Fernando Alonso (l.) krönte sich 2005 und 2006 zum Formel-1-Weltmeister © getty

Die Scuderia macht sich eine eigentlich als Bestrafung gedachte Regel zunutze und bringt Alonso auf Startplatz sieben. Vettel warnt.

Von Felix Götz

München - Kaum hatte Sebastian Vettel nach dem Qualifying zum USA-Grand-Prix (ab 19.45 Uhr im LIVE-TICKER) seinen Boliden in der Box abgestellt, da warnte der Red-Bull-Pilot schon was das Zeug hielt.

"Es wird ein langes und schwieriges Rennen. Noch hat hier niemand Punkte gewonnen", sagte der Heppenheimer, der in Austin von der Pole-Position startet (Bericht).

Vettel erinnerte sofort an die Probleme aus dem zweiten Training, als er seinen RB8 aufgrund eines Lecks im Wassersystem fast 60 Minuten lang nicht benutzen konnte:

"So etwas kann jederzeit wieder vorkommen."

Vettel unglaublich dominant

Dass sich der 25-Jährige so kurz vor dem Ziel - dem Gewinn des dritten WM-Titels in Folge - nicht unnötig weit aus dem Fenster lehnen möchte, ist verständlich.

Sein unglaublich dominanter Auftritt auf dem Circuit of The Americas lässt allerdings kaum einen anderen Schluss zu, als dass Vettel sich erneut die Krone aufsetzen wird.

Der WM-Leader war in allen drei Trainingssessions der schnellste Fahrer und lag auch in jedem einzelnen Quali-Abschnitt vorne. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

Das schaffte in dieser Saison noch kein anderer Fahrer.

"Ich bin bisher sehr zufrieden"

Die Frage scheint demnach nur zu sein: Wird Vettel bereits in Austin Weltmeister, oder erst in einer Woche in Sao Paulo?

"Ich bin bisher sehr zufrieden. Aber die beste Strategie ist einfach Vollgas zu geben. Wir konzentrieren uns ganz auf uns und das anstehende Rennen", meinte Vettel vor seiner 100. Grand-Prix-Teilnahme.

Und da gibt es zwei Dinge, die eine Prognose tatsächlich erschweren.

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"Lotterie" in Austin

Der neue Asphalt ist teilweise so rutschig, dass Ferrari-Pilot Felipe Massa von einer "Lotterie" spricht. ( 640691 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

Zudem haben einige Teams Schwierigkeiten, eine ordentliche Temperatur in die Reifen zu bekommen.

"Gerade am Anfang war es natürlich sehr rutschig. Was die Reifen angeht, ist das Aufwärmen unheimlich schwierig. Das wird wohl auch im Rennen ein Faktor sein", erklärte Vettel, der trotz aller Warnungen letztlich zugeben musste, dass die Ausgangslage "perfekt" ist.

Ferrari trickst mit Getriebe

Auch wenn mittlerweile klar ist, dass Alonso nicht wie ursprünglich gedacht vom achten, sondern vom siebten Platz startet.

Die Scuderia machte sich eine eigentlich als Bestrafung gedachte Regel des Automobil-Weltverbandes FIA zunutze, um den Spanier beim vorletzten Saisonrennen in Austin in eine bessere Position zu bringen.

Bei Alonsos Teamkollege Massa wurde vor dem Rennen das Siegel am Getriebe verletzt, was wie der Tausch des Getriebes eine Rückversetzung um fünf Plätze nach sich zieht.

Somit startet der Brasilianer vom elften statt vom sechsten Startplatz - Alonso rückt vom achten auf den siebten Rang vor.

Beide Ferraris starten von der "sauberen Seite"

Positiver Nebeneffekt zudem: Beide Fahrer starten nun von der sogenannten "sauberen Seite", auf die die Piloten vor allem bei neuen Rennen wie in Austin großen Wert legen.

Dies könnte schon beim Start ein großer Vorteil sein, weil der neue Kurs neben der Ideallinie extrem rutschig und staubig ist.

Die FIA musste sich bisher keine Gedanken machen, ob er Rückversetzungen "erlaubt". Eigentlich dürfen sie nur bei technischer Notwendigkeit vollzogen werden. Anscheinend konnte die FIA Ferrari das Gegenteil aber nicht beweisen.

"Natürlich ist das eine komische Sache", sagte der frühere Weltmeister Mario Andretti, der beim Premieren-Rennen in Texas als Botschafter fungiert: "Aber man muss Ferrari auch dafür bewundern, dass sie wirklich alles für ihren Fahrer geben."

Alonso gibt nicht auf

Alonso, der in der Fahrerwertung zehn Zähler hinter Vettel liegt, war in seinem Ferrari in Texas bisher überhaupt nicht in der Lage, dem Red-Bull-Ass ernsthaft Paroli zu bieten. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Dennoch glaubt er weiterhin an seine Chance. Vettels starker Auftritt scheint ihn ebenso wenig beeindruckt zu haben wie ihn sein eigener schwacher Auftritt unruhig macht.

"Wir stehen im Qualifying meistens irgendwo im Bereich von Platz sechs, sieben, neun. Wir kämpfen aber um die Weltmeisterschaft. Das Rennen ist unsere Stärke", sagte der 31-Jährige.

Alonso droht komplizierter Start

Die Rechnung ist einfach: Gewinnt Vettel, dann müsste Alonso mindestens auf Rang vier vorfahren, um in Brasilien doch noch Weltmeister werden zu können. (NEWS: So wird Vettel Weltmeister)

"Ich weiß noch nicht, wie weit es nach vorn gehen wird, ich will einfach mehr Punkte als Sebastian mitnehmen. Ich glaube, dass wir das schaffen können, denn es wird ein langes Rennen", steckt sich der Scuderia-Star große Ziele.

Schumacher staunt

Michael Schumacher profitierte von Romain Grosjeans Strafe. Der Rekord-Weltmeister wurde überraschend Sechster und geht vom fünften Platz aus in das vorletzte Rennen seiner Formel-1-Karriere.

"Das Qualifying lief besser, als wir es erwartet hatten", staunte der Mercedes-Pilot.

Ernsthafte Hoffnungen, dass es zu einem richtig starken Ergebnis reichen könnte, hat Schumi allerdings nicht: "Über einen Podiumsplatz brauchen wir nicht reden."

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