In seiner SPORT1-Kolumne glaubt Hans-Joachim Stuck an eine WM-Vorentscheidung. Er nennt Gründe für Vettels Dominanz.

Hallo Formel-1-Fans,

der Sieg von Sebastian Vettel beim Belgien-GP war für ihn sicherlich ein wichtiger Schritt in Richtung Titel, vor allem wenn man die extreme Dominanz gesehen hat.

Auch seinem Team gelang mit der neuen Flügeleinstellung wieder ein schlauer Schachzug. Das Auto war ja auf der Geraden pfeilschnell. Warum also soll Vettel schlechter werden? Er wird wohl eher noch besser.

Selbst dass ihn die starken Mercedes-Piloten noch gefährden können, kann ich mir nicht vorstellen. Sie werden vielleicht noch das eine oder andere Rennen gewinnen, aber Sebastian muss ja nicht mehr krampfhaft jedes Rennen gewinnen. Bevor er ein zu großes Risiko eingeht, wird er lieber einmal Zweiter oder Dritter.

Deshalb glaube ich, dass dieser Sieg eine kleine Vorentscheidung war und dass sich vielleicht auch Mercedes ab sofort schon mehr auf die nächste Saison konzentriert.

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Für mich hat die Dominanz von Vettel mehrere Gründe: Einmal das über den Winter entwickelte Gesamtpaket. Wenn das nicht stimmt, hast du Probleme. Das sieht man ja bei den anderen Teams.

Dazu schaffen sie es immer wieder, im Training ihre Hausaufgaben zu machen und im Rennen das richtige Paket schnüren. Das ist praktisch ein Null-Fehler-Job. Allerdings funktioniert es immer nur bei Vettel und nicht bei Webber.

Der Mark ist wirklich eine arme Sau. Er befindet sich ja fahrerisch auf Augenhöhe mit Sebastian. Das kann nur bedeuten, dass man 99 Prozent der Kraft auf Sebastian konzentriert.

Das ist insofern ja verständlich, weil er die Speerspitze ist. Bei einem Team mit einer klar definierten Nummer 1 bekommt die auch immer das bessere Material. Auch weil Webber nächstes Jahr nicht mehr dabei ist, wird er wohl schon stiefmütterlich behandelt.

Bleibt die Frage, wer denn nun den Australier ersetzen wird. Wenn ich da die Wahl bei Red Bull hätte, wäre für mich Kimi Räikkönen Pflicht. Man muss ja auch schauen, dass man die Konstrukteurs-WM gewinnt.

Daniel Ricciardo ist zwar gut, aber noch relativ jung und damit ein kleiner Unsicherheitsfaktor. Die Frage ist, ob Red Bull ihm die Zeit gibt, sich zu entwickeln. Bei einem Top-Mann wie Räikkönen haben sie eine sichere Bank und wissen, was auf sie zukommt. Außerdem würde er Vettel mal richtig Feuer machen.

Das fände ich cool, da haben sicherlich auch die Zuschauer etwas davon. Vielleicht hat sich der Vettel ja schon in weiser Voraussicht die Haare färben lassen. Da könnte man dann seine grauen Haare nicht sehen, falls Räikkönen ihm davon fährt.

Bis zum Italien-Grand-Prix, Euer Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck ist einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Rennfahrer. In seiner aktiven Karriere bestritt er 74 Formel-1-Rennen und fuhr in der Königsklasse zwei Mal auf das Podium. Außerdem gewann er zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans, drei Mal die 24 Stunden auf dem Nürburgring, wurde Langstrecken-Weltmeister und DTM-Sieger. Seit dieser Saison schreibt er wöchentlich eine Formel-1-Kolumne bei SPORT1.

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