Sebastian Vettel gewinnt das Rennen in Japan und schwärmt vor Glück. Die diesmal geplatzte WM-Party ist ihm ziemlich egal.

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Von Marc Ellerich

München - Die wichtigsten Fragen wurden in Suzuka gleich zu Beginn geklärt. (791027DIASHOW: Bilder des Rennens)

Ferrari-Star Fernando Alonso machte nach der Freigabe des Japan-Grand-Prix (Bericht) schnell zwei Positionen gut, nach 53 Runden kam er sogar als Vierter ins Ziel. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Der vorzeitige vierte Weltmeister-Titel von Sebastian Vettel war damit vereitelt, daran änderte auch der Sieg des Red-Bull-Piloten nach einem brillanten Rennen nichts.

Alonso: Frage der Zeit

Alonso hätte nicht besser als auf Platz neun abschneiden dürfen, um Vettels frühe Fete wahr werden zu lassen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Dass er Vettels vierten Titel in Serie noch verhindern wird, glaubt der Spanier aber längst nicht mehr. "Das ist nur noch eine Frage der Zeit", sagte er nach der Zieldurchfahrt in Suzuka.

Ein fünfter Platz reicht dem Heppenheimer beim kommenden Rennen in Indien zur Titelkür.

Webber-Taktik geht nicht auf

Beim japanischen Rennen wurde dagegen auch die noch etwas näher liegende Frage nach dem diesjährigen Nippon-Siege schon in der Anfangsphase entschieden.

Wie vom Katapult abgeschossen düpierte Lotus-Pilot Romain Grosjean vom vierten Startplatz aus das Red-Bull-Duo Mark Webber und Sebastian Vettel.

Der Siegplan von Pole-Setter Webber war damit frühzeitig ruiniert, seine geplante Drei-Stopp-Strategie ging nicht mehr auf.

Ins Ziel rollte der Australier nach 308 Kilometern als geschlagener Zweiter. Immerhin noch vor Grosjean, was Red Bull den Doppelsieg bescherte.

Vettel bewegt

Die große Bühne aber gehörte auf dem Suzuka International Racing Course dem kommenden Weltmeister aus Heppenheim.

Vettel war überwältigt vom Glück, das zeigten seine feuchten Augen, als er auf der Bühne der deutschen Hymne lauschte und den Siegerpokal entgegennahm.

"Ich habe es sehr genossen", berichtete Vettel von seinem Lieblingsrennen, das er nun bereits vier Mal seit 2009 gewonnen hat.

Vettel schwärmte von Land und Leuten und seiner gelungenen Zwei-Stopp-Strategie als dem Schlüssel zum Sieg.

"Die Leute sind hier so verrückt nach der Formel 1", begeisterte sich Vettel: "Das macht diesen Sieg so süß."

Rubrik Aberglaube

Die verpasste vorzeitige WM-Party? Nicht so wichtig offenbar.

"Wir haben jetzt einen guten Vorsprung, es sieht wirklich gut aus", meinte Vettel nur.

Dass er dann noch warnte, die WM sei nicht vorbei, bis sie wirklich entschieden sei, darf man wohl unter der Rubrik Aberglaube verbuchen.

Wer oder was soll den Heppenheimer aufhalten außer ein schwerer Rennunfall?

Vettel braucht Geduld

Vettel führte in Suzuka seine Ausnahmestellung wie so oft in dieser Saison unnachahmlich vor.

Weder Grosjeans Überrumpelung noch eine Berührung mit Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in der Startphase warfen ihn aus der Bahn - das Gegenteil war der Fall: Hamilton schied aus.

"Gott sei Dank war mein Frontflügel nicht zu sehr beschädigt", erklärte Vettel später die Szene: "Danach haben wir unseren Rhythmus gefunden."

Vettel begann seine Jagd auf Grosjean. Sie dauerte bis zur 41. Runde. Dann konnte er vorbeiziehen, weil die Reifen des Franzosen nicht mehr intakt waren.

"Ich habe die Geduld bewahrt", schilderte der Hesse die Entscheidung in Japan: "Am Ende konnte ich Romain überholen und Mark mit einer anderen Strategie schlagen. Ich bin wirklich überwältigt. Alles in allem war es ein perfektes Rennen."

Vergleich mit den Giganten

Das nächste also, das den neuen Herrscher der Königklasse wieder ein Stückchen herangebracht hat an die Legenden seiner Sportart.

Fünf Siege in Serie, das haben vor ihm nur fünf andere Fahrer fertig gebracht. Und vier Weltmeister-Titel in Serie, so ein Triumph gelang vor Vettel nur seinem Freund und einstigem Vorbild Michael Schumacher sowie dem Argentinier Juan Manuel Fangio.

Der Vergleich mit diesen Giganten behagt Vettel nicht, wie er in Suzuka verriet. Ihre Rekorde zu brechen, sei nicht sein Antrieb, wenn er in seinen Rennwagen steige, stellte er klar.

"Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich an die Strecke komme", gab Vettel in Japan zu. Und: Er sei glücklich, "dass ich einer von 22 Piloten sein darf, die in der Formel 1 fahren dürfen".

Dass er der Beste von ihnen ist, brauchte Vettel nicht zu sagen. Das steht dann vermutlich in zwei Wochen fest: in Indien, drei Rennen vor dem Ende des Formel-1-Jahres.

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