Lewis Hamilton (r.) sicherte sich in Barcelona vor Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg die 35. Pole Position seiner Karriere © getty

Rosberg setzt gegen Teamkollege Hamilton auf eine Überfalltaktik. Für Vettel geht es um Schadensbegrenzung.

Von Holger Luhmann

Barcelona/München - Sollte Sebastian Vettel vorhaben, die Entscheidung beim Grand Prix von Spanien (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlights ab 18 Uhr im TV auf SPORT1) live zu verfolgen, wird er seinen Red Bull wohl vorher an die Box fahren müssen. So könnte der viermalige Weltmeister das Rennende wenigstens als Zuschauer mit ansehen.

Die Hoffnung, ins Finish einzugreifen, ist jedenfalls schon im Qualifying verpufft.

Denn seine "Suzie" zickt weiter, Vettel geht nach Getriebeproblemen an seinem RB10 nur von Startplatz 15 ins Rennen. Statt der erhofften Aufholjagd droht dem Titelverteidiger auch beim Europa-Auftakt der Formel 1 in Barcelona die Rolle des Statisten.

"Die Gerade bis zur ersten Kurve ist sehr lang"

Die Frage lautet wohl nur: Wer hat bei der erneut zu erwarteten Mercedes-Show auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya die Nase vorn - Lewis Hamilton oder Nico Rosberg?

Rosberg gibt sich trotz der knapp verpassten Pole Position kämpferisch und hofft auf einen Blitzstart.

"Es liegt ja nicht viel zwischen Lewis und mir. Vielleicht kann ich direkt an die Spitze kommen. Die Gerade bis zur ersten Kurve ist sehr lang", erklärte der 28-Jährige, nachdem er die erste Enttäuschung über die verpasste Pole verarbeitet hatte.

Hamilton schimpft und kontert

Lange durfte Rosberg auf die Pole hoffen, doch dann schlug Hamilton im letzten Abschnitt des Qualifyings zurück.

Dabei hatte der Brite zunächst über Funk lauthals geschimpft: "Ich weiß nicht warum, aber wir haben im Vergleich zum Training einen Rückschritt gemacht."

Davon war bei seiner schnellsten Runde dann nichts mehr zu spüren. (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis)

Vierter Sieg in Folge im Visier

Hamilton hat seinen vierten Sieg in Folge im Visier. Sollte er gewinnen, würde er Rosberg in der Gesamtwertung von der Spitze verdrängen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Noch aber ist Hamilton vorsichtig: "In der Vergangenheit hat mir die Strecke nicht so gelegen."

Dies gilt auch für Mercedes. Doch alles andere als der erste Sieg der Silberpfeile in Barcelona wäre am Sonntag eine Sensation.

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Lauda sieht Hamilton auf "Höhenflug"

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"Nico war jetzt nicht einmal zwei Zehntelsekunden zurück. Es ist ein erstklassiges Resultat. Besser kann man es sich nicht wünschen", sagte Lauda bei "Sky".

Lauda sieht Hamilton derzeit auf einem "Höhenflug" - mit Rosberg ganz dicht im Windschatten. "Ich bin sicher, dass Nico zurückschlagen wird", prophezeit Lauda: "Vielleicht in Monte Carlo, vielleicht auch schon hier in Barcelona - lasst es uns mal abwarten." Hier gibt es Tickets für die Formel 1

Marko: "Momentan ist der Wurm drin"

Darauf hatte auch Vettel in Barcelona gehofft. Stattdessen muss der Heppenheimer weiter Rückschlag um Rückschlag hinnehmen.

Am Freitag im ersten freien Training legte ein Elektronikproblem seine "Suzie" lahm. Vettel musste sogar mit einem Feuerlöscher für Abkühlung sorgen. Im Qualifying streikte dann das Getriebe. Die Folge: Rang zehn. Doch die nächste kalte Dusche kam prompt. Da Red Bull das Getriebe ausbauen muss, wird Vettel um fünf Ränge nach hinten strafversetzt. Das macht also Startplatz 15.

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"Schon direkt aus der Box heraus habe ich gemerkt, dass ich den zweiten Gang verloren habe. Auf der Strecke war es dann ganz aus", erklärte Vettel.

Motorsportchef Helmut Marko machte aus der niedergeschlagenen Stimmung keinen Hehl: "Momentan ist der Wurm drin. Die Enttäuschung ist riesengroß."

Immerhin fuhr Daniel Ricciardo auf Startplatz drei und führt nun im internen Duell 4:1 - eine weitere Schmach für Vettel.

Vettel setzt Ingenieure unter Druck

Vor dem Qualifying hatte Red-Bull-Teamchef Christian Horner noch von einem kämpferischen Vettel berichtet.

"Er setzt die Ingenieure da ganz schön unter Druck", sagte Horner und fügte hinzu: "Es erinnert mich an 2012, als damals der angeblasene Diffusor abgeschafft worden war. Als wir endlich einen Ausgleich für den Abtriebsverlust gefunden hatten, war Sebastian nicht mehr zu stoppen."

Doch von so einem Triumphzug ist Vettel nach den nächsten Nackenschlägen umso weiter entfernt.

Es ist Vettel hoch anzurechnen, dass er immer noch positiv denkt. "Ich bin zuversichtlich, noch einigermaßen nach vorne kommen zu können", sagte er.

Das war noch vor der nächsten Hiobsbotschaft, dass das Getriebe ausgetauscht werden muss.

Jetzt kann es nur noch um Schadensbegrenzung gehen.

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