Sebastian Vettel musste in Brasilien lange um den WM-Titel bangen © getty

Er hat es geschafft! Im Regen von Sao Paulo reicht dem Red-Bull-Pilot Platz sechs zum Titel. Button gewinnt vor Alonso.

Sao Paulo - Nachdem er in einer an Dramatik kaum zu überbietenden Nervenschlacht den Titel-Hattrick vollendet hatte, kletterte Sebastian Vettel völlig entkräftet aus seinem Auto (DATENCENTER: Rennergebnis).

Als erster Gratulant des nun dreimaligen Formel-1-Weltmeisters eilte Rekordchampion Michael Schumacher herbei, anschließend hätte Teamchef Christian Horner seinen Champion vor Freude beinahe erdrückt.

Red-Bull-Pilot Vettel reichte beim verrückten Saisonfinale in Brasilien mit einem Unfall direkt nach dem Start, vier Boxenstopps und einer Zieleinfahrt hinter dem Safety Car ein sechster Platz, um von 13 mitgebrachten Punkten drei Zähler Vorsprung ins Ziel zu retten ( 643404 DIASHOW: Bilder des Rennens ).

"Ein verrücktes Rennen"

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte Vettel nach der emotionalen Achterbahnfahrt: "Es war ein verrücktes Rennen. Mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können. Ich möchte jetzt gar nicht so viel rumschwätzen, rumbabbeln. Vielen Dank und liebe Grüße in die Heimat. Danke fürs Daumendrücken."

Seinem WM-Rivalen Fernando Alonso (Ferrari) genügte der zweite Platz im Reifenpoker bei ständig wechselnden Witterungsbedingungen mit starkem Regen zum Schluss nicht, er schaute nach dem Zieleinlauf gedankenverloren unter seinem Helm ins Nichts.

"Sebastian, du bist Dreifach-Weltmeister, Du bist der Beste", rief das Team dem alten und neuen Champion via Boxenfunk zu, in der Red-Bull-Box fielen sich alle Crewmitglieder erleichtert in die Arme (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Viele Wechsel in der WM-Führung

In einem der dramatischsten Rennen aller Zeiten war der virtuelle Weltmeister mehrfach zwischen Vettel und Alonso hin und her gewechselt.

Vor Vettel hatten nur der legendäre Juan Manuel Fangio (1954-57) und Schumacher (2000-04), der am Sonntag mit einem mehr als versöhnlichen siebten Platz zum zweiten Mal und diesmal endgültig seine Karriere beendete, mindestens drei Mal in Folge den Titel geholt.

Vettel, dem ein neuer gold-silberner Glückshelm und ein Trikot seines Lieblings-Vereins Eintracht Frankfurt von Torjäger Alex Meier als Glücksbringer dienten, ist zudem nicht nur der jüngste dreimalige Weltmeister überhaupt, er ist bei seinem dritten Triumph mit 25 Jahren und 4 Monaten nun sogar jünger als Schumacher bei seinem ersten von sieben Titeln im Jahr 1994 (25 Jahre, 10 Monate).

Hülkenberg überrascht

Der künftige Sauber-Pilot Nico Hülkenberg überraschte beim Sieg des Briten Jenson Button (McLaren) in seinem letzten Rennen für Force India mit Platz fünf und krönte mit 30 Führungsrunden seine tolle Saison.

[kaltura id="0_sb8ecu40" class="full_size" title="Titel Hattrick Die Konkurrenz gratuliert Vettel"]

Nico Rosberg belegte im Mercedes Rang 15, Marussia-Pilot Timo Glock wurde 16.. Rekordchampion Schumacher wurde würdig verabschiedet und erhält sogar das Auto aus dem letzten Rennen als Geschenk von Mercedes.

Seinen Triumph feiert Vettel am Sonntagabend im "Club Villa Mix" in Sao Paulo mit seinem gesamten Team. Nachdem er in der Vorwoche mit Red Bull auch schon zum dritten Mal in Serie die Teamwertung gewonnen hatte, hatte Vettel auch 100 Minuten vor dem Start schon seinen ersten individuellen Pokal bekommen.

