Sebastian Vettel begann seine Formel-1-Laufbahn 2007 bei BMW Sauber © getty

Der Weltmeister hat nach der Abu-Dhabi-Quali zu wenig Sprit im Tank und startet aus der Boxengasse. Er bleibt aber optimistisch.

Von Felix Götz

München - Um 22.42 Uhr Ortszeit, also mehr als viereinhalb Stunden nach dem Qualifying zum Großen Preis von Abu Dhabi (Bericht), erhielt Sebastian Vettel die niederschmetternde Nachricht.

Die Rennkommissare der FIA hatten soeben beschlossen, das Qualifying-Resultat des Weltmeisters zu annullieren. Anstatt vom dritten Platz startet Vettel aus der Boxengasse (Rennen, So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER ).

Khaled Bin Shaiban, Radovan Novak, Lars Österlind und Derek Warwick bestraften den Red-Bull-Piloten damit dafür, dass er unmittelbar nach dem Qualifying seinen Boliden mitten auf dem Yas Marina Circuit abstellte.

Die "Bullen" machten ein Problem mit dem Benzinsystem verantwortlich. Das akzeptierte die FIA zunächst als "höhere Gewalt", weshalb Vettel beinahe einer Rückstufung entgangen wäre.

Nur 850 ml Benzin im Tank

Dann wurde allerdings klar, dass er mit 850 ml Benzin zu wenig Sprit im Tank hatte. ( 634172 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

"Allerdings wurde ein Report des Technischen Delegierten erhalten, der zeigt, dass während der Untersuchung nach dem Qualifying eine für eine Probeentnahme nicht ausreichende Benzinmenge übrig war", heißt es in der offiziellen Begründung der FIA.

Jedes Auto muss laut Reglement aus eigener Kraft in die Box zurückfahren und dann noch eine Mindest-Treibstoffmenge von einem Liter im Tank haben, damit eine Spritprobe entnommen werden kann.

"Das ist natürlich blöd"

"Das ist natürlich blöd, aber ändern können wir es nicht mehr. Ich lege mich jetzt schlafen und muss schauen, was noch geht", sagte Vettel.

Trotz der Hiobsbotschaft ist er nicht bereit, die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen.

"Einer der besten Skispringer aller Zeiten hat einmal gesagt, dass jede Chance eine Gelegenheit ist. Und was uns betrifft, haben wir immer noch einige Chancen", meinte Vettel und spielte damit auf eine Weisheit des viermaligen Olympiasiegers Matti Nykänen aus Finnland an.

Horner: Ein faires Urteil

Auf die Frage, wie es zu dem Missgeschick kommen konnte, hatte Red-Bull-Teamchef Christian Horner zunächst keine Erklärung. Die Situation müsse zunächst analysiert werden.

"Es ist frustrierend", sagte Horner: "Das Urteil ist aber fair, weil es so in den Regeln steht."

Der frühere Formel-1-Pilot Alex Wurz, der bereits selbst Erfahrung als FIA-Rennkommissar gesammelt hat, sah es ähnlich.

"Ich sage, es ist eine logische Entscheidung, die keinen Raum für eine Verschwörung lässt. Es ist eine harte Entscheidung, ja, aber die gleiche wie für Lewis in Spanien", twitterte der Williams-Fahrermentor.

Hamiltons Aufholjagd macht Hoffnung

Lewis Hamilton, der in Abu Dhabi von der Pole-Position startet, war im Mai in Barcelona für ein vergleichbares Vergehen ebenfalls zurückversetzt worden.(DATENCENTER: Qualifying-Ergebnis)

Der Brite startete damals aus der Boxengasse.

Der Vorteil dabei: Man läuft nicht Gefahr, in eine mögliche Startkollision verwickelt zu sein und hat zudem die Erlaubnis, Arbeiten am Auto durchzuführen und zum Beispiel das Setup an die neuen Voraussetzungen anzupassen.

Kleiner Trost für Vettel: Hamilton düste beim Großen Preis von Spanien sogar noch bis auf den achten Platz.

Alonso will Chance nutzen

Die Bestrafung ist für Vettel aber ein herber Rückschlag im Kampf um den WM-Titel.

Für Fernando Alonso, der nach der Rückversetzung seines ärgsten Rivalen anstatt von Rang sieben als Sechster startet, bietet sich die riesige Chance, den 13-Punkte-Rückstand wettzumachen. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

"Diese Chance muss ich nun aber auch nutzen", setzte sich der Spanier selbst unter Druck. Ganz einfach wird es trotzdem nicht. Die Scuderia hinterließ an diesem Wochenende bisher nämlich nicht gerade einen angsteinflößenden Eindruck.

"Wir waren nicht schnell genug", gab Alonso nach der Quali zu: "Das war unser Limit."

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