Sebastian Vettel (r.) wurde 2010 und 2011 Formel-1-Weltmeister © getty

Vieles spricht für den Red-Bull-Piloten, aber der Titelkampf ist noch nicht entschieden. Vor allem das Wetter bereitet Sorgen.

Von Tobias Wiltschek

München - Der Tag der Entscheidung ist gekommen. Sebastian Vettel oder Fernando Alonso - wer wird zum dritten Mal Weltmeister? (VETTEL: "Es wäre schlimm, wenn ich nicht nervös wäre")

Vettel führt die WM-Wertung vor dem Großen Preis von Brasilien (ab 16 Uhr im LIVE-TICKER) an. Doch sicher kann er sich seiner Sache nicht sein.

Auf dem Weg zum ersehnten Titel-Hattrick stehen dem Red-Bull-Piloten noch knapp 306 Kilometer voller Unwägbarkeiten bevor.

Der Regen, Felipe Massa, Mark Webber und der große Druck könnten ihm noch zum Verhängnis werden.

SPORT1 hat die Fakten zum großen WM-Showdown. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Ausgangslage:

13 Punkte Vorsprung hat Vettel auf Alonso. Bei einem Sieg des Ferrari-Piloten müsste Vettel allerdings schon mindestens Vierter werden, um den Titel-Hattrick zu schaffen. Platz fünf wäre in diesem Fall zu wenig - und Alonso Weltmeister.

Auf der anderen Seite ist es schon zweieinhalb Monate her, dass Vettel nicht unter den besten Vier vertreten war. In Monza musste er sein Auto zwei Runden vor dem Ende wegen einer defekten Lichtmaschine abstellen.

Seitdem ist er in sechs Rennen hintereinander aufs Podium gefahren. Alonso indes wartet seit über vier Monaten auf einen Grand-Prix-Sieg. Er spekuliert daher auch auf einen Ausfall des Red-Bull-Piloten.

Sollte dies geschehen oder Vettel nur Zehnter werden, muss für Alonso mindestens Rang drei herausspringen. Bei einem achten oder neunten Platz von Vettel wird der Spanier nur als Sieger oder Zweiter Weltmeister.

Sollte der Heppenheimer Siebter werden, müsste Alonso den Brasilien-Grand-Prix gewinnen, um zum dritten Mal den Titel zu holen.

Das kann Vettel gefährlich werden:

Ein Regenrennen, was sehr wahrscheinlich ist, stellt für Vettel eine Gefahr dar. Dann ist alles möglich - auch ein Ausscheiden des amtierenden Weltmeisters. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls ist auf nasser Strecke viel größer als bei Trockenheit. ( 643404 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

Sollte es nicht durchgehend regnen und sollten sich die Witterungsverhältnisse ständig ändern, käme der Faktor Reifenwahl ins Spiel, der den Ausgang des Rennens zu einer Lotterie werden lassen kann.

Eine weitere Gefahr lauert für Vettel schon beim Start nur wenige Meter hinter ihm. Denn als Vierter steht der 25-Jährige nur einen Platz vor Alonsos Teamkollegen Felipe Massa. Der Brasilianer riskiert womöglich alles - Kollisionsgefahr!

Kein Puffer vom Teamkollegen

Auch sein eigener Teamkollege dürfte für Vettel nicht die große Hilfe darstellen. Denn Mark Webber hat angekündigt, sein eigenes Rennen fahren zu wollen. Außerdem steht der Australier vor Vettel. Bleibt dies auch während des Rennens so, fehlt Vettel die Absicherung nach hinten.

Bleibt die Frage, wie es um die Nerven des Heppenheimers bestellt ist. Im dritten Quali-Abschnitt beging er einen Fahrfehler.

"So einen Fehler sollte man in solchen Phasen wie jetzt, wo es um die Wurst geht, nicht machen. Er zuckt schon etwas herum", betonte Ex-Weltmeister Niki Lauda bei "RTL".

Das spricht für Vettel:

Die bessere Ausgangsposition spricht logischerweise für den Titelverteidiger, der seit seinem Sieg beim 16. Saisonrennen in Südkorea an der Spitze der Fahrerwertung liegt.

Außerdem ist Vettels RB8 deutlich besser als Alonsos Ferrari.

Das spricht für Alonso:

Der erfahrene Spanier hat nichts mehr zu verlieren. Er weiß, dass der Druck auf Vettel liegt und er selbst alles riskieren kann. Jeder rechnet mit einem WM-Triumph Vettels.

Das Regenrisiko liegt laut aktueller Prognosen bei 85 Prozent. Auch das kann dem Asturier in die Karten spielen.

Beim Regenrennen in Malaysia zu Beginn der Saison fuhr Alonso in beeindruckender Manier zum Sieg, und Vettel kam nicht über Platz elf hinaus.

Das sagt Vettel:

"Morgen ist alles möglich. Es ist eine Strecke, auf der viel passieren kann. Wettertechnisch könnte alles passieren. Wir müssen schauen, dass unsere Augen auf sind und wir dementsprechend reagieren."

Das sagt Alonso:

"Ich weiß auch, dass es, falls ich noch irgendwelche Hoffnungen auf den Titel haben will, plausibler ist, auf einen Ausfall von Vettel zu bauen als auf die Tatsache, dass ich auf einer Position ins Ziel kommen, mit der ich in der Gesamt-Wertung vor ihn kommen kann."

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