Kimi Räikkönen begann seine Formel-1-Karriere 2001 bei Sauber © getty

Räikkönen kündigt nach seinem Abu-Dhabi-Sieg eine zweiwöchige Sause an. Iceman-Fan Wurz wäre gerne Wodka-Importeur.

Abu Dhabi - Nach dem ersten Sieg seit mehr als drei Jahren (Bericht) meldete sich Kimi Räikkönen erst einmal für eine zweiwöchige Dauerparty ab.

Die Interviews und Schulterklopfer hatten den Weltmeister von 2007 nach dem Erfolg von Abu Dhabi fast so genervt wie das belehrende Geplapper aus dem Boxenfunk, doch zwei Dinge wecken eben die Leidenschaft im sonst so stoischen Finnen: Ausschweifende Feierlichkeiten und Autofahren.

"Bis zum nächsten Rennen sind es zwei Wochen. Wenn ich dort auftauche, ist das Team zufrieden", sagte das "Feierbiest" der Formel 1 nach seinem ersten Triumph seit dem Comeback und versprach seiner Ehefrau Jenni Dahlman, der Miss Scandinavica von 2001:

"Ich werde versuchen, zwischendurch mal nach Hause zu fahren." ( 634532 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Wurz wäre gerne "Wodka-Importeur"

Und wer Kimi Räikkönen kennt, der weiß: Der Mann meint das ernst. Wie jedes seiner wenigen Worte.

"Heute wäre ich gerne Wodka-Importeur. Der Verbrauch wird sicher rapide steigen", sagte Alex Wurz.

Und auch Weltmeister Sebastian Vettel schwante Böses: "Das wird eine gute Feier. Wie man feiert, weiß schließlich niemand besser als Kimi."

"Ich hatte ein paar Drinks"

Und das artet manchmal eben aus. Wie damals, als Räikkönen mit einem aufgeblasenen Delfin schlafend auf einer Parkbank fotografiert wurde.

"Ich hatte ein paar Drinks. Was spricht dagegen?", antwortete er.

Die verzweifelte Feststellung von Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, er lebe "auf seinem eigenen Planeten" konterte der Finne lässig mit den Worten: "Ich lebe gut dort."

Räikkönen genervt

Was die anderen über ihn denken, ist dem 33-Jährigen herzlich egal. Genau wie die Anweisungen seines Teams. (PRESSESTIMMEN: Vom Buchhalter zum Barbaren)

Als dieses ihm via Boxenfunk erklärte, er müsse an die Reifentemperatur denken, entgegnete Räikkönen harsch: "Jajaja, das mach ich doch die ganze Zeit."

Den nächsten Hinweis würgte er gleich ab: "Lasst mich in Ruhe! Ich weiß, was ich tue."

Und das seien, so Teamchef Eric Boullier, "nur die freundlichen Kommentare" gewesen: "Da sind noch ganz andere Worte gefallen. Aber so ist eben Kimi." Und das darf auch nur Kimi.

"Ich bin nicht doof"

"Die Jungs wollen mir helfen, aber sie müssen mir nicht zweimal pro Minute dasselbe sagen. Ich bin nicht doof, und wenn ich Hilfe brauche, werd ich schon fragen", erklärte Räikkönen hinterher und kündigte auch Fans und Journalisten an, sich nicht für sie verstellen zu wollen.

"Beim letzten Sieg habt Ihr gemeckert, weil ich nicht genug gelächelt habe", sagte der "Iceman":

"Das wird diesmal aber nicht anders sein."

Räikkönens Authenzität gelobt

Jeder andere hätte mit solchen Sprüchen eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Der Finne wird stattdessen für seine Authenzität gelobt.

"Wir alle sind doch heimliche Kimi-Fans", sagte Wurz.

Und McLaren-Pilot Jenson Button sprach gar für alle Fahrerkollegen: "Die gesamte Formel 1 freut sich für Kimi. Er ist kein Mann der großen Worte, ihn interessiert nur das Fahren. Und er hat diesen Sieg verdient."

Dritter in der WM-Wertung

Im Gegensatz zu dem allerdings auch zehn Jahre älteren Rekord-Champion Michael Schumacher zeigte Räikkönen, das man nach einer Auszeit durchaus wieder gewinnen kann.

In der WM-Wertung ist der Finne, der in den vergangenen beiden Jahren mit mäßigem Erfolg in der Rallye-WM gefahren war, Dritter. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Und der erste Triumph seit dem 30. August 2009 in Spa und damit 1162 Tagen musste eben gefeiert werden.

Gruppenbild mit Bier

Selbst das alkoholfreie Rosenwasser kippte sich der Sieger auf dem Podium wie einen Sturzbach die Kehle herunter.

Auf dem Gruppenbild von Lotus, das den ersten Sieg der Neuzeit dokumentieren sollte, hatte er schon eine Bierflasche in der Hand.

So wurde ganz nebenbei auch etwas anderes dokumentiert: Der Start zur längsten Formel-1-Sause seit langem.

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