Sebastian Vettel (l.) begann seine Formel-1-Laufbahn 2007 bei BMW Sauber © imago

Die Beleidigungen werden wüster. Karthikeyan wehrt sich mit guten Argumenten. Red Bull verzockt sich mit der Lichtmaschine.

Von Felix Götz

München - Narain Karthikeyans Rolle in der Königsklasse schien bisher eindeutig.

Der Inder schleicht dem Feld hinterher und wird am Ende Letzter oder bestenfalls Vorletzter - falls er überhaupt das Ziel erreicht.

Sieben Mal war für den HRT-Piloten in diesem Jahr bereits vorzeitig Schluss, nur Michael Schumacher im Mercedes kann in dieser Statistik mit ebenfalls sieben Ausfällen mithalten.

Nun findet sich Karthikeyan plötzlich mitten im WM-Kampf wieder - wenn auch in äußerst unangenehmer Position.

Karthikeyan als Feindbild

Spätestens seit dem USA-Grand-Prix ist der 35-Jährige nämlich das Red-Bull-Feindbild schlechthin. ( 641083 DIASHOW: Die Bilder des Austin-GP )

Ihm wird vorgeworfen, Sebastian Vettel in der 42. Runde in Austin beim Überrunden behindert und damit den Sieg gekostet zu haben.

"Sch? Karthikeyan", holte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko via "Bild" zum verbalen Tiefschlag aus: "Schon wieder der. Er hat uns den Sieg gekostet."

Vettel ist sauer

Vettel war bereits in Malaysia mit dem 45-maligen Grand-Prix-Teilnehmer aneinandergeraten.

Damals schlitzte sich der Weltmeister beim Überrunden den Reifen am HRT-Boliden auf, zeigte Karthikeyan daraufhin den Stinkefinger und beschimpfte ihn als "Gurke" und "Idiot".

Auch jetzt war Vettel, der in der WM-Fahrerwertung vor dem letzten Saisonrennen 13 Zähler Vorsprung auf Ferrari-Star Fernando Alonso hat, sauer, wählte aber eher gemäßigtere Worte. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Er hat im ersten Sektor nicht viel Platz gemacht und genau die Sekunde haben wir dann verloren. Lewis Hamilton war zu dem Zeitpunkt nah genug dran, um relativ entspannt vorbei zu fahren. Fakt ist, dass wir nicht gewonnen haben. Und Fakt ist, dass Karthikeyan einen Großteil dazu beigetragen hat", sagte der Heppenheimer.

"Kann den Blödsinn nicht mehr hören"

Karthikeyan hat die Nase voll davon, der Red-Bull-Buhmann zu sein. "Ich kann den Blödsinn nicht mehr hören", wehrte sich der Rennfahrer aus Chennai.

Bereits vor dem Rennen in Texas war klar, dass es in den schnellen S-Kurven drei bis sieben Probleme beim Überrunden geben könnte, weil dort nur schwer Platz zu machen ist.

Deshalb suchte Karthikeyan Rennleiter Charlie Whiting auf, um sich zu erkundigen, wie er sich zu verhalten hat.

Hat Vettel nicht zugehört?

"Charlie hat gesagt, dass es okay ist, in den Kurven drei bis sieben auf der Linie zu bleiben, also habe ich nichts falsch gemacht", erklärte der WM-18. von 2005:

"Im Fahrerbriefing hat Charlie das ganz klar erklärt. Vettel war dabei. Hat er nicht zugehört? Warum beschwert er sich dann? Er tut es zu oft und zu heftig. Das regt mich langsam auf. Zu blöd, wenn er sich darüber beschwert."

Karthikeyan wurde von der FIA nicht bestraft, ein grobes Fehlverhalten ist also tatsächlich nur schwer auszumachen.

Sogar Formel-1-Legende Niki Lauda sprang Karthikeyan zur Seite: "Wenn zwei Autos zum Überrunden auf ein langsames auflaufen, dann hat das erste Auto fast immer einen Nachteil. Jetzt hat es den Sebastian eben getroffen."

Red Bull trifft Fehlentscheidung

Vielleicht reagierten die "Bullen" aber auch so heftig, um von einem eigenen Fehler abzulenken. (BERICHT: Vettels fünf Schlüssel zum Titel)

Der Rennstall entschied sich nämlich gegen eine neue Lichtmaschine, obwohl diese bereits in Austin eingesetzt hätte werden können.

Ein verhängnisvoller Fehler, den Vettels Teamkollege Mark Webber mit seinem Ausfall teuer bezahlen musste.

Neue Version in Brasilien

"Es war eine gemeinsame Entscheidung. Wir haben die Karten auf den Tisch gelegt und beschlossen, diesen Weg zu gehen. Wir hatten sowohl die alte als auch die neue Version vorbereitet", erklärte Remi Taffin, der Einsatzleiter von Red-Bull-Lichtmaschinen-Lieferant Renault, gegenüber "Autosport".

Beim letzten Saisonrennen in Sao Paulo wird die neue Version verwendet.

"Wir nehmen die neue Version", bestätigte Taffin: Sie hat alle Tests bestanden. Wir haben 2000 Kilometer auf der Strecke und dem Prüfstand abgespult. Wir können nicht mehr unternehmen, bevor wir etwas in ein Auto einbauen."

Weiterlesen