Sebastian Vettel siegt in Korea und kann beim Japan-GP den vierten WM-Titel holen. Er wehrt sich halbherzig gegen das Thema.

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Von Marc Ellerich

München - "Das lief ja wie am Schnürchen", brüllte Sebastian Vettel nach der Zieldurchfahrt auf dem Korea International Circuit in sein Bordmikrofon.

Besser lässt sich die dominante Fahrt des aktuellen Titelträgers zum dritten Sieg in Serie beim asiatischen Rennen kaum bündeln als in diesen wenigen Worten.

Vettels vierter Triumph im vierten Grand Prix nach der Sommerpause war zu keinem Zeitpunkt gefährdet (Bericht). Am nächsten kam ihm das Lotus-Gespann Kimi Räikkönen und Romain Grosjean, ernsthaft in Reichweite kamen die Verfolger aber nie. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Nur während zweier Safety-Car-Phasen in dem hinter dem deutschen Pole-Setter wild tobenden Rennen durften die Konkurrenten vorübergehend nah an Vettel heranrücken.

Achter Saisonsieg

Sobald die Piste wieder freigegeben wurde, war Vettel schnell wieder weg. Am Ende musste ihn sein Team über Funk warnen, er solle es mit den schnellen Rennrunden nicht übertreiben.

Doch die 1:43 Stunden Renndauer endeten aus Vettels Sicht ohne Zwischenfälle.

Mit seinem achten Saisonsieg tat der Red-Bull-Star gleich mehrere große Schritte: Er gab die passende Antwort auf die Pfiffe und Buhrufe, die seinen vorigen Erfolg in Singapur begleitet hatten.

77 Punkte Vorsprung

Und er baute seinen Vorsprung in der WM auf kaum aufzuholende 77 Punkte aus. WM-Verfolger Fernando Alonso musste sich in seinem Ferrari nach den 308 Kilometern mit Platz sechs begnügen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Läuft es für den Piloten aus Oviedo beim nächsten Rennen am kommenden Wochenende in Suzuka richtig mies und er wird nur Neunter oder Zehnter oder scheidet sogar aus, ist Vettel bei einem Sieg zum vierten Mal in Folge Weltmeister.

Diesen ersten japanischen Matchball verdrängt der Heppenheimer nach eigener Aussage allerdings nach Kräften.

"Wir sind nah dran, das gebe ich zu", berichtete er: "Ich versuche, nicht darüber nachzudenken und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren."

Entschärfte Antwort

Und seine Gegenwart sieht im Moment nach seinen eigenen Worten so aus: "Ich liebe meine Arbeit und genieße den Moment."

Ein Erfolgsgeheimnis gebe es dabei nicht, beteuerte der Korea-Sieger in Yeongam, was deutlich machte, dass er aus seinem Eier-in-den-Pool-Zitat nach dem Singapur-GP die Lehren gezogen hat.

Bei der Konkurrenz, der der Weltmeister damit Faulheit nachgesagt hatte, war der Spruch nicht gut angekommen.

Jetzt fand Vettel eine wesentlich entschärftere Antwort: "Wir haben einfach jede Menge Spaß bei der Arbeit und schaffen es jedes Rennwochenende, das Auto genau richtig einzustellen. Das ist schon alles."

Begeisterung für Japan-Kurs

Dass das Vettel und seinem Team auch auf dem Suzuka International Racing Course gelingen wird, daran gibt es kaum Zweifel.

Der japanische Grand Prix gehört zu Vettels Lieblingsstrecken, schon vor zwei Jahren brachte er dort seinen zweiten Weltmeister-Titel unter Dach und Fach.

Und obwohl der WM-Leader Feuer und Flamme für Japan ist und von der "besten Strecke der Welt mit leidenschaftlichen und verrückten Fans" schwärmte. Dass er sich dort zum jüngsten Vierfach-Weltmeister der Formel-1-Historie krönen kann, ist ihm "nicht so wichtig. Unser Ziel ist der Titel - und nicht, diesen auf einer bestimmten Strecke zu gewinnen."

Unentrinnbarer Würgegriff

Überhaupt: Vettel wäre nicht Vettel, würde er nicht in der Stunde des Triumphs noch mahnende Worte finden. "Es sind noch einige Punkte zu vergeben", stellte er in Korea klar: "Wir müssen weiterhin alles im Griff haben."

Vettels Griff - den Konkurrenten dürfte er nicht erst nach dem 14. Rennen der Saison wie ein unentrinnbarer Würgegriff vorkommen.

Mit normalen Mitteln kommen sie dem Deutschen und seiner überlegenen RB9-Maschine einfach nicht mehr bei.

Da helfen auch keine vom Team erzwungen Überholmanöver wie bei Lotus, wo der eigentlich zweitplatzierte Romain Grosjean seinen Kollegen Räikkönen passieren ließ und anschließend einen eigenen Fahrfehler als Ausrede vortragen musste.

Ferrari fehlt Tempo

Und Alonso? Der spanische Ferrari-Star schlug sich 55 Runden lang mit dem entfesselten deutschen Sauber-Piloten Nico Hülkenberg und dem Mercedes-Gespann Hamilton und Rosberg herum.

Ins Ziel kam er dann hinter Hülkenberg und Hamilton und vor Rosberg.

"Gar nicht gut", fasste er sein Rennen zusammen. Seinem F138 fehlte in Korea das bisher stets hohe Tempo am Renn-Sonntag.

"Hoffentlich haben wir bald wieder mehr Performance im Auto, damit ich wieder um Podestplätze kämpfen kann", sagte Alonso nach dem Grand Prix.

Vom Weltmeister-Titel 2013 redet er schon länger nicht mehr. Alonso weiß wohl, was die Stunde geschlagen hat.

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