Der Große Preis von Indien wurde 2011 zum ersten Mal ausgetragen © getty

Indiens Oberster Gerichtshof erwägt eine Absage des Rennens in Indien. Die Organisatoren sollen beim Staat hoch verschuldet sein.

Neu-Delhi - Im eskalierenden Steuertstreit um den Großen Preis von Indien (Training Fr., 6.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) droht Sebastian Vettel der Ausfall seiner angepeilten WM-Party.

Indiens Oberster Gerichtshof will am Freitag über einen eingebrachten Antrag entscheiden, ob das Rennen wie geplant am Sonntag stattfinden wird.

Die privaten Organisatoren des 15. von 19 Saisonrennen auf dem Buddh International Circuit vor den Toren Neu-Delhis sollen dem indischen Fiskus Steuern in Millionenhöhe schulden.

Vettel kampflos zum Titel?

Sollte der Grand Prix tatsächlich ausfallen, wäre Red-Bull-Pilot Vettel bei nur noch drei verbleibenden Rennen und 90 Punkten Vorsprung auf den Spanier Fernando Alonso (Ferrari) zum vierten Mal in Folge Weltmeister (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass der Start abgesagt wird.

"Das ist Teil des demokratischen Prozesses in Indien. Jeder kann einen Fall vors Gericht bringen, im Cricket passiert das häufig", sagte Vicky Chandhok, Präsident des indischen Motorsport-Verbandes:

"Die Gerichtsbarkeit wird ihren gewohnten Gang nehmen, aber das wird die Veranstaltung nicht betreffen."

Schon vor zwei Jahren Probleme

In Indien tritt nicht wie in anderen Ländern der Staat als Veranstalter des Rennens auf.

Deshalb kann der Fiskus auch nicht selber - wie oft üblich - über Steuerentlastungen entscheiden.

Bereits vor zwei Jahren belegte das Gericht den Veranstalter Jaypee Sports International Limited, 25 Prozent der Ticket-Einnahmen einzufrieren, bis der Steuerstreit entschieden sei.

Offenbar haben die Organisatoren die fälligen Abgaben noch nicht bezahlt.

"Wir werden uns die Petition morgen anhören", sagte der Gerichtspräsident.

Indien 2014 wohl nicht im Rennkalender

In Indien gilt die Formel 1 als Unterhaltung und nicht als Sport - deshalb können die Veranstalter nicht auf Steuerentlastungen hoffen.

Auf verkaufte Tickets wie auch alle anderen Einnahmen erhebt der Staat eine Art Vergnügungssteuer.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es in Indien rund um das Rennen immer wieder Steuerstreitigkeiten.

Auch die Teams sollten vermehrt zur Kasse gebeten werden und nicht nur auf ihre - wenn überhaupt dürftigen - Gewinne, sondern auf ihre Umsätze Steuern zahlen.

Bisher konnte Promoter Bernie Ecclestone die Durchsetzung der Forderungen des Staates aber immer wieder verhindern.

Allerdings gilt es als sicher, dass Indien wegen dieser Streitigkeiten aus dem inoffiziellen Rennkalender für die nächste Saison geflogen ist. Ecclestone sprach von "politischen Gründen".

Zuschauerzahlen sinken

Jaypee Sports International Limited baute die Strecke, auf der die Formel 1 seit 2011 zu Gast ist, für rund 450 Millionen Dollar.

Jedes Jahr kassiert Ecclestone zudem zwischen 40 und 45 Millionen Dollar als Antrittsgage, hinzu kommen 1,6 Millionen als Lizenzgebühr an den Staat, um das Rennen veranstalten zu dürfen.

Nicht nur deshalb gilt der Grand Prix als Verlustgeschäft.

Nach rund 100.000 Zuschauern 2011 wollten vergangenes Jahr nur noch rund 65.000 Fans Vettel, Fernando Alonso und Co. sehen.

In diesem Jahr wird mit nur noch etwa 30.000 Zuschauern gerechnet.

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