerade ein paar interne Probleme", hatte Vettel noch vor dem Rennen zur Eiszeit zwischen den beiden Mercedes-Piloten gesagt.

Rosberg hatte Hamilton im Qualifying mit einem Verbremser und anschließender Gelbphase der letzten schnellen Runde - und damit der Nerven - beraubt (BERICHT: "Ich kann die Verschwörungstheoretiker verstehen").

(SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

Gebrauchte Saison für Vettel

Es half nichts. Auf dem von Schikanen und engen Kurven geprägten Kurs resignierte kurze Zeit später der Weltmeister, nicht die Konkurrenz. "Come on Guys! - Kommt schon, Leute!", sprach Vettel entnervt in den Bordfunk ( 897292 DIASHOW: Die Bilder zum Rennen ).

"Brich ab Sebastian, komm an die Box zurück", lautete die Antwort seiner Renningenieure.

Die Misere Vettels dokumentiert sich durch die gesamte Saison. Zum Auftakt in Australien hatten ihm Probleme mit der Software seines RB10 und Fehlzündungen im Motor das Qualifying und das Rennen verdorben. Er musste frühzeitig abbrechen.

Beim dritten Lauf in Bahrain klagte er im Zeittraining wieder über Software-Probleme. Und beim Spanien-GP in Barcelona musste er sein Auto im Qualifying mit einem Getriebeschaden abstellen.

Hier gibt es Tickets für die Formel 1

Mercedes dominiert weiter

Nun das Fiasko von Monaco. Die Titelverteidigung ist angesichts der Chancenlosigkeit kein Thema mehr.

Rosberg steht nach dem Sieg in seiner Wahlheimat im Fahrer-Klassement wieder ganz oben, der zweitplatzierte Lewis Hamilton folgt knapp dahinter (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer). Einer von ihnen wird am Ende der Saison Weltmeister sein, daran zweifeln die wenigsten in der Branche.

Was viel schwerer wiegt, ist der Schaden, den das Vertrauensverhältnis zwischen Vettel und seinem über Jahre so zuverlässigen Weltmeisterteam offenbar nimmt.

Vettel kritisiert Team

"Ich habe gehofft, dass aus der Box was Schlaues kommt, was das Problem löst. Es kam aber nix. Es ist jede Woche was anderes am Auto", meinte Vettel. "Bis jetzt habe ich wahrscheinlich den Großteil der Entwicklung vorangetrieben, was das Ausmerzen der Fehler angeht."

Man habe in der Nacht viel gearbeitet, um das Problem mit dem ERS in den Griff zu bekommen, erzählte Red-Bull-Teamchef Christian Horner vor dem Rennen im Interview mit "Sky".

Dass der Turbolader sie stattdessen überraschen würde, hatten die Ingenieure offenbar nicht auf der Rechnung. Sie wirken ratlos.

Nicht im Renn-Modus

Vor dem Start postete das Team ein Bild mit Sherlock-Darsteller Cumberbatch und Horner. "Sind Sie schon im Renn-Modus, Mr. Holmes?", steht darunter geschrieben.

[tweet url="//t.co/jl8medF64u"]

Es ist eine Frage, die sie sich bei Red Bull in dieser Saison selbst stellen müssen. Vettels Teamkollege Ricciardo zog in der Fahrerwertung an diesem ebenso vorbei wie der Fünftplatzierte Nico Hülkenberg. Der Weltmeister ist nur noch Sechster.

"Es ist natürlich frustrierend, wenn man als stehendes Hindernis durch die Stadt fährt", meinte Vettel vielsagend. Er ist bedient.

Der Haussegen hängt schief bei Red Bull. Da hilft selbst ein Sherlock Holmes nicht.

[kaltura id="0_yj45fjud" class="full_size" title="Hamiltons Monaco Check im Video"]

Weiterlesen