Die Silberpfeile bleiben nach dem Belgien-GP angriffslustig. Sogar den Angriff auf Red Bull traut sich das Team noch zu.

[kaltura id="0_mqmvincd" class="full_size" title=""]

Von Marc Ellerich

München - Dritter und Vierter. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte Mercedes nach den Platzierungen von Lewis Hamilton und Nico Rosberg ein Fass aufgemacht.

"Es wäre wie Weihnachten gewesen", stellte Teamchef Ross Brawn nach dem Belgien-Grand-Prix fest. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Doch die Ansprüche beim deutschen Renommier-Rennstall sind nicht mehr dieselben. Sie sind im Laufe der Saison beinahe im Wochen-Rhythmus gewachsen.

"Unsere Jungs sind etwas niedergeschlagen", berichtete Brawn nach dem nicht sonderlich aufregenden Ardennen-Klassiker in Spa: "Das ist ein gutes Zeichen. Die Erwartungen sind gestiegen."

Freude oder Frust?

So wussten die Sternenfahrer nach dem ersten Rennen nach der Sommerpause ihre Resultate nicht so recht einzuordnen: Freude zeigen über 27 frische WM-Punkte? Oder doch eher ein Frust-Rennen abhaken, weil Hamiltons Pole-Position - die achte für Mercedes im elften Rennen - nicht zum Sieg gereicht hatte?

Rosberg zum Beispiel berichtete in seinem Video-Blog nach dem Rennen, im Trockenen habe man gegen Vettel keine Chance gehabt: "Der ging ab, das war unglaublich."

Dass nur drei Piloten schneller als er selbst gewesen waren, erwähnte der deutsche Blondschopf nicht.

Red Bull als Maßstab

Es ist erstaunlich: Die vielen finsteren Momente, die das Team in der Vergangenheit erleben musste, sie scheinen fast vergessen.

Mercedes lebt nur noch im Hier und Jetzt. Und dort zählt allein der Abstand zum derzeit alles beherrschenden Red-Bull-Team. (Bericht: Vettel zertrümmert Konkurrenz)

Auch wenn Brawn nach dem elften Rennen des Jahres feststellte, sein Rennstall kämpfe derzeit mehr mit sich, denn mit den Konkurrenten.

Doch auch dem einstigen "Superhirn" der Königsklasse war natürlich nicht entgangen, dass die Mercedes-Piloten im Duell mit dem überlegenen Belgien-Sieger Vettel und dessen Nebenmann Mark Webber nur in der Frühphase des Grand Prix schlecht ausgesehen hatten.

"Da sahen wir aus wie lahme Enten", stellte Brawn fest. Später hingegen hellte sich das Bild auf: "Das Auto sah am Ende nicht schlecht aus."

"Bekommen es hin"

Warum das so war, darüber werden sich Brawn und seine Ingenieure bis zum kommenden Grand Prix in Monza ihre Köpfe zerbrechen.

Bis dahin gilt das Diktum des Teamchefs: "Wir sind eine halbe Sekunde langsamer als wir sein müssen."

Grund, in Trübsinn zu verfallen, wie in der Vorsaison so oft, ist das für die Sternenfahrer allerdings nicht mehr. "Wir bekommen es hin", meinte Brawn: "Aber es ist ja so, dass alles in Bewegung ist. Und Red Bull steht bestimmt nicht still."

58 Punkte zu Vettel

Die Silber-Crew aber auch nicht.

Schon beim Italien-GP in zwei Wochen in Monza wollen die Silbernen die Blauen wieder attackieren.

"Vielleicht schaffen wir es schon, im nächsten Rennen, den Hebel umzulegen", sagte Hamilton in Spa: "Wenn nicht, hoffe ich, dass wir von Singapur an viel stärker sein werden."

An Boden werde sein Rennstall ab sofort aber wohl kaum noch verlieren, das Paket sei mittlerweile besser als jenes der Scuderia Ferrari.

58 Punkte fehlen dem Weltmeister von 2008 auf den aktuellen Titelverteidiger Vettel, weshalb sich Hamilton zur allgemeinen Überraschung schon kurz nach Halbzeit seiner ersten Mercedes-Saison ausdauernd mit der W-Frage konfrontiert sieht. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Arbeit am W04

Vettel noch einzufangen, werde "zweifellos sehr, sehr hart", sagte Hamilton in Spa - und allein, dass er es nicht vollends ausschließen mochte, ist angesichts der jüngeren Mercedes-Geschichte eine pure Sensation.

Dass Mercedes kurz nach Saison-Halbzeit nicht auf die Entwicklung des Boliden für 2014 umgeschwenkt ist, sondern nach wie vor am Tempo des W04 arbeitet, zeigt: Die Hoffnung lebt.

Oder, um es mit Brawns Worten zu sagen: "Wenn sich die Chance ergibt, will man auf jeden Fall zur Stelle sein. Wir werden nicht aufhören, es zu probieren."

Weiterlesen