Red-Bull-Star Vettel schwärmt nach seinem Belgien-Triumph. Vom WM-Sieg will er nichts wissen. Der neue Kollege steht fest.

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Vom Belgien-Grand-Prix berichtet Andreas Reiners

Spa - Sebastian Vettel wusste sofort, bei wem er sich zu bedanken hatte.

Der Weltmeister streichelte zunächst einmal ganz zärtlich seine "Hungry Heidi". Auf dem Podium lauschte der Red-Bull-Pilot dann andächtig der deutschen Nationalhymne und zeigte immer wieder die Siegerfaust. Da hatte sich Vettel bereits per Funk vor seinem Team verneigt.

Kein Wunder, dass der 26-Jährige auf der Pressekonferenz schließlich regelrecht ins Schwärmen geriet. "Es war ein wirkliches Vergnügen, dieses Auto fahren zu dürfen. Es war ein fantastisches Rennen, vom Start bis ins Ziel. Wir haben bis zum Schluss Gas gegeben", erklärte Vettel. (Bericht: Vettel zertrümmert Konkurrenz)

Mit seinem fünften Saisonsieg und dem 31. seiner Karriere beim Großen Preis von Belgien in Spa baute der Heppenheimer nicht nur seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf 46 Zähler vor seinem ersten Verfolger Fernando Alonso aus, der im Ferrari Zweiter wurde. (DATENCENTER: Rennergebnis)

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Ein dickes Ausrufezeichen

Nein, Vettel setzte im elften Saisonrennen vor allem ein dickes Ausrufezeichen. Es war eine Demontage der Konkurrenz, die Vettel nach Belieben dominierte und eine Demonstration der eigenen Stärke. Der dreimalige Champion liegt mit 31 Siegen nun auf Rang fünf der ewigen Bestenliste und knackte als fünfter Fahrer der Geschichte die Marke von 2000 Führungsrunden. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Sein Sieg: nie in Gefahr. Die Art und Weise: beeindruckend. Und die Titelaussichten? Könnten kaum besser sein. (Einwurf: Eine Hand am WM-Pokal)

Lob gab es auch von der Konkurrenz: "Sebastian ist wieder ein Wahnsinnsrennen gefahren. Wie der von Anfang an abgehauen ist - echt Wahnsinn", staunte Nico Rosberg, der hinter seinem Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton Vierter wurde.

Der Brite musste eingestehen: "Man kommt immer mit vielen Neuerungen nach Spa. Wir haben einen ordentlichen Job gemacht, die anderen aber einen besseren", sagte Hamilton, der in der WM-Wertung nun Dritter ist.

Aber: An den vierten Titel in Folge denkt Vettel selbst (noch) nicht. Statistiken interessieren den Heppenheimer sowieso nur am Rande.

"Ein schöner Bonus"

"Die Gesamtwertung ist ein schöner Bonus. Ich weiß natürlich: Je weiter vorne ich lande, desto besser ist es für mich. Ich habe aber nicht auf die Punkte oder die WM geschaut", so Vettel.

Das sieht bei seinem Ferrari-Konkurrenten ganz anders aus.

"Wir müssen an solch einem Wochenende das Maximum herausholen. Das haben wir getan. Der zweite Platz war für den Titelkampf immens wichtig", so Alonso. Die Botschaft: Der Vize-Weltmeister hat den Titelkampf noch lange nicht aufgegeben.

Denn: Wie man einen souveränen Vorsprung noch verspielt, hatte Alonso selbst erst in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt.

"Ich hatte nach Monza 41 Punkte Vorsprung auf Sebastian, und nach Austin lag ich 15 Punkte zurück. Wir versuchen jetzt das Gleiche, nur umgekehrt", gibt sich Alonso vor dem kommenden Rennen in zwei Wochen im Ferrari-Land Italien kämpferisch. Denn dort sieht selbst Vettel Red Bull "nicht so stark".

Ricciardo wird der Vettel-Teamkollege

Doch während Vettel im Titelkampf momentan das Tempo vorgibt, dreht sich auch das Personalkarussell in der Formel 1 weiter auf Hochtouren.

Nach SPORT1-Informationen ist der Wechsel von Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo zwar noch nicht offiziell, aber bereits fix. Dazu passt auch, dass sich Vettels Noch-Teamkollege Mark Webber am Rande des Grand Prix in dieselbe Richtung äußerte.

"Ich denke, wir alle wissen, wer es ist und ich bin glücklich mit dieser Entscheidung. Es ist gut für ihn und gut für Australien", sagte der 36-Jährige dem australischen Sender Channel 10.

Damit ist die Tür bei Red Bull sowohl für Alonso als auch für Kimi Räikkönen wohl zu. Beide waren im Rahmen der Silly Season der Formel 1 als Teamkollegen von Vettel im Gespräch.

Während Alonso die Gerüchte wohl vor allem dafür nutzte, um seinem Arbeitgeber die Unzufriedenheit über die Performance seines Dienstautos mitzuteilen, sagte Räikkönen zu den Gerüchten üblicherweise das, was er immer sagt: nicht viel.

Doch eigentlich fühlt sich der Finne bei Lotus wohl. Was zudem gegen Ferrari spricht: 2009 jagten die Italiener den Champion von 2007 vom Hof. Der damalige Grund: Die Verpflichtung Alonsos.

Allerdings hat sein jetziger Arbeitgeber ihm offenbar noch nicht sein volles Gehalt überwiesen. Außerdem will der 33-Jährige ein konkurrenzfähiges Auto. In Spa schied Räikkönen nach einem Bremsdefekt vorzeitig aus und rutschte auf Rang vier der Gesamtwertung ab. Die Fahrerfragen bleiben spannend. Spannender als der Titelkampf.

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