In seiner Kolumne erklärt Hans-Joachim Stuck nach Suzuka Vettels Erfolgssucht und nimmt die jammernde Konkurrenz in die Pflicht.

Hallo Formel-1-Fans,

das Glück des Tüchtigen beim Großen Preis von Japan hat sich Sebastian Vettel redlich verdient.

Die gute Strategie musst du erst einmal so abgeklärt umsetzen. Aber nachdem Romain Grosjean am Start nach vorn stürmte, hätte die Situation mit Lewis Hamilton für Vettel auch böse ausgehen können.

Unabhängig von dem Quäntchen Glück zeichnet ihn einfach seine konzentrierte Arbeit aus. Obwohl er jetzt in Indien nur Fünfter werden muss, um den vierten WM-Titel perfekt zu machen, wird er in seiner täglichen Arbeit nichts ändern und das normale Programm durchziehen.

Auch in Indien wird er voll auf Sieg fahren - da gibt es ein Suchtpotenzial.

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Wer sich beruflich oder privat etwas erarbeitet, gewöhnt sich an einen gewissen Standard. Bei Vettel ist der Standard, Rennen und Titel zu gewinnen.

Deshalb glaube ich auch nicht, dass er irgendwelche Motivationsprobleme bekommt. Wenn die vierte Weltmeisterschaft eingefahren ist, nimmt er sich eben die fünfte vor.

Deshalb halte ich auch mittelfristig einen Wechsel für unwahrscheinlich. Da wäre Vettel auch schön blöd. Die Diskussion über das beste Auto ist einfach unsinnig.

Vettel muss niemandem etwas beweisen, er muss nur schauen, dass er erfolgreich bleibt.

Solange er sich bei Red Bull wohlfühlt und sie ihm ein gutes Auto hinstellen, gibt es aus meiner Sicht keinen Grund zu wechseln. Warum sollte er sich das Leben unnötig schwer machen?

Den Konkurrenten fällt aktuell nicht viel mehr ein, als zu jammern. Wenn sie Langeweile in der Fahrerwertung beklagen, müssen sie mehr tun.

Lotus hat ja auch in Japan wieder gezeigt, dass es nach vorne gehen kann. Sie sind momentan extrem stark unterwegs. Auch Nico Hülkenberg funkt mit Sauber immer wieder in die Spitzengruppe hinein - da sehe ich keine Spur von Resignation.

Schließlich geht es auch noch um die sehr spannende Konstrukteurs-WM. Dort hat auch Mercedes noch seine Chancen.

Ich sehe bei den Silbernen keine absteigende Tendenz. In Japan haben sie auch viel Pech gehabt. Hamilton ist durch einen typischen Rennunfall zurückgeworfen worden.

Nico Rosberg wurde durch seine Durchfahrtsstrafe zurückgeworfen, bei seiner Rennstrategie wäre wesentlich mehr drin gewesen. Das Ergebnis spiegelt in keinem Fall den aktuellen Stand des Teams wieder.

Die Dominanz von Red Bull muss nicht zwangsläufig weitergehen. Die Karten werden für das nächste Jahr neu gemischt. Es gibt wieder einige Regeländerungen, da wird abzuwarten sein, wer sich etwas einfallen lässt.

Klar ist aber auch: Adrian Newey wird sicher nicht zu Hause sitzen oder Golf spielen, er bastelt weiter - und hat Vettel.

Bis zum Indien-Grand-Prix,Euer Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck ist einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Rennfahrer. In seiner aktiven Karriere bestritt er 74 Formel-1-Rennen und fuhr in der Königsklasse zwei Mal auf das Podium. Außerdem gewann er zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans, drei Mal die 24 Stunden auf dem Nürburgring, wurde Langstrecken-Weltmeister und DTM-Sieger. Seit dieser Saison schreibt er wöchentlich eine Formel-1-Kolumne bei SPORT1.

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