Sebastian Vettel gewann im Red Bull die vergangenen vier Rennen in Folge © getty

Vettel wird sein dritter Platz im Qualifying aberkannt und er muss aus der Boxengasse starten. Hamilton siegt, Alsonso rückt vor.

Abu Dhabi - Weltmeister Sebastian Vettel hat im spannenden Titelkampf der Formel 1 einen ganz herben Rückschlag hinnehmen müssen.

Der Red-Bull-Pilot muss das Rennen in Abu Dhabi am Sonntag (Rennen, So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER ) als 24. und Letzter aus der Boxengasse aufnehmen.

"Das ist natürlich blöd, aber ändern können wir es nicht mehr", sagte Vettel, als er rund eine Stunde vor Mitternacht durch die Hintertür seines Motorhomes sichtlich verstimmt die Anlage verließ.

"Lege mich jetzt schlafen"

"Ich lege mich jetzt schlafen und muss morgen schauen, was noch geht", ergänzte er.

"Diese Chance muss ich nun aber auch nutzen", sagte sein WM-Kokurrent Fernando Alonso, der im Titelkampf nach vier Vettel-Siegen in Folge wieder Morgenluft wittert.

Grund für die Rückversetzung nach Platz drei im Qualifying war, dass der Hesse sein Auto auf Anweisung seines Teams auf der Strecke abgestellt hatte und nicht wie im Reglement gefordert bis in den Parc ferme in der Boxengasse gefahren war. ( 634172 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

Im Reglement ist festgehalten, dass man das Auto selbständig an die Box fahren muss.

Gleiches Schicksal wie Hamilton

Dieselbe Strafe in einem vergleichbaren Fall hatten die Stewards in dieser Saison schon gegen Lewis Hamilton in Barcelona ausgesprochen.

Teamchef Christian Horner bestätigte, dass Vettel nicht von Startplatz 24, sondern von der Boxengasse aus ins Rennen gehen wird.

Dies ist nötig, da Red Bull das Auto aus dem Parc ferme geholt hat, um den für das Team zunächst unerklärlichen Fehler aufzuklären. "Es ist frustrierend", sagte Horner: "Das Urteil ist aber fair, weil es so in den Regeln steht."

Nur 850 ml Sprit im Tank

Wieso bei der Untersuchung nur 850 ml Sprit im Tank waren, konnte sich Horner nicht erklären.

Die Regel, in den Parc ferme zurückzufahren, soll verhindern, dass Fahrer Benzin sparen. Denn für technische Überprüfungen muss noch mindestens ein Liter Benzin im Tank sein.

Eine Ausnahme von dieser Regel wäre nur bei einem technischen Defekt gegeben.

"Es sollte nichts Großes sein"

Unmittelbar nach Ende des Qualifyings hatte Vettel Benzinprobleme als Grund für das Abstellen des Autos noch ausgeschlossen. "Ich weiß nicht, warum ich stehenbleiben musste", sagte er stattdessen nur: "Mir wurde es über Funk gesagt. Ich schätze, dass wir irgendeine Art von Problem hatten. Es sollte aber nichts Großes sein."

Bis dahin sah es so aus, als habe der Titelverteidiger trotz zahlreicher anderer Probleme wenigstens sein Minimalziel erreicht.

Nachdem er das dritte Zeittraining wegen eines Bremsdefekts fast komplett verpasst hatte und in der ersten Qualifikationsrunde einen "Bandenkuss" verursachte, hatte er als Dritter zumindest vier Plätze vor seinem WM-Rivalen Fernando Alonso gelegen. (DATENCENTER: Qualifying-Ergebnis)

Alonso jetzt Sechster

Dieser rückt nach Vettels Rückversetzung nun sogar noch auf den sechsten Platz vor.

Damit könnte der Ferrari-Pilot, für den die eifrigen Ferrari-Mechaniker zwei Nachtschichten in Folge eingelegt hattem, die 13 Punkte Rückstand auf Vettel entscheidend verkürzen oder ihn im Optimalfall sogar überholen. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

Nicht zu schlagen war am bisherigen Wochenende Lewis Hamilton. Der McLaren- und künftige Mercedes-Pilot schnappte sich überlegen seine sechste Pole des Jahres. Auch Vettels Teamkollege Mark Webber war als Zweiter diesmal um knapp eine Zehntelsekunde schneller als der WM-Spitzenreiter.

Haug sieht "gute Vorstellung von Nico"

Mercedes-Pilot Nico Rosberg fuhr diesmal in der dritten Qualifikationsrunde wenigstens zu Beginn schnell und startet als Siebter. Mercedes-Sportchef Norbert Haug sah "eine gute Vorstellung von Nico".

Nico Hülkenberg (Force India) verpasste Q3 als Elfter, startet aber nach Vettels Rückversetzung als Zehnter und zumindest zwei Plätze vor Teamkollege Paul di Resta.

"Hätte mehr erwartet"

Ich bin ein bisschen enttäuscht", sagte der 25-Jährige, der unter der Woche seinen Wechsel zu Sauber bekannt gegeben hatte: "Ich hätte mehr erwartet, aber Punkte sind am Sonntag sicher noch drin."

Rekordchampion Michael Schumacher erlebte als 13. einen weiteren frustrierenden Tag, wofür er durch die falsche KERS-Einstellung in erster Linie selbst verantwortlich war.

Timo Glock war nach Rang 21 ebenfalls unzufrieden. `Wir sind einfach überall zu langsam", sagte der Marussia-Pilot.

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