Sebastian Weltmeister wurde dreimal in Serie Weltmeister © getty

In Spa will die Konkurrenz den Weltmeister attackieren. Ferrari steht am Scheideweg, Mercedes befindet sich im Aufwind.

Von Jan Reinold

München - Die Durststrecke vor der Sommerpause hat bei Ferrari doch die eine oder andere Frage aufgeworfen, also sah sich Luca di Montezemolo kürzlich zu einer Klarstellung in eigener Sache veranlasst.

Ausdrücklich "mit Respekt vor denen, die Getränke herstellen" - also beispielsweise Red Bull - betonte der Ferrari-Präsident: "Wir stellen keine Getränke her. Wir bauen Autos der höchsten Kategorie".

Das ist für alle Fans der stolzen Scuderia aus Maranello sicher schön zu hören.

Allerdings fuhren Fernando Alonso und Felipe Massa zuletzt in ihren Autos der höchsten Kategorie dem Brausehersteller (und WM-Spitzenreiter) Red Bull sowie den anderen Spitzenteams nur hinterher.

Deal geplatzt: Räikkönen nicht zu Vettel

Am Freitag geht mit dem ersten Freien Training zum Belgien-GP in Spa (ab 9.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) die vierwöchige Sommerpause in der Formel1 zu Ende.

Dann ist es zunächst einmal wieder vorbei mit den Sommerloch-füllenden Gerüchten um die Nachfolge von Mark Webber und die Zukunft von Kimi Räikkönen. Der "Iceman" ist sich offenbar nicht mit Red Bull einig geworden (News).

Ab Freitag rücken wieder der Sport und der Kampf um WM-Punkte in den Vordergrund. Und da sieht es für Ferrari, aber auch Lotus und Mercedes nicht allzu gut aus.

Vettel unschlagbar?

Weltmeister Sebastian Vettel geht mit 172 Punkten in die zweite Saisonhälfte. Vor den letzten neun Rennen beträgt der Vorsprung des Heppenheimers auf Lotus-Pilot Räikkönen, der bereits viermal in Spa gewann, stolze 38 Zähler.

Dritter ist Alonso (133 Punkte). Mercedes-Pilot Lewis Hamilton liegt nach seinem Triumph in Ungarn als Vierter (124) in Lauerstellung (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Angesichts von Vettels klarem Vorsprung hisste Niki Lauda bereits die weiße Flagge. "Den Vettel mit diesem Red Bull zu schlagen, das schafft keiner", klagte der Mercedes-Aufsichtsratschef zuletzt im Gespräch mit "auto, motor und sport".

Horner warnt vor Mercedes

Ob der Österreicher das wirklich ernst meinte, darf bezweifelt werden. Insgeheim machen sich die "Silberpfeilfe" nach der Lösung der Reifenprobleme noch Hoffnungen auf die WM-Krone. Vor allem Hamilton hat nach dem Triumph in Ungarn - vor Räikkönen und Vettel - Blut geleckt.

"Nach so einem Sieg denkt man natürlich, dass alles möglich ist", sagte der Brite. Es sei zwar noch zu früh, um die WM-Chancen abschließend zu beurteilen, aber: "Alle Strecken, die jetzt noch kommen, sollten mir und dem Auto liegen."

Diese Einschätzung teilt man offenbar auch bei Red Bull - trotz Vettels großem Vorsprung von 48 Punkten auf Hamilton. "Für mich war Mercedes nie aus dem Titelrennen", betont Teamchef Christian Horner: "Es wird eine harte zweite Hälfte. Aber wir müssen unsere Konstanz beibehalten, egal wie der Gegner heißt."

Konstanz als Alleinstellungsmerkmal

Diese Konstanz war es in der ersten Saisonhälfte, die Vettel fast unschlagbar machte. Kein anderes Team ist bislang derart stark in Qualifying UND Rennen.

Lotus hat Schwächen bei der Zeitenjagd, konnte aber sonntags glänzen. Mercedes hat zwar auf einer Runde das schnellste Auto, im Rennen aber fuhr man aufgrund der Reifenprobleme wochenlang meist hinterher. Und Ferrari baute zuletzt stark ab und hatte sowohl im Qualifiying als auch im Rennen Schwächen.

Glaubt man Massa, der zur neuen Saison durch Räikkönen ersetzt werden könnte, richtet man daher bei Ferrari schon den Blick in die Zukunft.

Ferrari am Scheideweg

"Wir denken schon an das nächste Jahr", behauptet der Brasilianer. In den nächsten Rennen müsse man beobachten, ob man den Abstand zu Red Bull in der Sommerpause habe verringern können - oder eben nicht.

Sollte die Wende ausbleiben, so Massa, müsse man die Konsequenzen ziehen und sich "ganz und gar" auf das Jahr 2014 konzentrieren, wenn mit der Einführung der größeren V6-Motoren und dem neuen Aerodynamik-Reglement ein Umbruch auf die Teams zukommt.

Ferrari dürfte also in Spa am Scheideweg stehen.

Alonso: Titel ist noch nicht weg

Alonso, der im Vorjahr in der zweiten Saisonhälfte 42 Punkte Vorsprung auf Vettel verspielte, hatte nach dem Ungarn-GP über die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Ferrari geklagt ("Die Überlegenheit von Red Bull ist überwältigend - auch die von Lotus und Mercedes").

Nach einem Rüffel von di Montezemolo ist der Doppelweltmeister von 2005 und 2006 inzwischen wieder auf Linie gebracht.

Es werde "extrem schwer", aber man werde natürlich bis zum Schluss kämpfen, sagte der Spanier zuletzt und betonte: Der WM-Titel sei noch "nicht weg".

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