Peter Kohl sieht in seiner Kolumne Belgien-Dominator Vettel überirdisch. Alonsos Start nennt er grandios. Hamilton sei die Nr. 1.

Viel Appaus für Weltmeister Vettel, Lob für Alonso, Hamilton und Mercedes. Harte Worte für Sergio Perez, Felipe Massa und den Lotus-Rennstall. Die Tops Flops von SPORT1-Kommentator Peter Kohl nach dem Belgien-Grand-Prix.

TOP

Sebastian Vettel: Der Luke Skywalker des Belgien-Grand-Prix. Sein RB9 war unwiderstehlich wie das Leuchtschwert des "Krieg der Sterne"-Helden, und der Champion wusste es elegant und geschmeidig zu führen. Der vierte WM-Titel in Folge ist in dieser Form gebongt, fragt sich nur, wann er ihn eintütet.

Fernando Alonso: Der Spanier ist sich zuletzt wohl oft vorgekommen wie Don Quichote der gegen Windmühlen anrennt. Sein F138 ist auch in Belgien keine Rakete gewesen. Dafür aber der zweimalige Champion. Sein Turbostart von Platz neun auf fünf war ein grandioser Grundstein für die Steigerung auf Platz zwei im Ziel. Damit lässt er die letzten leisen Hoffnungen der Ferraristi weltweit noch leicht glimmen.

Lewis Hamilton: Im Freien Training war er noch von der Rolle, bezeichnete seinen W04 mehrfach als unfahrbar und schlecht ausbalanciert. Im Qualifying holte er die vierte Pole in Folge. Famos, wie der Engländer den Teamwechsel von McLaren zu Mercedes AMG gemeistert hat. Für mich ist er jetzt schon die klare Nummer 1 im Team. Eine starke Performance eines Mannes, der von vielen oft abschätzig als Diva bezeichnet wird!

Mercedes AMG: Hut ab für die achte Pole im elften Rennen. In der Form die Nummer zwei im Feld nach Red Bull. Eine enorme Leistungssteigerung in den letzten Wochen. Jetzt sind sie nicht nur auf einer schnellen Runde erstklassig, sondern auch im Rennen, egal bei welchen Bedingungen. Die Plätze drei und vier sind der Lohn dafür, dass am aktuellen Auto permanent weitergearbeitet wird. Dabei hätte Mercedes als Motoren- und Antriebsstranghersteller, der Kunden beliefern muss, allen Grund dazu, sich frühzeitig auf 2014 zu konzentrieren, denn WM-Titel werden sie 2013 keinen holen.

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McLaren mit Jenson Button: Klare Leistungssteigerung des gesamten Teams, der MP4-28 kommt langsam ins Rollen, und Button ist einfach ein grandioser Fahrer, ein exzellentes Aushängeschild für das Team. Seine Überholmanöver zeugen von seiner Extraklasse: Alles sauber und fair in der Manier eines echten Champions.

Adrian Sutil: Ich liebe Fahrer, die so konsequent und beherzt attackieren! Da hat er mit seinem Sahara Force India einen mitreißenden Boogie Woogie hingelegt. Kaltschnäuzig gibt der 30-jährige auf dem Weg zur Eau Rouge-Senke bei über 280 Km/h noch lässig einem Kollegen beim Überholen ein Handzeichen, als ob das alles nur ein Kinderspiel wäre. Eine echt coole Socke der Typ.

Die Strecke: Spa ist einmalig. Ein Traum, ein Hammer, der irgendwie alle inspiriert. Was da im Mittelfeld los war! Irgendwie waren alle mittendrin und nicht nur dabei. Ob Gutierrez, Van der Garde, Perez, Vergne, Ricciardo, Maldonado oder Di Resta. Es bildeten sich immer wieder ganze Züge, in denen mächtig gerauft wurde. Ich fand's sehr unterhaltsam.

FLOP

Sergio Perez: Junge, komm manchmal ein bisschen runter vom Gas! Würde Dir und allen anderen hin und wieder ganz gut tun.

Felipe Massa: Freud- und ideenlos, blass und bieder. Kämpft SO jemand um eine Verlängerung des eigenen Vertrages? Oder weiß er bereits mehr und sein Abgang von Ferrari steht fest? So wirkte sein Auftritt zumindest.

Lotus: Ist der Druck der Schuldenlast so schwer, dass dem Team langsam die Luft ausgeht? Dieses Wochenende war kein gutes Argument, um Kimi Räikkönen zum Bleiben zu überzeugen.

Pastor Maldonado: Er wird zum Brechstangen-Rowdie. Wehret den Anfängen! Permanent aus dem Auto Dinge zaubern zu wollen, die selbiges nicht hergibt, sorgt für unnötige Überraschungen. Der Crash in der Bus-Stopp-Schikane ist für mich allerdings ein renntypischer Unfall, die Bestrafung für Maldonado in meinen Augen nicht nötig.

Frisuren-Benoter: Warum so viele Typen meinen, Vettel für sein Styling kritisieren zu müssen. Lasst den Mann doch machen, worauf er Bock hat und schaut selber in den Spiegel. Da wird's vielleicht manch böse Überraschung geben.

In diesem Sinne, Keep cool, stay easy!

Bis in zwei Wochen - ich freu mich auf Monza!

Ihr Peter Kohl

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