Sebastian Vettel wurde 2010 und 2011 Formel-1-Weltmeister © getty

Den Titel vor Augen ist Vettel vor dem Finale in Brasilien angespannt. Es gibt Stolpersteine. Alonso hofft auf Vettels Pech.

Von Felix Götz

München - Der Ärger über das schlechteste Qualifying-Ergebnis (Bericht) seit dem 8. September in Monza schlug bei Sebastian Vettel schnell ins Gegenteil um.

"Wir können sogar ziemlich glücklich sein", sagte der Red-Bull-Pilot mit Blick auf die Startaufstellung für den Großen Preis von Brasilien (So., ab 16 Uhr im LIVE-TICKER).

Der Heppenheimer schaffte es auf dem Autodromo Jose Carlos Pace hinter den beiden McLaren-Fahrern Lewis Hamilton, Jenson Button und seinem Teamkollegen Mark Webber zwar nur auf Rang vier, kam dem dritten WM-Titel in Serie aber ein gutes Stück näher. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

Sein Rivale Fernando Alonso startet nämlich nur als Siebter und profitierte dabei sogar noch von der Rückversetzung von Williams-Fahrer Pastor Maldonado, der nach der Quali nicht zum Wiegen anhielt.

"Keine Dummheiten machen"

"Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden", erklärte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko.

Der Österreicher fordert beim letzten Rennen der Saison von Vettel einen "Angriff mit einem kalkulierbaren Risiko". (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Wir dürfen keine Dummheiten machen", stellte Marko klar.

Vettel will nicht taktieren

Platz vier würde Vettel, der 13 Zähler mehr als Alonso auf dem Konto hat, definitiv zum Titel reichen - womöglich sogar ein weniger gutes Ergebnis. (SERVICE: So wird Vettel Weltmeister)

McLaren scheint angesichts des vorhandenen Speeds für Ferrari kaum zu knacken zu sein. Und sollte Alonso nur Dritter werden, dann würde Vettel bereits Rang neun den WM-Sieg bescheren.

Dennoch will der 25-Jährige nicht taktisch zurückhaltend agieren. "Wir sind nicht hier, um Zweiter oder Vierter zu werden. Wir möchten ganz nach vorne fahren", so Vettel.

Nervenflattern in Q3

Trotz der hervorragenden Ausgangsposition gibt es ein paar Dinge, die Vettel doch noch den großen Triumph kosten könnten.

In Q3 flatterten dem 26-maligen Grand-Prix-Sieger offenbar ein wenig die Nerven. Ein Fahrfehler verhinderte eine bessere Startposition. ( 643404 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

"So einen Fehler sollte man in solchen Phasen wie jetzt, wo es um die Wurst geht, nicht machen. Er zuckt schon etwas herum", erklärte Niki Lauda bei "RTL".

Vettel selbst räumte Nervosität ein: "Es wäre schlimm, wenn ich nicht nervös wäre. Aber eine gewisse Anspannung ist nötig."

Regen sehr wahrscheinlich

Außerdem könnte das Wetter in Interlagos zum Problem werden. Die Regenwahrscheinlichkeit wird von den Meteorologen auf 85 Prozent beziffert.

"Wir haben natürlich bei der Fahrzeug-Abstimmung auf ein mögliches Regenrennen Rücksicht genommen", beruhigte Marko.

Neben dem Wetter kann sich Vettel womöglich auch nicht auf seinen direkt vor ihm platzierten Teamkollegen verlassen. Webber kündigte an, sich ganz auf sich selbst konzentrieren zu wollen: "Ich will mein Auto so schnell wie möglich ins Ziel bringen."

Massa als Stolperstein?

Die Nerven, das Wetter und Webber - bleibt noch Alonsos Teamkollege Felipe Massa als möglicher Stolperstein.

Der Brasilianer startet einen Platz hinter Vettel und könnte gerade beim Start gefährlich werden.

"Ich glaube, da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Die Starts waren in letzter Zeit sehr gut. Der Blick richtet sich nach vorne", so Vettel.

Kein Trick wie in Austin

Zu einem Trick wie in Austin, als an Massas Bolide vorsätzlich das Siegel am Getriebe beschädigt wurde und aufgrund des daraus resultierenden Getriebewechsels Massas um einen Platz nach vorne gehievt wurde, möchte Ferrari offenbar nicht greifen.

Massa stellte klar, dass er sich bei seinem Heimrennen dafür nicht erneut hergeben werde.

"Das werde ich nicht zulassen", meinte der Vizeweltmeister von 2008.

Alonso hofft auf Vettel-Ausfall

Alonso muss also alleine klarkommen. Mit seinem Qualifying war der 32-Jährige nicht unzufrieden.

"Denn es ist nicht so, dass wir innerhalb einer Woche in Sachen Leistung eine Revolution erwarten können", sagte der zweimalige Champion.

So bleibt ihm nur die Hoffnung, dass sein Konkurrent das Ziel erst gar nicht erreicht:

"Ich weiß, dass es plausibler ist, auf einen Ausfall von Vettel zu bauen als darauf, dass ich auf einer Position ins Ziel komme, mit der ich in der Fahrerwertung vor ihn kommen kann."

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