Lewis Hamilton scheidet in Japan nach seinem Plattfuß früh aus © getty

Die Silberpfeile bestätigen beim Japan-GP ihren Abwärtstrend, Millionenverlust droht. Lauda macht Druck, Rosberg ist schadenfroh.

Von Jan Reinold

München/ Suzuka ? Lewis Hamilton war begeistert, fast schon euphorisch.

"Fantastisch" sei sein Start gewesen, meinte der Mercedes-Pilot nach dem Japan-GP. Blöd nur, dass es nach den ersten 100, 200 Metern nicht mehr ganz so gut lief. (791027DIASHOW: Bilder des Rennens)

Sebastian Vettel schlitzte Hamilton noch auf der Start-Ziel-Geraden unabsichtlich das rechte Hinterrad auf. Dem "wahrscheinlich besten Start der Saison" (Hamilton) folgte das schnellste Ende des Jahres (Bericht).

Hamilton rettete sich zwar noch in die Box, dabei aber wurde der Unterboden am W04 zerstört. Aus Sicherheitsgründen nahm das Team Hamilton aus dem Rennen. Nach sieben Runden.

Enttäuschend und bitter sei das, klagte der Ex-Weltmeister. Für Mercedes zuletzt nichts Neues, seit dem Ende der Sommerpause zeigt die Kurve bei den Silberpfeilen nach unten.

"Es geht um die Wurst"

Nach seinem Sieg in Ungarn hatte Hamilton insgeheim noch vom Angriff auf Vettel und Red Bull geträumt. Mercedes wähnte sich nach dem dritten Saisonerfolg im Aufwind, die Reifenprobleme der ersten Saisonhälfte schienen überwunden.

Seitdem aber reichte es nur noch zu einem dritten Platz von Hamilton in Belgien. Die Folge der Schwächephase: Nicht nur die Fahrer-Krone ist außer Reichweite, auch das Podium in der Konstrukteurs-Wertung ist in Gefahr.

Der Rückstand auf die zweitplatzierte Ferrari-Scuderia beträgt zehn Punkte, von hinten macht Lotus Druck. Ein Abrutschen auf Platz 4 würde Mercedes wohl rund 15 Millionen Euro an Prämienzahlungen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone kosten. (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

"Es geht um die Wurst", betonte daher Motorsportdirektor Toto Wolff bei "sky". Und später ergänzte er: "Wir sind als Team und mit der Kraft des Konzerns im Rücken so aufgestellt, dass sich unsere Leistung an Red Bull und nicht an Lotus orientieren muss."

Lauda tobt

Derzeit tut sie das aber nicht, entsprechend angespannt ist die Stimmung im Team. (DATENCENTER: Rennergebnis)

"Menschen machen Fehler, aber mir gefällt die Gesamtleistung nicht", schimpfte Aufsichtsratsboss Niki Lauda bei "RTL" und forderte: "Jetzt muss man den Druck erhöhen, und das wird sicherlich gemacht."

Angeblich wird nun erwägt, einen Teil der für die neue Saison eingeplanten Ressourcen wieder auf die Weiterentwicklung des aktuellen Autos zu verwenden. Ob zusätzliche Millionen die Probleme allein lösen können, ist aber fraglich.

Wolff räumt Fehler ein

Mercedes hatte in Suzuka auch Pech, nicht nur bei Hamiltons Ausfall. Teamkollege Nico Rosberg, der Achter wurde, biss sich an Sauber-Pilot Esteban Gutierrez die Zähne aus.

Eine bessere Platzierung verhinderte wohl die Durchfahrtsstrafe, die der 27-Jährige kassierte, weil er zuvor auf Rang 4 liegend bei einem verpatzten Boxenstopp beinahe mit Sergio Perez kollidiert wäre.

"Wir haben ihn zu früh rausgelassen, das geht auf unsere Kappe. Die Strafe war gerecht", räumte Wolff ein.

Nicht der erste Taktik-Fehler der Silberpfeile in dieser Saison.

Rosberg schadenfroh

Wolff, der in Suzuka von einem "charakterbildenden Tag für das Team" sprach, will nun die Abwärtsentwicklung analysieren.

"Wir müssen jetzt verstehen, ob wir irgendwo eine falsche Abzweigung genommen haben", meinte der Österreicher.

Nico Rosberg nahm diese nach dem Rennen in Suzuka auf jeden Fall. Der zweimalige Saisonsieger ärgerte sich schwarz über Sergio Perez, warf dem Mexikaner unfaires Fahrverhalten vor. Dass sich der McLaren-Pilot noch einen Reifenschaden einfing, freute Rosberg.

"Es war gut, dass er sich den Reifen plattgefahren hat, damit war er aus dem Weg", meinte Rosberg mit einer gehörigen Portion Schadenfreude. Fairplay sieht anders aus.

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