Peter Kohl kritisiert in seiner Kolumne die Silberpfeile wegen Rosbergs Boxenstopp in Suzuka. Hülk macht ihm Spaß.

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Red Bull: Die Entwicklung hört nicht auf, bleibt nicht stehen. Bei jedem Rennen neue Teile. Der RB9 ist schnell auf allen Rennstrecken der Formel 1, egal nach welchen Kriterien, selbst in Sachen Top-Speed sind die Newey-Raketen jetzt spitze. Tritt ein Problem auf, wie beim KERS von Vettels Arbeitsgerät im Qualifying, bekommt die Truppe von Christian Horner das schnell in den Griff. Platz 1 in der Konstrukteurs-Wertung ist absolut verdient und kein Zufall. Auch in Sachen Taktik ist Red Bull stets sattelfest mit richtigen Entscheidungen.

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Sebastian Vettel: Er macht derzeit alles richtig. Leichte Rutscher, Verbremser, mal kurz zu weit über die Kerbs raus, das haben wir bei ihm wie bei jedem anderen gesehen. Aber bei ihm bleibt alles immer in einem Rahmen, in dem er das gut kontrollieren und korrigieren kann. Seine Rundenzeit in der Qualifikation ohne KERS war einfach spitze. Der Kerl lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Romain Grosjean: Er heizt der Nummer 1 im Team, Kimi Räikkönen, gewaltig ein, ist konstant schnell und zuverlässig bei einer sehr niedrigen Fehlerquote. Er hat mit seinem Turbo-Start dafür gesorgt, dass das Rennen vor allem in der ersten Hälfte richtig spannend war, diesmal auch im Kampf um die Spitze! Etabliert sich langsam als Top-Fahrer.

Nico Hülkenberg: Wieder ein sauber herausgearbeitetes Top-Ten-Ergebnis, auch wenn er diesmal Alonso und Räikkönen nicht hinter sich halten konnte. Aber der Junge macht einfach Spaß. Ein echter Racer und Fighter!

Sauber: Beide Autos in den Punkten, ein tolles Geschenk für Gründervater Peter Sauber zu dessen 70. Geburtstag. Der C32 wird immer berechenbarer, hat eine gute Traktion auf der Hinterachse und ein zunehmend stabiles Heck. Die Wirren der Finanzprobleme sind scheinbar getilgt, es ist Ruhe eingekehrt im Team unter der Leitung von Monisha Kaltenborn, die seit einem Jahr das Ruder fest in der Hand hat. So kann auch Esteban Gutierrez langsam aufblühen.

Das Rennen: Sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Racing, Action und Teamtaktiken gab es reichlich. So soll Formel 1 sein!

Suzuka: Immer wieder ein Ereignis! Die Strecke ist etwas besonderes, selbst die Besten im Feld bekommen hier stets ihre Grenzen aufgezeigt. Deshalb war vom 1. Freien Training an permanent etwas geboten. Schade, dass es nicht mehr von diesen Kursen gibt.

Japanische Motorsportfans: Was für ein krasser Kontrast zum Rennen eine Woche zuvor in Südkorea. Fantasievoll und mit enorm viel Leidenschaft begleiten die japanischen Vollgas-Anbeter alle Teams und alle Fahrer, sowie jede einzelne Session. Das macht einfach Laune, ein echter Wohlfühlfaktor.

FLOP

Kimi Räikkönen: Sorry Kimi, aber der eigene Teamkollege läuft dir langsam den Rang ab. Deine Qualifikationen sind seit geraumer Zeit nur mittelmäßig, was nicht immer zu korrigieren ist wie zuletzt in Südkorea.

Ferrari: Schade, dass nicht wirklich etwas voran geht. Die Erwartungen an das Team aus Maranello sind immer extrem hoch, die Fans werden regelmäßig enttäuscht. Podest-Platzierungen scheinen aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Das ist bitter!

Sergio Perez: Der Mexikaner ist derzeit ein bisschen außer Kontrolle. In Südkorea hat er mit einem eigenen Fehler beim Bremsen einen Reifen zur Explosion gebracht, und wollte dafür Pirelli die Schuld geben. Das war unfair. In Suzuka hat er nach eigenem Fehler im Training seinen MP4-28 gewaltig zertrümmert. Die Fehlerquote ist bei ihm momentan einfach zu hoch.

Toro Rosso, Force India, McLaren: Bei allen Genannten geht nichts mehr weiter, alle haben bereits die volle Konzentration auf 2014 gelegt und die laufende Saison abgehakt. Das macht die verbleibenden Rennen für uns nicht spannender...

Mercedes: In den Freien Trainings immer bockstark, aber leider nicht in den Rennen. Es kommt viel Pech dazu. Dass Nico Rosberg aber beinahe Perez und ein paar Lotus-Mechaniker torpediert hätte, weil er mit einem "Unsafe Release" rausgejagt wurde, ist ein übler Fehler.

Williams: Null Performance, was die Autos angeht, ein fliegendes Rad im Freien Training?Eieiei. Sir Frank Williams muss derzeit von Koliken dauergeplagt sein, seine Truppe präsentiert sich momentan ziemlich amateurhaft. Entsetzlich für ein solches Traditionsteam.

Maldonado: Der ist momentan gewaltig neben der Spur. Tiefenfrust und Motivationsproblemen lässt er in Interviews freien Lauf. Er meint, es sei besser zu Hause zu bleiben, wenn das Auto so schlecht ist und donnert selbiges dann auch mal in die Streckenbegrenzung. Bottas als Rookie erzielt mit dem selben Material immer häufiger die besseren Ergebnisse. Dass sollte ihm zu denken geben. Bleiben die Sponsoren-Millionen der Ölproduzenten seiner Heimat in Zukunft aus, oder werden weniger, ist er sein Cockpit schneller los, als er es für möglich hält. Es sind da draußen eine Menge Jungs unterwegs, die sehr gerne in einem Williams sitzen würden...

Der WM-Titel-Champagner musste bei Red Bull noch im Kühlschrank bleiben, aber in zwei Wochen in Noida ist der wohl fällig.

Bis dahinPedal to the metalIhr Peter Kohl

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