Wer triumphiert am Saisonende? Sebastian Vettel oder Fernando Alonso? © getty

Der Weltmeister erinnert Alonso an den WM-Kampf 2010. Mit einem Sieg in Abu Dhabi kann er mit Nigel Mansell gleichziehen.

Von Felix Götz

München - Zwei Siege, zwei Pole-Positions und der Gewinn seines ersten WM-Titels:

Sebastian Vettel hat an die bisherigen drei Rennen in Abu Dhabi (1. Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) - abgesehen von seinem Ausfall im vergangenen Jahr - sehr gute Erinnerungen.

"Der erste WM-Titel war ein Erlebnis, das ich niemals vergessen werde", denkt der Heppenheimer besonders gerne an das Jahr 2010 zurück, als er Fernando Alonso quasi in letzter Sekunde den Triumph vor der Nase wegschnappte.

Der Ferrari-Star zog damals einen Boxenstopp vor, um auf Mark Webber, seinen damals vermeintlich größten Konkurrenten, zu reagieren - ein verhängnisvoller Fehler.

Schlechte Erinnerungen an 2010

Alonso steckte in der Folgezeit hinter Witali Petrow (Renault) fest und vergab im letzten Saisonrennen einen 15-Punkte-Vorsprung auf Vettel, der zum Sieg und folglich zum Titel fuhr.

Unvergessen sind die Bilder vom anschließend völlig demoralisierten Scuderia-Chef Luca di Montezemolo, der von einem "vergebenen Elfmeter ohne Torwart" sprach.

Ein Erlebnis, an das der italienische Rennstall nun wieder erinnert wird.

"Mir macht es Spaß, dort zu fahren", sagte Vettel und spielte anschließend auf das Rennen von 2010 an: "Wie es Fernando gefällt, müsst ihr ihn selbst fragen."

"Abbey war etwas zickig"

Die Voraussetzungen auf der modernsten Rennstrecke des Formel-1-Kalenders sind diesmal allerdings anders.

Vettel führt in der WM-Wertung mit 13 Zählern vor Alonso und sein zu Beginn der Saison immer wieder unzuverlässiger RB8 namens "Abbey" macht mittlerweile einen exzellenten Eindruck. (DATENCENTER: WM-Fahrerwertung)

"Manchmal war Abbey in diesem Jahr etwas zickig", erklärte Vettel der "Sport Bild": "Aber die Beziehung war immer intakt."

Newey der "Turm in der Schlacht"

Dies ist in erster Linie ein Verdienst von Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey.

"Wenn es bei uns ein bisschen brenzlig wird, dann zieht er sich in sein Kämmerlein zurück und spielt seine Stärken aus", erklärte Vettels Teamkollege Webber in der "Daily Mail" Neweys Arbeitsweise:

"Er kommt immer wieder mit neuen Ideen. Adrian steckt alle um sich herum damit an: die Ingenieure und die Mechaniker. Er ist unser großer Turm in der Schlacht."

Fünfter Sieg in Folge?

Der Red Bull ist derzeit deutlich besser als Alonsos Ferrari, Vettel ist also klarer Favorit auf den Titel. (EXKLUSIV: Niki Lauda im SPORT1-Interview)

Da nach dem Großen Preis von Abu Dhabi allerdings noch die beiden Rennen in Austin und Sao Paulo stattfinden, kann er im wohlhabendsten Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate den Sack im Titelkampf noch nicht zu machen.

Dennoch peilt der 25-Jährige den fünften Sieg in Folge an - was ein historischer Erfolg wäre.

Nur Michael Schumacher, der 2004 sieben Rennen in Serie gewann, ist besser. Fünf Siege hintereinander gelangen außer Schumi nur Nigel Mansell 1992.

Alonso: Hauptsache vor Vettel

Alonso will das verhindern.

"Ich möchte vor Sebastian ins Ziel kommen, völlig egal, auf welchem Platz das dann ist", erklärte der Spanier.

Der Champion von 2005 und 2006 versucht mit aller Macht, eine Entscheidung auf das letzte Saisonrennen in Brasilien am 25. November hinauszuzögern.

Auf dem Autodromo Jose Carlos Pace sieht Alonso für Ferrari nämlich einen Vorteil: "Brasilien liegt uns."

Alonso ist Luxus

Auch Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali denkt nicht daran, den WM-Kampf aufzugeben.

"Red Bull hat im Moment das bessere Auto. Aber wir haben den Luxus, Fernando zu haben. Und er ist die Nummer eins unter den Piloten", so der Italiener.

Alonsos wies derweil einen angeblichen Wutausbruch in Indien aufgrund der mäßigen Entwicklung des Autos in den vergangenen Monaten zurück (Bericht).

Immerhin darf er in den letzten drei Rennen mit einem verbesserten Heckspoiler starten. Damit will Ferrari vor allem im Qualifying zulegen.

Rosenwasser statt Champagner

Vettel muss sich um solche Dinge derzeit keine Gedanken machen. Er ist schon heiß auf Abu Dhabi.

"Ich hoffe, am Sonntag gibt es wieder Champagner", meinte Vettel.

Diese Hoffnung muss ihm allerdings jetzt schon genommen werden. In Abu Dhabi ist Alkohol verboten, gefeiert wird mit Rosenwasser.

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