Sebastian Vettel gewinnt das Qualifying beim Korea-GP. Sein Auto sorgt ihn mehr als die Konkurrenz. Hamilton treibt Psychotricks.

[kaltura id="0_vpakeukt" class="full_size" title=""]

Von Marc Ellerich

München - Gut möglich, dass Sebastian Vettel am Sonntag wieder Pfiffe zu hören bekommt - diesmal von den nicht allzu dicht bevölkerten Tribünen des Korea International Circuit.

Die Dominanz, mit welcher der Titelverteidiger die Formel-1-Saison 2013 durchmisst, hat ja bei einigen Fans zu einer gewissen Abwehrreaktion geführt. Zuletzt war das bei Vettels Jubelfahrt beim glamourösen Nachtrennen in Singapur zu beobachten.

Der deutsche WM-Beherrscher hat sich um die Schmähungen - um es salopp zu sagen - einen Dreck geschert. Diesen Eindruck hinterließ zumindest die imposante Runde, mit der er sich im Qualifying zum südkoreanischen Grand Prix (So., ab 7.45 Uhr im LIVE-TICKER) die sechste Pole-Position dieses Jahres sicherte (Bericht).

Webber strafversetzt

Seiner Bestzeit von 1:37,202 Minuten, die der Hesse schon im ersten Anlauf des letzten Quali-Durchgangs fuhr, näherte sich lediglich Lewis Hamilton im Mercedes. Zwei Zehntelsekunden fehlten dem zweitplatzierten Engländer in der Endabrechnung. (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis)

Die drittbeste Zeit von Vettels Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber fiel nicht weiter ins Gewicht. Der Australier verlor in Yeongam wegen eines Vergehens beim Singapur-GP zehn Plätze. Als Dritter geht daher Lotus-Mann Romain Grosjean ins Rennen - vor Mercedes' zweitem Mann Nico Rosberg und Ferrari-Star Fernando Alonso. (787246DIASHOW: Die Bilder des Qualifyings)

Mercedes geschlagen

An der Spitze jedoch glänzte Vettel. Und natürlich war es anschließend beliebtes Frage-Thema der Journalisten, wer ihn während der 308 Kilometer auf dem koreanischen Retorten-Kurs noch einholen könnte.

Viele kommen dafür nicht infrage, und selbst Verfolger Hamilton hörte sich nicht besonders zuversichtlich an.

"Man hofft ja immer. Ich habe alles aus dem Auto rausgeholt", sagte der Engländer nach der Hatz über die 5,6 Kilometer-Runde: "Hoffentlich haben wir die Lücke zu Red Bull ein wenig geschlossen. Aber um uns herum lauern morgen viele Gefahren."

Deutlicher noch fiel das Urteil seines Teamkollegen Rosberg aus. "Wir haben das Auto im Großen und Ganzen nicht hinbekommen", meinte der Blondschopf: "Red Bull scheint hier das Heft in der Hand zu haben"

Vettel: Wird eng

Vettel selbst schmeckt derartiger Vorschuss-Lorbeer ganz und gar nicht.

"Ausruhen können wir uns nicht", widersprach der demnächst mutmaßlich jüngste Vierfach-Weltmeister der Formel-1-Geschichte nach der Qualifikation seinem Landsmann: "Der Abstand zu Mercedes ist nicht riesig, morgen wird es eng."

Aber so recht scheint er seinen eigenen Worten selbst nicht zu glauben. Als er gefragt wurde, ob ihn die Leistung von Mercedes beunruhigt habe, verneinte der WM-Leader: "Wir haben das Auto, um sie zu schlagen."

Angst vor Defekt

Eher schon könnte Red Bull sich selbst besiegen, so lässt sich Vettels Analyse nach dem Qualifying zusammenfassen.

"Das, was wir am meisten fürchten, ist dass uns das Auto im Stich lässt", offenbarte der Hesse einen Blick ins innerste der Red-Bull-Seele: "Man hat gesehen, dass das Auto in den letzten Rennen ein bisschen anfällig war. Deswegen müssen wir erst durchkommen."

Vettel tritt also vor allem gegen "Hungry Heidi" an, seinen Boliden mit dem selbstgewählten Frauen-Vornamen, der ihn bis dato so solide durchs Jahr trägt - vom Ausfall in Silverstone abgesehen.

Alonso skeptisch

Von seinen Verfolgern - allen voran dem letzten verbliebenen WM-Konkurrenten Alonso - sprach der Red-Bull-Pilot da schon längst nicht mehr. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Warum auch? Selbst Alonso scheint nicht mehr damit zu rechnen, seinem deutschen Widersacher ernsthaft auf die Pelle rücken zu können.

"Wir sind nicht stark an diesem Wochenende", urteilte der Spanier nach dem Qualifying, und auch im Renn-Tempo, bisher die Stärke Ferraris, habe der F-138 Schwächen offenbart.

Alonso: "Ich bin nicht optimistisch, dass wir hier gewinnen oder aufs Podium fahren können."

Red Bull extrem selbstbewusst

Und selbst wenn. Das Selbstvertrauen der Red-Bull-Crew wird das in diesen Tagen kaum noch erschüttern.

"Wir können dem Rennen beruhigt entgegen sehen", gab Helmut Marko, der Motorsport-Verantwortliche des österreichisch-englischen Teams die Richtung vor: "Und sollten wir nicht gewinnen, fahren wir auf Platzierung."

Hamilton lobt Alonso

Aufruhr und Spannung, so scheint es, bietet die Formel 1 in der Ära Vettel nur, sobald die Piloten ihre Cockpits verlassen haben.

Etwa durch Vettel und sein berühmt-berüchtigtes Eier-in-den-Pool-Zitat oder durch Lewis Hamilton, der vor dem Korea-Rennen ganz ausdrücklich Alonso als schnellsten Mann des Feldes pries. Vettel hingegen sei nicht unschlagbar sondern sein Auto.

Aber was helfen solche Psychospielchen? Vettel lässt sich davon nicht beirren.

Und auch nicht von möglichen Ausläufern von Taifun Fitow und einem möglichen Regen-Rennen. "Auch im Nassen sind wir schnell", sagte er dazu.

Einzig eine zickende "Hungry Heidi" könnte den WM-Favoriten Nummer eins wohl noch nervös machen.

Weiterlesen