Vom Sponsor geehrt

Ein Sponsor ehrte ihn für die meisten schnellsten Rennrunden in diesem Jahr. Nach 6 Bestzeiten in den vorherigen 19 Rennen war er in dieser Kategorie schon vor dem letzten Lauf nicht mehr zu verdrängen. Im Vorjahr hatte diesen noch Teamkollege Mark Webber für insgesamt sieben schnellste Runden erhalten.

Vor dem Start wirkte Vettel angespannt, aber konzentriert. Er tigerte um sein Auto herum, zupfte sich immer wieder den Rennanzug zurecht und zog akribisch die Klebestreifen an seinem nagelneuen Helm zurecht.

Nachdem er schon einen schlechten Start gehabt hatte, wurde der Titelverteidiger in der dritten Kurve in eine Kollision mit Bruno Senna verwickelt und drehte sich. Das Rennen nahm er wieder auf, allerdings meldete er per Funk einen Schaden am Auto.

Super-Manöver von Alonso

Alonso eroberte mit einem sensationellen Manöver auf der Zielgerade am Ende der ersten Runde Rang drei - damit wäre er zu diesem Zeitpunkt Weltmeister gewesen. Vettel startete hinten tapfer die Aufholjagd und war nach neun Runden Sechster.

Zwischendurch war Alonso gleich zwei Mal von der Strecke abgekommen und hatte den wichtigen dritten Platz verloren. Vettel war virtuell wieder vorne.

Nach elf Runden fuhren beide in die Box und holten sich Intermediates. Vettel kam als 17. wieder auf die Strecke, Alonso als Zwölfter. Beide pflügten sich jedoch weiter durchs Feld. Drei Umläufe nach dem Stopp belegten sie schon die Plätze vier und acht, das hätte Vettel gereicht. Vor allem als er kurz darauf mit nur 2,4 Sekunden hinter seinem Rivalen Fünfter war.

Derweil fuhr Hülkenberg vorne ein grandioses Rennen. Nach 18 Runden überholte er den bis dahin führenden Button. Am Ort seiner Sensations-Pole vor zwei Jahren führte er plötzlich das Rennen an.

Erst Alonso, dann Vettel

Alonso legte in der 19. Runde mit dem zweiten Reifenwechsel vor, wodurch Vettel erstmals seit dem Start wieder vor ihm lag. Der Hesse wurde jedoch eine Runde später von seinem Team in die Box gerufen und wechselte ebenfalls. Wieder lagen die Rivalen auf den Plätzen vier und fünf.

In Runde 23 wurde plötzlich für sieben Runden das Safety-Car auf die Strecke beordert, es lagen doch zu viele Teile auf der Strecke. Der riesige Vorsprung von Hülkenberg und Button von fast 50 Sekunden auf Platz drei war dahin.

Nach dem Neustart hatte Vettel zu kämpfen und ließ sich auf keine gefährlichen Zweikämpfe ein. So war er bald Siebter, Alonso blieb Vierter mit Teamkollege Felipe Massa als Absicherung direkt hinter sich.

Ein Rutscher in Runde 48 bedeutete das Ende von Hülkenbergs Führung, Hamilton zog vorbei. Nach "Hülks" Konter kollidierten die beiden, Hamilton schied aus, der Deutsche erhielt eine Durchfahrtsstrafe.

Fehler wird nicht bestraft

Vettel holte 18 Runden vor Schluss weichere Reifen und beging einen großen Fehler. Drei Runden später holte er Intermediates und überraschte damit das Team, das die Reifen erst auspacken musste.

Alonso war zwischenzeitlich Dritter und wieder virtuell vorne, holte dann aber selbst frische Reifen. Derweil arbeitete sich Vettel wieder heran - und dann wurde der Regen immer stärker.

Neun Runden vor Ende vollzog Ferrari den internen Platztausch, Vettel blieb nun noch ein einziger Punkt Vorsprung - zwei mehr verschaffte ihm das Überholmanöver gegen Schumacher. Eine Runde vor dem geplanten Ende verursachte Paul di Resta im Force India noch eine Safety-Car-Phase,

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