Sebastian Vettel gewann den Großen Preis von Abu Dhabi 2009 und 2010 © getty

Vettel verteidigt in Abu Dhabi seine WM-Führung. Red Bull ist begeistert, Ferrari enttäuscht. Räikkönen fürchtet einen filmriss.

Von Felix Götz

München - Aus der Boxengasse auf das Podium:

Sebastian Vettel hat beim Großen Preis von Abu Dhabi (Bericht) eine überragende Leistung abgeliefert und fuhr vom Ende des Feldes auf den dritten Platz. (DATENCENTER: Renn-Ergebnis)

"Er war sensationell. So ein Rennen habe ich in den letzten 20, 30 Jahren nicht gesehen", war Red-Bull-Motorsportboss Helmut Marko bei "Sky" aus dem Häuschen.

Und "Bullen"-Teamchef Christian Horner ergänzte: "Sebastian ist wie ein Champion gefahren."

"Menschliches Versagen"

Vergessen waren die Querelen vom Qualifying, als Vettel seinen RB8 mitten auf dem Yas Marina Circuit abstellen musste, weil er zu wenig Benzin im Tank hatte und dafür auf den letzten Startplatz versetzt wurde.

"Ich vermute, dass es menschliches Versagen war", begründete Horner die Panne, die Vettel zu der famosen Aufholjagd in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwang.

Dabei bewies der 25-Jährige gleich zwei Mal ein unglaubliches Kämpferherz.

Nach neun Runden Elfter

Bis zur neunten Runde war Vettel bereits vom 24. auf den elften Platz gerauscht.

Nach der Kollision zwischen Nico Rosberg (Mercedes) und Narain Karthikeyan (HRT) rückte dann das Safety Car aus. ( 634532 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Vettel fuhr hinter Daniel Ricciardo. Der Toro-Rosso-Pilot bremste scharf, Vettel musste ausweichen und fuhr ein DRS-Schild über den Haufen.

Frontflügel demoliert

Dabei wurde der Frontflügel an seinem Boliden demoliert. Der jüngste Doppel-Weltmeister der Formel-1-Historie musste an die Box und seine Aufholjagd von vorne beginnen.

"Ein Mal das Feld von hinten aufrollen reicht normalerweise. Wir haben es eben zwei Mal gemacht", erklärte Vettel: "Ich kann es noch gar nicht wirklich glauben."

So schaffte der Heppenheimer das nach der Quali für kaum möglich gehaltene Erfolgserlebnis.

Nur drei Zähler eingebüßt

Er büßte in der Fahrerwertung nur drei Zähler ein und führt zwei Rennen vor Schluss mit zehn Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der Zweiter wurde. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

"Es war eine große Gefahr, viel zu verlieren. Aber es ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist", sagte Vettel.

Bei Ferrari war die Enttäuschung darüber, nur drei Zähler gut gemacht zu haben, spürbar.

Safety Car "Teil des Spiels"

"Wenn man Sebastians Position am Anfang betrachtet, hätten wir natürlich gerne einen größeren Abstand erreicht", meinte Stefano Domenicali.

Aber die beiden Safety-Car-Phasen, die Vettel in die Karten spielten, seien eben "Teil des Spiels".

Der Scuderia-Teamchef konnte Alonso keinen Vorwurf machen - im Gegenteil.

Alonso fährt "perfektes Rennen"

Der Spanier zeigte in seinem Ferrari, der weder im Training noch in der Qualifikation einen sonderlich guten Eindruck hinterlassen hatte, eine großartige Vorstellung.

"Fernando ist ein perfektes Rennen gefahren. Mehr konnte er nicht tun", stellte Domenicali klar.

"Wir sind von Startplatz sechs nach vorne gefahren. Es war wieder ein starkes Rennen", meinte Alonso, der ankündigte, "bis zum Ende" um den Titel zu kämpfen.

Räikkönen siegt

Rechnerisch raus aus dem WM-Fight sind die beiden ausgefallenen Fahrer Mark Webber (Red Bull) und Lewis Hamilton (McLaren) sowie Kimi Räikkönen.

Dabei feierte der Lotus-Pilot in Abu Dhabi seinen ersten Sieg seit seinem Comeback. Zuvor war der Finne letztmals im August 2009 in Belgien ganz oben auf dem Podest gestanden.

"Er hat es geschafft. Kimi hat einen sehr guten Job gemacht", jubelte Lotus-Teamchef Eric Boullier.

"Iceman" in der Wüste cool

Der "Iceman" selbst blieb auch in der Wüste cool.

Bereits während des Rennens, als sein Team ihm via Funk die Zwischenstände durchgab, wollte Räikkönen nur eines - seinen Frieden.

"Lasst mich in Ruhe", grantelte er.

Räikkönen fürchtet Filmriss

Nun stand er über Alonso und Vettel auf dem Podest und blickte ruhig auf seine jubelnde Crew herunter.

"Beim letzten Mal habt ihr gemeckert, weil ich nicht genug gelächelt habe. Das könnte jetzt wieder der Fall sein", meinte der 33-Jährige.

Dass Lotus eine rauschende Fete ins Haus steht, daran ließ aber selbst der "Schweiger aus Espoo" keinen Zweifel. Räikkönen befürchtete sogar einen Filmriss: "Es wird eine lange Nacht. Wenn wir morgen zurückfliegen, erinnern wir uns hoffentlich noch daran, warum wir uns so gut fühlen."

Klingt ganz so, als würde im Team-Hotel das in Abu Dhabi obligatorische Rosenwasser gegen Champagner und Bier getauscht.

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