Sebastian Vettel (r.) feiert einen seiner bislang 39 GP-Siege mit Mark Ellis © getty

Die Silberpfeile machen Red Bull zwei Top-Ingenieure abspenstig und holen sich damit Geheimwissen über Vettels Renner ins Haus.

München - Sebastian Vettel weilt gerade im Weihnachtsurlaub.

Der Weltmeister genießt die Ruhe und Zweisamkeit mit seiner schwangeren Freundin Hanna und sammelt Kräfte für die neue Saison. Doch eine Nachricht aus der Heimat dürfte dem 26-Jährigen nun die gute Laune verhageln: Mercedes kauft Vettel zwei Top-Ingenieure weg.

Die Silberpfeile haben sich die Dienste von Mark Ellis (Chefingenieur für Fahrzeugdynamik) und Giles Wood (Chefingenieur für Simulation und Entwicklung) für die kommende Saison gesichert.

Das gab der Traditionsrennstall am Donnerstag bekannt.

Schutzsperre bis Juni

Das Duo nimmt nach einer Schutzsperre im Juni offiziell seine Arbeit auf. Red-Bulls-Motorsportberater Helmut Marko und Niki Lauda, Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, wollten sich auf Nachfrage zunächst nicht zu dem Transfer-Coup äußern. Bei Mercedes dürften jedoch die Korken knallen.

Innerhalb des Fahrerlagers wird der Wegkauf der Techniker nach Vorbild des FC Bayern als klare Attacke auf die Vorherrschaft von Vettel und Red Bull gewertet.

Mercedes will endlich an die Spitze und um den WM-Titel mitfahren. Da sind alle Mittel recht. Die Verpflichtung von Ellis und Wood ist der erste spektakuläre Erfolg der neuen Mercedes-Doppelspitze um Toto Wolff und Paddy Lowe auf dem hart umkämpften Markt der Ausnahme-Ingenieure.

"Du brauchst die beste Technik"

"Du suchst immer nach den Besten. Es geht nicht nur um Adrian Neweys, es geht auch um Leute für die zweite oder dritte Reihe", hatte Wolff während der Saison gesagt: "Du brauchst die besten Fahrer, die beste Technik, die besten Ingenieure und Mechaniker. Wenn du all das zusammenfügst, dann funktioniert es."

Mit dem Duo holt sich Mercedes natürlich geheimes Wissen über den bisher als unschlagbar geltenden Red-Bull-Boliden ins Haus. Zudem haben die Techniker tiefe Einblicke in die internen Arbeitsabläufe in dem Weltmeister-Team. Mercedes wird gestärkt, Red Bull geschwächt - der FC Bayern beherrscht diese Methode im Fußball perfekt.

Für Vettel und Red Bull ist es ein weiterer herber Rückschlag im Personal-Karussell. Schon während der abgelaufenen Saison war der Wechsel von Peter Prodromou (Aerodynamikchef) zu McLaren ab der Saison 2015 bekannt geworden.

Ellis und Wood gelten neben Design-Guru Adrian Newey als Schlüsselfiguren hinter den Erfolgen Vettels. Der Heppenheimer hatte bereits in Indien nach 16 von 19 Saisonrennen seinen vierten WM-Titel in Serie perfekt gemacht.

Krieg um kluge Köpfe

Auf dem Formel-1-Transfermarkt herrscht ein regelrechter Krieg um die klügsten Köpfe. Ideen und Einfälle können in der Königsklasse über Sieg oder Niederlage entscheiden - und damit über Millionen von Euro.

Die Teamchefs fahnden permanent nach den fähigsten Ingenieuren, Technikern und Mechanikern. Sie machen Angebote und werben ab - meist im Verborgenen.

Ferrari bediente sich im Sommer vorzugsweise bei Lotus, die eine überraschend starke Saison fuhren. Doch kein Team tritt im Buhlen um neues Personal so aggressiv auf wie Mercedes - der Stern soll, nein muss endlich wieder glänzen.

"Auf dem Markt ist es im Moment so, dass Telefonnummern-Gehälter gezahlt werden, wenn ein Team auf schnelle Sicht Know-how kaufen möchte", sagte Jonathan Neale völlig frustriert, nachdem der McLaren-Geschäftsführer gerade Howe an Mercedes verloren hatte. Keine Frage: Die Silberpfeile machen im Kampf gegen Vettel ernst.

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