Sebastian Vettel gewann mit Red Bull 2010 und 2011 die Weltmeisterschaft © getty

Vettel trotzt Alonsons Psychospielchen und fährt ihm beim Freien Training in Abu Dhabi davon. Ferrari zieht den ersten Joker.

Abu Dhabi - Fernando Alonso zog einen Joker, Sebastian Vettel beschwor den "Dosengeist".

Im Titelkampf der Formel 1 pokern sich die Rivalen gegenseitig hoch, doch die besten Karten scheint auch in Abu Dhabi (Qualifying, Sa., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) Sebastian Vettel zu haben.

Der Sieger der vergangenen vier Rennen düpierte seinen Titel-Rivalen Fernando Alonso im Training gleich um mehr als acht Zehntelsekunden und setzte mit der Tagesbestzeit unter dem Flutlicht auf Yas Marina Circuit wieder ein Ausrufezeichen. (DATENCENTER: Trainingsergebnis)

Und obwohl er in der "Bild" zuvor klar beteuert hatte, keine "Lust auf Psychospielchen" zu haben, konnte sich der 25-Jährige nach seiner wieder einmal starken Darbietung eine kleine Spitze nicht verkneifen.

"Einige nicht so weit vorne, wie sie wollen"

"Einige stehen nicht ganz so weit vorne, wie sie vielleicht wollten", sagte er mit Blick auf den nur siebtplatzierten Alonso: "Aber wir kamen ganz gut zurecht und sind ganz zufrieden." ( 633794 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Zudem machte er nicht den Ferrari-Piloten, sondern die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button als stärkste Gegner aus.

"McLaren ist sehr stark. Sie sind die, die es zu schlagen gilt", sagte er.

Keine Wünsche an den Flaschengeist

Ob er vor dem Qualifying Wünsche an den Flaschengeist habe, würde Vettel in dem Emirat gefragt. "Bei uns müsste es wohl eher Dosengeist heißen", antwortete er schmunzelnd und ausweichend. Zauberkraft braucht der Titelverteidiger aktuell nicht.

Ferrari und Alonso versuchen derweil weiterhin alles. Nach Windschatten-Fahren und Samurai-Sprüchen des zweimaligen Weltmeisters arbeiteten diesmal seine Mechaniker in der Sperrstunde und nutzen damit den ersten von vier 2Jokern" aus, die jedem Team pro Jahr zustehen.

Red Bull kann Teamwertung gewinnen

13 Punkte Rückstand auf Vettel hat Alonso bei drei noch ausstehenden Rennen, zudem könnte Red Bull schon am Wochenende selbst bei geringen Punkteverlusten auf die Konkurrenz den dritten Erfolg in der Teamwertung hintereinander perfekt machen. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

"Hinter jedem starken Mann steht nicht nur eine starke Frau, sondern auch ein starkes Team", sagte Vettel. (DATENCENTER: WM-Teamwertung)

Mit Rechenspielchen hält sich der Hesse aber nicht auf. "Fünf Siege in Folge wären sicher schön. Aber fünf oder vier oder Hundert ändert nichts. Das nächste ist immer so hart wie das erste", sagte er und philosophierte weiter: "Man muss kein Einstein sein, dass es gut ist, wenn wir vor Fernando ins Ziel kommen und schlecht, wenn wir hinter ihm reinkommen."

Kein Verständnis für Twitter-Sprüche

Für Vettel liegt die Wahrheit auf der Strecke, für Alonsos Samurai-Sprüche hat er kein Verständnis. "Ich kann dieses Mitteilungsbedürfnis bei Twitter generell nicht verstehen", sagte er der "Bild".

Er wolle nicht nur keine unnötigen Kampfansagen, er achte sogar darauf, sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen. "Meistens merke ich recht schnell, worauf die Reporter hinauswollen", sagte der Red-Bull-Pilot zu "Auto Bild Motorsport": "Dann gehe ich darauf ein oder lenke drumherum."

Die kleine Spitze am Freitag setzte er also bewusst.

Wichtig im Saisonfinale sei auch die Fitness. "Man startet in das Jahr, hat viel Kraft aus dem Winter und ist hoch motiviert", berichtete er: "Aber wichtig ist, dass man am Ende nicht in ein Loch fällt, sondern fit bleibt und immer noch auf die Details achtet."

Vettel auf den Punkt stark

Auf den Punkt stark war Vettel auch am Freitag. Im ersten Training hatte er noch Rang drei hinter Hamilton und Button belegt, das zweite war jedoch wesentlich aussagekräftiger.

Wie das Rennen am Sonntag startete es nämlich in der Dämmerung und endete unter Flutlicht, die erste Einheit hatte am Mittag stattgefunden.

Hamilton und Button waren aber auch am Abend stark und belegten die Plätze zwei und drei vor Vettels Teamkollegen Mark Webber.

Deutsche Fahrer enttäuschen

Wenig erfreulich verlief der Auftakt für die anderen deutschen Piloten.

Nico Rosberg (Mercedes), Nico Hülkenberg (Force India) und Michael Schumacher (Mercedes) folgten hintereinander auf den Plätzen 12 bis 14.

timo Glock (Marussia) belegte im Tagesklassement Rang 23 unter 29 eingesetzten Fahrern.

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