Der Sauber-Pilot kämpft auch in Korea bravourös um seine Formel-1-Zukunft. Seine Statur schreckt potenzielle Interessenten ab.

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Yeongam/München - Es ist absurd.

Nico Hülkenberg erlebt seine beste Phase als Formel-1-Pilot - und muss um seine Zukunft in der Königsklasse bangen.

An diesem Wochenende egalisierte er mit einem starken vierten Platz in Korea (787762Bilder) seine Karriere-Bestleistung (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Mit seinem unglaublichen Kampfgeist wehrte der Sauber-Fahrer bis zum Schluss die Angriffe der weitaus höher eingeschätzten Rivalen Fernando Alonso und Lewis Hamilton ab.

"Das war eines meiner besten Rennen, ein kleines Meisterstück", jubelte "Hülk" im Ziel: "Die Traktion des Autos war heute sehr gut. Das hat mir geholfen, gegen Fernando und später gegen Lewis am Leben zu bleiben."

Noch kein Vertrag

Einen Vertrag für die kommende Saison hat der Sauber-Pilot aber auch nach der siebten Top-Ten-Platzierung in diesem Jahr und dem Sprung auf Platz elf der Fahrer-Wertung noch längst nicht in der Tasche (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Wegen finanzieller Probleme beim Schweizer Rennstall hat der Rheinländer seinen Vertrag zum Saisonende gekündigt, um für andere Teams interessant zu sein.

Mittlerweile aber denkt er sogar wieder darüber nach, Sauber doch die Treue zu halten. "Ich spreche selbst mit den Teamchefs wie Monisha (Kaltenborn, d. Red.), aber auch mein Management spricht mit den Verantwortlichen", bekundete der 26-Jährige am Rande des Korea-GP.

Viele fragen sich, warum er bei den anderen Teams nicht so hoch im Kurs steht. Zumal er in Yeongam wieder beste Eigenwerbung betrieb.

Ein Grund dafür soll seine Statur sein. Der Rheinländer ist mit 1,85 Meter und 78 Kilogramm sehr groß und sehr schwer für Formel-1-Verhältisse. Manche sagen zu schwer.

"Klar wäre ich gerne zehn Zentimeter kleiner, weil man im Auto mehr Platz hat und sich mit der Sitzposition leichter tut", erklärte Hülkenberg vor dem Rennen: "Aber meine Größe ist nun einmal von Gott gegeben."

Höheres Mindestgewicht

Das Problem hat der Emmericher, seit er im PS-Elitezirkus dabei ist. Doch im Hinblick auf die kommende Saison könnten seine Maße sogar seinen Job in der Formel 1 kosten.

Für 2014 wurde das Mindestgewicht für das Auto samt Fahrer und dessen Anzug zwar um 48 auf 690 Kilogramm erhöht. Doch der neue V6-Motor allein soll schon 50 Kilo mehr wiegen als das aktuelle Aggregat. Das heißt, beim Gewicht des Fahrers muss noch mehr gespart werden.

Die Verhandlungen mit Lotus, wo Hülkenberg als Nachfolger für Kimi Räikkönen im Gespräch ist, sind ins Stocken geraten. Und bei McLaren, wo angeblich Sergio Perez auf der Kippe steht, soll das Gewicht des Deutschen sogar der Grund für eine Absage gewesen sein.

Entsprechende Meldungen wollten zwar weder der britische Rennstall noch der Pilot bestätigen. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh gab aber zu, dass der Faktor Gewicht durchaus eine große Rolle spielt: "Es ist schade. Aber man muss tatsächlich sagen, dass schwere Piloten weniger attraktiv sind."

Mit Jenson Button sitzt bei den Chrompfeilen bereit ein "Riese" im Cockpit. Bei 1,83 Meter bringt der Brite lediglich 72 Kilogramm auf die Waage. Für ihn ist damit das Maß schon längst voll.

"Man braucht Fleisch auf den Rippen"

"Manche von uns können einfach nicht weiter abnehmen. Man braucht Fleisch auf den Rippen und auch ein paar Muskeln, um ein Formel-1-Auto zu bewegen", ärgert sich der passionierte Triathlet.

Dabei wäre das Kilo-Dilemma leicht zu lösen. "Es würde sich lohnen, über eine Änderung des Reglements nachzudenken und das Minimalgewicht hochzusetzen", schlug Hülkenberg vor.

Auch SPORT1-Experte Hans-Joachim Stuck hofft, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde."Im Sport sollten alle Konkurrenten gleich behandelt werden. Nur weil einer ein paar Kilo mehr wiegt als der andere, kann man ihn nicht einfach ausgrenzen", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot.

Doch die Königsklasse ist eben vor allem ein Milliarden-Business, in dem jedes Team an seinen eigenen Vorteil denkt und Regeländerungen leichter vorgeschlagen als umgesetzt sind.

"Das Problem ist, dass sobald ein Team auf so etwas aufmerksam macht, wittern die anderen Rennställe den eigenen Vorteil und stimmen einer möglichen Erhöhung des Gewichts nicht zu", glaubt Whitmarsh.

Unterstützung von Vettel

Auch Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel schlägt sich auf die Seite von Hülkenberg, Button und Co. "Wenn ein Pilot ein Cockpit nicht kriegt, weil er zu schwer ist, ist das natürlich Quark", sagte der dreimalige Weltmeister.

Er hat aber auch gut reden. Mit seinen 64 Kilogramm bei 1,74 Meter Körpergröße hat er praktisch die idealen Maße für einen Formel-1-Fahrer. Fraglich also, ob sein Team einer Erhöhung des Minimalgewichts zustimmen würde.

Seinem Landsmann Hülkenberg könnte eine solche Entscheidung den Job retten. Er ist schon so verzweifelt, dass er auch darüber nachdenkt, für ein Cockpit ein Jahr auf das Gehalt seines Arbeitgebers zu verzichten.

Wohlwissend, dass diese Option in keinem Verhältnis zu seinen jüngsten Leistungen steht.

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