Die Formel 1 zieht die richtigen Schlüsse aus ihrer Krise. Punkte-Revolution und Kostenbremse könnten den Champion gefährden.

Das Saisonfinale der Formel 1 durch eine Verdoppelung der WM-Punktzahl aufzuwerten, ist richtig.

Man hätte das durchaus früher tun sollen.

Und dem letzten Grand Prix des Jahres eine Art Finalcharakter zu verleihen, ist ebenfalls sehr stimmig.

Dann ist da noch das stärkste Argument: Der motorsportliche Elitezirkel hat Spannung und Dramatik mehr als nötig - das hat 2013 eindrucksvoll gezeigt.

Insofern hat die Strategiegruppe der Formel 1, in der sich bezeichnenderweise alle großen Teams wiederfinden, mit der überraschenden Änderung alles richtig gemacht.

Jetzt jedoch zu erwarten, dass die Reform die Königsklasse revolutionieren wird, dass quasi eine neue Formel 1 entsteht, ist zumindest optimistisch.

Zumindest, wenn man auf die derzeit geltenden Kräfteverhältnisse in der Formel 1 blickt.

Sebastian Vettel, jüngster Vierfach-Champion seines Sports, war der Konkurrenz in diesem Jahr schon nach dem Rennen in Japan uneinholbar enteilt, der Rest war Kür.

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Doch die Dominanz des Weltmeisters und seines nahezu perfekten Red-Bull-Rennstalls wird nicht ewig währen. Der jetzige Beschluss rundet ein Paket ab, welches Vettels Thron ins Wanken bringen könnte.

2014 wird ein Umbruchjahr für die PS-Liga, in dem die Teams unter anderem den Wechsel auf die neuen Sechszylinder-Motoren und gravierende Aerodynamik-Beschränkungen verkraften müssen.

Und - noch ein Jahr später - soll auf Beschluss derselben Formel-1-Strategen eine andere Maßnahme greifen. Sie klingt nicht ganz so spektakulär wie die Punkte-Reform, birgt aber wahrhaft revolutionäres Potenzial in sich.

Werden die Pläne einer Kosten-Obergrenze, anders als bisher, ernsthaft verfolgt, könnte es dramatische Folgen für die Formel 1 haben.

Nur um geschätzte Zahlen zu nennen: Das Weltmeister-Team Red Bull durfte Vorfahrer Vettel in der abgelaufenen Saison mit etwa 370 Millionen Euro anschieben. Hinterbänkler Marussia musste mit deutlich weniger als einem Zehntel dieses Betrags auskommen.

Eine Ännäherung der beiden Extreme täte dringend Not, um die Chancen der bisherigen Außenseiter nicht nur auf der Rennstrecke sondern in der Folge auch bei der Sponsorenfindung zumindest ein wenig zu verbessern

Wie sehr sich die bisherigen Platzhirsche der Königsklasse im Spiel ihrer (finanziellen) Kräfte wirklich einschränken lassen werden, ist eine spannende Frage.

Der Formel 1 würde eine konsequente Finanzreform sehr gut tun - dem deutschen Überflieger eher nicht.

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