Ross Brawn (l.) machte neben Schumi auch Jenson Button zum Weltmeister © imago

Der Teamchef soll seinen Rückzug von Mercedes angekündigt haben. Dem widerspricht der Chef des Aufsichtsrats.

München - Neues Rätselraten um das Superhirn der Formel 1:

Laut Medienberichten wird Teamchef Ross Brawn seinen Posten beim Mercedes-Werksteam schon nach der Saison räumen.

Der Brite, der mit Rekordchampion Michael Schumacher bei Benetton und Ferrari sieben WM-Titel gewann, soll dann wie erwartet Star-Designer Paddy Lowe Platz machen, der bereits unter demselben Dach arbeitet.

Zermürbt vom internen Machtkampf mit Aufsichtsratschef Niki Lauda, habe Brawn diesem seine Entscheidung bereits am Rande des Grand Prix von Südkorea (Bericht) mitgeteilt. Das berichten "Sport Bild" und "Auto Bild Motorsport".

Energisches Dementi

Doch der Österreicher dementiert energisch. "Ich weiß nicht, wo diese Geschichte herkommt, sie stimmt nicht", sagte der 64-jährige Lauda: "Wir sind noch immer in Verhandlungen, am Stand der Dinge hat sich nichts geändert."

Eine Entscheidung werde zudem "eindeutig nicht" vor Ende der Saison fallen, "so ist es von vornherein abgemacht", sagte Lauda: "Bis dahin wird volle Pulle gearbeitet." Er wolle "in jedem Fall" mit Brawn weitermachen, "es ist aber seine Entscheidung", sagte Lauda. Brawn sei weiterhin hochmotiviert.

Seit dem Formel-1-Comeback zur Saison 2010 steht der Brite an der Spitze der Silberpfeile, hat es aber nicht geschafft, Mercedes in die Weltelite zu führen.

Und da gehört die Marke mit dem Stern nach eigenem Selbstverständnis einfach hin. Zwar sind die Renner des Weltkonzerns in dieser Saison deutlich schneller unterwegs als in den vergangenen Jahren, aber echte Gegner für den alten und wohl auch neuen Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) sind Lewis Hamilton und Nico Rosberg noch lange nicht.

Lowe der neue starke Mann?

Damit sich das so schnell wie möglich ändert, soll nun angeblich Lowe das Kommando übernehmen. Der Engländer war im Juni von McLaren zu Mercedes gewechselt und gilt seitdem als potenzieller Nachfolger Brawns.

Zudem wäre der Wechsel ein weiterer Schritt bei der kompletten Umstrukturierung des Teams, die vor allem Lauda vorantreibt. Zunächst musste der langjährige Motorsportchef Norbert Haug gehen und wurde durch Toto Wolff ersetzt, auch in der zweiten Reihe gab es viele personelle Veränderungen. In Brawn ginge ein weiteres Alpha-Tier von Bord.

Brawn hatte die Machtübergabe an Lowe bereits im Sommer angekündigt. Noch sei die Struktur "eindeutig. Ich bin verantwortlich, Paddy arbeitet für mich", hatte das einstige "Superhirn" der Formel 1 im Juli gesagt: "Aber ab einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft wird sich das ändern. Wenn der Übergang kommt, wird es eine sanfte Übergabe geben."

Brawn gilt bei Mercedes wegen der fehlenden ganz großen Erfolge in Form von WM-Titeln schon länger nicht mehr als unumstritten. Trotz eines Jahresetats von rund 300 Miliionen Dollar waren die silbernen Renner unter der Leitung des Fans von Manchester United viel zu oft hinterhergefahren. Die Kritik wuchs.

"Schumacher der Boxenmauer"

Dabei galt Brawn lange als Formel-1-Genie, als "Schumacher der Boxenmauer". An acht Fahrer-Titeln war er seit 1994 beteiligt, an acht Konstrukteurs-Meisterschaften. Aber Brawn war eben stets auch streitbar.

Oft ging es dabei um Grauzonen im Reglement, die Brawn für seine Teams fand und geschickt nutzte. Immer öfter ging es zuletzt aber auch um Fehlleistungen. In diesem Jahr brachte der verbotene Reifentest mit Pirelli Mercedes zudem viele Negativschlagzeilen ein, Brawn hatte dafür die Verantwortung übernommen.

Nach seiner Zeit bei Ferrari wechselte Brawn 2008 als Teamchef zu Honda und übernahm nach dem Ausstieg der Japaner das Team. 2009 wurde er mit BrawnGP und Jenson Button erneut Weltmeister, Ende 2009 kaufte Mercedes Brawn das Team ab. Nun soll der passionierte Angler erneut bei Honda im Gespräch sein.

Die Japaner werden ab der Saison 2015 McLaren mit Motoren beliefern.

Weiterlesen