Lewis Hamilton (M.) sichert in Spa die achte Pole 2013 für Mercedes © getty

Das Qualifying zum Belgien-GP gleicht einer Lotterie. Hamilton jubelt über den Jackpot. Verfolger Vettel bleibt gelassen.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel hätte allen Grund gehabt, sich zu grämen.

Wie zuletzt vor vier Wochen beim Rennen in Ungarn, davor in Deutschland und davor wiederum in England hatte ihm Mercedes-Star Lewis Hamilton auch beim ersten Grand Prix nach der Sommerpause im Qualifying das Nachsehen gegeben.

Und zwar auf reichliche spektakuläre Art: Beim regengetränkten belgischen Klassiker in Spa schob sich der Brite auf den allerletzten Drücker am Deutschen vorbei auf den ersten Startplatz. (Bericht: Hamilton vor Red-Bull-Duo)

Dritter wurde Vettels scheidender Teamkollege Mark Webber vor Hamiltons Mercedes-Nebenmann Nico Rosberg. (DATENCENTER: Ergebnisse des Qualifyings)

Schaden begrenzt

Bei Red Bulls Triple-Weltmeister sorgte Hamiltons Coup nur vorübergehend für eine finstere Miene.

"Es ist schade, dass ich die Pole wieder einmal verpasst habe, aber insgesamt bin ich recht zufrieden", kommentierte Vettel sein Resultat.

Er wusste natürlich, dass er den Schaden bei den tückisch wechselnden Bedingung in sehr engen Grenzen gehalten hatte.

Vettel: Nur einer schneller

Mal Platzregen, dann wieder trockener Asphalt und das von einer Kurve zur nächsten, so turbulent ist das Mikroklima auf der belgischen Achterbahn Spa.

Und diese Wetter-Kapriolen hätten ihn schließlich viel schlimmer treffen können, mag sich der WM-Führende gedacht haben.

"Überraschenderweise hat es in den letzten Sektoren sehr stark abgetrocknet. Es kam auf die letzte Runde an", schilderte Vettel das Highspeed-Lotto: "Die haben wir, glaube ich, ganz gut hinbekommen. Es war nur einer schneller."

"Gepusht, gepusht, gepusht"

Dieser eine hieß Hamilton und war anschließend völlig von den Socken.

"Ich war so überrascht, als ich über die Linie gefahren bin", berichtete der Pole-Setter: "Als ich die Runde begonnen habe, habe ich gesehen, dass ich Siebter oder Achter war. Ich dachte: 'Oh Nein'. Und dann hat es auch noch stärker zu regnen angefangen."

Hamilton merkte, dass er Zeit verlor, fünf, sechs Sekunden, aber er ließ nicht locker: "Ich habe gepusht, gepusht, gepusht, und sah, dass ich Sebastian einholte. Was für ein Segen, ich bin so glücklich."

Rosberg im Pech

Vermutlich um so mehr als er sah, wie es seinem Teamkollegen Rosberg erging.

Denn bis zum furiosen Finale der Vorderleute durfte sich der Blondschopf durchaus ebenfalls in Reichweite seiner vierten Pole-Position in diesem Jahr fühlen.

"Es ging drunter und drüber", schilderte Rosberg die turbulente Jagd: "Wenn es weiter geregnet hätte, wäre ich vorne gewesen. Am Ende muss man sagen: Pech. Aber so ist es halt."

Allzu geknickt wirkte Rosberg freilich nicht, denn auch ihm war bewusst, dass sich sonntags auf den 308 Kilometern durchs belgische Bergland durchaus ähnliche Dramen und Glückfälle bieten werden.

Und warum sollte sich das Blatt dann nicht zu seinen Gunsten wenden?

"Wir hoffen auf die gleichen Mischbedingungen, da ist das Auto gut", wünschte sich jedenfalls Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei "Sky": "Hoffentlich bleibt es Spa-Wetter."

Alonso: Können hier gewinnen

Vettel machte sich da ebenfalls wenig Illusionen: "Es ist vielleicht gar nicht entscheidend, ob man von Platz eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs oder sieben losfährt. In so einem Rennen kann alles passieren", sagte er: " Es viel wichtiger, wach zu sein und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Reifen draufzuhaben. Der Rest wird sich zeigen."

Und weil Vettels Analyse sicher stimmt, hoffte sogar sein im Qualifying abgeschlagenen Verfolger Fernando Alonso noch auf eine deutliche Steigerung. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Wir können das Rennen hier gewinnen", kommentierte Ferrari-Star Alonso seinen enttäuschenden neunten Startplatz: "Vettel ist im vergangen Jahr als Zweiter losgefahren und als Zweiter angekommen."

Dramatik garantiert

Der viermalige Spa-Gewinner Kimi Räikkönen, im Lotus einen Platz besser als Alonso, ist da weniger zuversichtlich, er wünschte sich trockenes Wetter.

Aber auch der Iceman hat den Grand Prix nicht vollends abgehakt: "Morgen ist ein neuer Tag. Wir müssen abwarten, wie es dann aussieht."

Man wird sehen. Fest steht vor dem Neustart der Königsklasse am Sonntag bisher nur eins: Dramatik ist garantiert.

Oder, um einen der Lieblingssätze von Weltmeister Vettel zu zitieren: "Es wird ein langes und spannendes Rennen."

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