Sebastian Vettels vierter WM-Triumph wird in Suzuka nur vertagt. Vettels Ausnahme-Talent zeigt sich am unglücklichen Kollegen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

So oder so ähnlich wird es Titelverteidiger Sebastian Vettel nach seinem Sieg beim Japan-Grand-Prix durch den Kopf geschossen sein.

Dann eben zwei Wochen später in Indien. Oder eben - wenn es auf dem Buddh International Circuit wirklich richtig mies laufen sollte - noch ein paar Tage später in Abu Dhabi.

Der Red-Bull-Star wird 2013 zum jüngsten Vierfach-Weltmeister der Formel-1-Geschichte gekürt werden - das ist sicher, und daran zweifelt vermutlich nicht mal der öffentlich stets vorsichtige Vettel selbst.

Und warum Vettel diesen Ausnahme-Status im Elite-Zirkel des Motorsports zu Recht inne hat, zeigt ausgerechnet das Schicksal seines Nebenmannes Mark Webber.

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Der Australier, bekanntlich auf Formel-1-Abschiedstournee, hatte in Suzuka von der Pole-Position aus alle Karten in der Hand, zum Ende seiner Karriere in der Königsklasse einen schönen Sieg mitzunehmen.

Aber nach 53 Umläufen bot sich auch in Japan das altbekannte Bild: Vettel gewann, Webber musste sich in die Rolle der Nummer zwei fügen. Mal wieder.

Vettel-Kritiker behaupten, der junge Heppenheimer sei nur deshalb so erfolgreich, weil er im richtigen Auto sitzt.

Und was ist dann mit Webber? Sitzt er nicht im selben Rennwagen?

Sicher, in Suzuka ging der schöne Siegplan des Australiers schief, weil ihm Romain Grosjean mit seinem Raketenstart die Drei-Stopp-Strategie verdarb.

Aber auch Vettel wurde von Grosjean düpiert. Nur: Er und sein Team reagierten, Webber und seine Ingenieure nicht.

Dass das daran liegt, dass Webber bei Red Bull schon lange nur noch die zweite Geige spielt, mag ein Grund sein. Aber sicher nicht der einzige.

Ein erfahrener Pilot wie der Mann aus Queanbeyan muss - im Verbund mit dem Team - in der Lage sein, sein Verhalten an den Rennverlauf anzupassen.

Webber kann das nicht. Oder zumindest nicht so gut wie Vettel - zu oft versagten ihm in den entscheidenden Momenten eines Rennens die Nerven.

Und so hinterlässt ausgerechnet Webbers tragische Rolle im Stallduell der Roten Bullen den Eindruck: Der Fahrer macht den Unterschied - und eben auch den Weltmeister.

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