Parkraum ist ein äußerst umkämpftes Gut, wenn die Formel 1 in Spa zu Gast ist. Das erlebt SPORT1-Reporter Andreas Reiners.

Die Besitzerin des Bauernhofs macht wohl das Geschäft ihres Lebens. Wahrscheinlich ist sie deshalb schon am frühen Morgen bester Laune. Zehn Euro nimmt sie wie viele andere Grundstücksbesitzer in dem kleinen Örtchen Spa für einen Parkplatz. Pro Tag versteht sich. Rechnet man die übereinander gestapelten Autos zusammen, dürfte an einem Rennwochenende locker ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen.

Der Vorteil an einem Formel-1-Rennen im Königreich Belgien: Der Traditionskurs in den Ardennen mit seiner berühmten Eau Rouge, dem wechselhaften Wetter und der großen Historie versprüht einen Charme, wie man ihn an Orten wie Südkorea, Indien oder Bahrain wohl noch in Jahren vergeblich suchen wird. Der Nachteil: Die Anzahl der Menschen in dem 10.000-Einwohner-Ort versiebenfacht sich. Parkplätze sind demnach rar und heiß begehrt. Vor allem, je näher man an die Strecke kommt.

Doch wie heißt es so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Oder wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Lebensweisheiten, die man gerne mal verflucht, sobald sie zutreffen. Ich mache mich in aller Herrgottsfrühe auf den Weg in dem Wissen, dass mit Sicherheit Zehntausende andere Besucher die gleiche Idee haben.

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Doch Polizei und Ordnungsdienst sind bestens vorbereitet. ?Ich würde gerne im Ort parken?, sage ich an der ersten Kreuzung kurz vor Francorchamps. Keine Chance. Der Polizist duldet keine Diskussion und schickt mich mit einem kurzen, aber unmissverständlichen Befehl durch abgelegene Felder, Wiesen und Weiden.

Ich fahre gezwungenermaßen in die Walachei in der leisen Hoffnung, über Umwege dann doch noch in den Ort zu kommen. 20 Minuten später gebe ich auf, drehe und versuche erneut mein Glück. Während mein Freund und Helfer gerade einen anderen Besucher anraunzt, nutze ich die Chance und nehme den direkten Weg nach Spa in der Hoffnung, dann doch nicht auf einer Wiese parken zu müssen. Es soll nämlich angeblich auch befestigte Plätze rund um die Strecke geben.

Doch keine Chance, auch in Spa selbst ist der Ordnungsdienst vorbereitet. Und genauso kompromisslos wie die Polizei. Auf den gefühlt 26. Parkplatz, der die Straße säumt, werde ich schließlich zwangsweise eingewiesen. Und stehe am Ende dann doch auf einer Kuhweide. Spa hat eben seinen ganz eigenen Charme.

Und bietet den Fans neben einer normalerweise verschlafenen Kleinstadt, die sich mit ihren Boulangerien, Patisserien und zahlreichen Bier- und Essbuden Jahr für Jahr für die Motorsport-Königsklasse herausputzt, natürlich auch die üblichen Merchandising-Stände. Für ein Red-Bull-Hemd von Sebastian Vettel oder ein rotes Stück Textil von Fernando Alonso muss der Fan über 60 Euro berappen. Charme hin oder her: Auch das ist die Formel 1.

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