Sebastian Vettel konzentriert sich in Barcelona nur auf das Wesentliche und schafft damit die Basis für seine Aufholjagd.

Um die Gefühlslage von Sebastian Vettel in den vergangenen Wochen zu verstehen, lohnt ein Blick zurück.

Mit einem Sieg beim Saisonauftakt in Melbourne wäre dem jüngsten Vierfach-Weltmeister ein weiterer Eintrag in die Geschichtsbücher seiner Sportart sicher gewesen.

Doch statt als erster Pilot der Formel 1 zehnmal in Folge zu triumphieren, schied der erfolgsverwöhnte Heppenheimer schon früh aus.

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Die Serie von Unzulänglichkeiten setzte sich fort - bis hin zur größten persönlichen Schmach in Schanghai. Vettel wurde von seinem eigenen Team dazu aufgefordert, seinen neuen Stallgefährten doch bitte an sich vorbeiziehen zu lassen: Der junge Australier Daniel Ricciardo war schneller als er.

Vettel war nicht mehr der große Triumphator, er mutierte zum Grantler.

Statt sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, geißelte er bei jeder Gelegenheit die Neuerungen im Reglement. Als ob man ihn mit der Lautstärke seines Motors auch jeder Siegchance beraubt hätte.

In Barcelona aber zeigte Vettel ein anderes Gesicht. Entschlossen und kämpferisch präsentierte er sich.

Auf dem Circuit de Catalunya hatte man das Gefühl, er hat sich endlich mit den neuen Gegebenheiten arrangiert.

Er weiß, dass er mit seinem Auto derzeit nicht mit Mercedes konkurrieren kann. Aber er reibt sich nicht mehr an Sachen auf, die er sowieso nicht ändern kann. Stattdessen konzentriert er sich auf sich und sein Auto und versucht, das Beste aus seiner Situation zu machen.

Dabei lässt er sich auch nicht von den widrigen Begleitumständen irritieren, die ihn bis nach Barcelona verfolgten.

Elektrikproblem im Training, Getriebeschaden im Qualifying, Strafversetzung, Startplatz 15.

All das änderte nichts an seiner positiven Einstellung. Er blieb zuversichtlich, gab Vollgas und raste bis auf Platz vier vor.

Endlich war auch das Fahrgefühl wieder da. Ohne das Vertrauen ins Auto wären solche Manöver wie das gegen Kimi Räikkönen nicht möglich gewesen, das er anschließend als das aufregendste beschrieb.

Dass er den Mercedes-Piloten in dieser Saison noch gefährlich werden kann, ist nach deren neuerlicher Gala zwar nur schwer vorstellbar.

Aber für Vettel geht es ja erst einmal gar nicht darum. Seine oberste Priorität muss sein, seine Stellung als Nummer 1 bei Red Bull zu untermauern. Was schwer genug sein wird.

Zumindest weiß er nun, wie es funktionieren könnte: nur mit voller Konzentration auf das Wesentliche. Diese Lektion hat Vettel in Barcelona gelernt.

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