Sebastian Vettel (l.) löste Ayrton Senna als jüngsten dreimaligen Weltmeister in der Formel 1 ab © getty

Nach dem Gewinn des dritten WM-Titels in Folge spricht Sebastian Vettel über den dramatischen Rennverlauf und die Rekorde.

Sao Paolo - Sebastian Vettel hat es geschafft.

Er ist Weltmeister - zum dritten Mal in Folge, was vor ihm nur Juan Manuel Fangio (von 1954 bis 1957) und Michael Schumacher (von 2000 bis 2004) gelungen war (DATENCENTER: WM-Endstand).

Dabei sprach während des Rennens immer wieder ein neuer Grund dagegen (BERICHT: WM-Hitchcock: Vettel atemlos zum Titel-Triple).

Ob die Startkollision mit Bruno Senna, der Ausfall des Boxenfunks und die daraus resultierenden zeitlich falsch gewählten Boxenstopps, der Ausfall von Lewis Hamilton und der Zeitstrafe gegen Nico Hülkenberg ( 643404 DIASHOW: Bilder des Rennens ).

Im Interview spricht Sebastian Vettel über den dramatischen Rennverlauf, den Unfall mit Ayrton Sennas Neffe Bruno und die Bedeutung von Rekorden.

Frage: Herr Vettel, wie viel Adrenalin haben Sie nach so einem Rennen in Ihrem Körper?

Sebastian Vettel: Im Moment könnte man mich anstechen, ich würde es nicht merken. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden, vor allem nach so einem Rennen. Alles was schiefen gehen konnte, ging schief. Aber wir haben immer an uns geglaubt anstatt frustriert und verärgert zu sein.

Frage: Wie haben Sie den Start erlebt?

Vettel: Der Start war soweit ganz gut, dann wurde ich an die linke Seite gedrängt. Ich musste früh bremsen, habe dadurch Positionen verloren und wurde dann von hinten getroffen und habe das Feld auf mich zufahren sehen. Ich bin praktisch als Geisterfahrer gestanden, was nicht ideal ist. Schwieriger hätte man es uns nicht machen können. Wir waren nach dem Unfall erstaunlich schnell wieder vorne. Uns wurden alle Steine in den Weg gelegt, aber es hat einfach sein sollen.

Frage: Welche Gedanken gingen Ihnen beim Unfall durch den Kopf?

Vettel: Das Grab von Ayrton Senna ist ja hier in der Nähe. Ich muss glaube ich mal an das Grab gehen und ihm sagen, was sein Neffe hier gemacht hat. Es ist zu diesem Zeitpunkt extrem schade gewesen, aber es hat vielleicht einfach sein sollen. Hätte, wenn und aber ist wurscht. Am Ende ist wichtig, dass wir es geschafft haben. Der Regen hat uns dann geholfen.

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Frage: Geholfen hat auch Jenson Button mit seinem Sieg. Werden Sie sich revanchieren?

Vettel: Ich glaube, wir müssen uns bei keinem bedanken. Wir hatten es schwer genug. Gratulation aber trotzdem an Jenson.

Frage: Warum haben sie vor dem Regen nochmal die Reifen gewechselt?

Vettel: Das hat uns wirklich nicht geholfen, die Reifen waren aber hin. Ich wollte noch eine Runde draußen bleiben, aber wir haben den Funk verloren. Das hilft dann auch nicht, gerade wenn es anfängt, zu regnen. Ich habe ja gerufen, aber da war eben keiner da. Es war ein verrücktes Rennen, verrückter kann man es nicht gestalten. Es tut mir auch Leid, wenn der ein oder andere von der Couch gefallen ist. Im Auto war es genauso spannend.

Frage: Sie haben bereits zahlreiche Rekorde gebrochen. Jetzt ist es der dritte WM-Titel in Folge. Was bedeutet das für Sie?

Vettel: Wenn ich mich nicht täusche haben das nur zwei Fahrer vor mir geschafft. Wir sind hier in Sao Paolo, wo Ayrton Senna geboren wurde, wo er herkommt und wo er beigesetzt wurde. Hier herzukommen und den dritten WM-Titel in Folge zu gewinnen, da weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich möchte mich bei jedem im Team bedanken. Ich weiß, dass das jetzt abgedroschen und nach einer Standardphrase anhört, und wir werden häufig kritisiert, wenn wir mit Phrasen daherkommen, aber ich fühle mich nur als einer im Team und nicht mehr oder weniger wichtig als alle anderen.

Frage: Wie nervös waren Sie vor dem Rennen?

Vettel: Ich habe am Samstag zu den Jungs gesagt: "Bin ich nervös? Ja." Ich denke, wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht nervös gewesen wäre, hätte ich versagt. Ich hatte die große Chance, ich war in einer großartigen Ausgangslage. Deswegen habe ich gesagt: "Ja, ich bin nervös." Aber so gesehen, sind wir immer nervös. Das brauchen wir, um ins Laufen zu kommen, dass wir präsent sind, dass wir heiß sind. Und jetzt im Rennen hatten viele solcher Phasen, wo wir präsent sein mussten, andernfalls wäre es nichts geworden.

Frage: Wie sehen Sie Ihre Chance, Michael Schumachers Rekord von sieben WM-Titeln zu brechen?

Vettel: Darauf zu antworten, ist Nonsens. Was er in seiner Karriere erreicht hat, ist unglaublich. Die Leute neigen dazu zu vergessen, dass er das Geschehen wie kein anderer Fahrer in der Formel 1 in seiner Zeit dominiert hat.

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