Schumacher fällt nach dem Singapur-GP in der WM-Wertung auf Platz zwölf zurück © getty

Die Rennkommissare bestrafen den Mercedes-Piloten nach dessen Unfall hart. Seine Zukunft bei Silber ist ungewisser denn je.

Von Tobias Wiltschek

München - Sein Schuldeingeständnis nach dem Unfall fiel nur halbherzig aus.

"Tut mir leid, dass das passiert ist", sagte Michael Schumacher über den heftigen Crash mit Jean-Eric Vergne, dem er beim Singapur-Grand-Prix (Bericht) ins Heck gefahren war.

Dass er zu spät gebremst und deshalb die Kollision mit dem Toro-Rosso-Piloten verursacht habe, bestritt Schumi aber zunächst vehement.

Doch die Rennkommissare schenkten seinen Äußerungen keinen Glauben und bestraften ihn als "Wiederholungstäter" mit einer Rückversetzung um zehn Plätze beim kommenden Rennen in Japan.

Bereits in Barcelona hatte er zuvor in einer ähnlichen Situation Williams-Pilot Bruno Senna gerammt.

Fehlenden Grip unterschätzt

In der Mitteilung gaben die Stewards zudem an, Schumacher habe seinen Fehler eingestanden. Er habe zugegeben, dass er den fehlenden Reifengrip nach der Safety-Car-Phase unterschätzt habe ( 615796 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Das hatte sich beim Rekord-Weltmeister kurz nach dem Rennen noch anders angehört.

Er sei kurz vor seinem Ausfall sogar "einen Tick früher als normalerweise" in die Eisen gestiegen, beteuerte der Mercedes-Pilot (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Problem am Fahrzeug?

Das Problem vermutete Schumacher deswegen an seinem Fahrzeug. "Es hat nicht richtig verzögert. Ich habe das sofort kommen sehen, dass die Verzögerung bei den Vorderleuten wesentlich größer ist als bei mir", sagte er bei "RTL".

Warum das so war, müsse man nun genau untersuchen. "Vielleicht war nach der Safety-Car-Phase der Reifendruck zu niedrig und das Auto setzte auf", so seine erste Mutmaßung nach dem Rennen.

Auch bei seinen Team-Mitarbeitern herrschte zunächst Ratlosigkeit. "Was ist denn da passiert?", wollten sie via Boxenfunk kurz nach dem Unfall wissen, bei dem beide Fahrer unversehrt geblieben waren.

Bremsdefekt nicht die Unfall-Ursache

Anschließend erklärte Teamchef Ross Brawn: "Es war eine unglückliche Verkettung von Umständen, die wir jetzt anhand der Daten genau analysieren müssen, um herauszufinden, was passiert sein könnte."

Dass der Unfall die Folge eines Bremsdefektes gewesen sei, konnte der Rennstall schließlich aber nicht belegen.

Außerdem hatte Schumacher zugegeben, dass er sich in dieser Situation einen Vorteil erhofft hatte.

Er habe womöglich davon profitieren können, dass sich die vor ihm fahrenden Vergne und Sergio Perez am Kurvenausgang heftig duelliert haben, so Schumi bei "Sky".

Siebter Ausfall im 14. Rennen

Am Ende aber stand statt der erhofften Punkteplatzierung der siebte Ausfall im 14. Rennen. Damit nimmt der Rekord-Weltmeister in dieser Statistik den traurigen Spitzenplatz ein (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Mit dem Crash endete aber nicht nur das Rennen höchst unbefriedigend, er war auch der Schlussakkord eines insgesamt verkorksten Sonntags.

Schon vor dem Start sorgte Schumacher für Kopfschütteln, als er ausgerechnet bei der Schweigeminute für den verstorbenen langjährigen Rennarzt Sid Watkins auf Toilette musste.

Zukunft bleibt ungewiss

Eine Vertragsverlängerung bei Mercedes ist nach dem Rennen auf dem Marina Bay Street Circuit jedenfalls nicht wahrscheinlicher geworden.

Vor dem Grand Prix von Singapur hatten sich die Spekulationen verdichtet, wonach Schumi womöglich sein Cockpit zur kommenden Saison an Lewis Hamilton abtreten müsse.

Der Brite hat bekanntlich bei McLaren immer noch keinen neuen Vertrag unterschrieben und ist dem Vernehmen nach einem Wechsel von Chrom zu Silber nicht abgeneigt.

Bei McLaren spricht man mittlerweile auch öffentlich über die entscheidenden Differenzen in den Vorstellungen beim Team auf der einen und dem Piloten auf der anderen Seite. "Er will mehr Geld haben. Und wir werden ihm weniger zahlen", sagte Teamchef Martin Whitmarsh.

Außerdem soll sein Manager Simon Fuller bei Mercedes die besseren Vermarktungsmöglichkeiten sehen.

Rosberg verbessert sich

Schumachers anhaltender Misserfolg stärkt indes seinen Teamkollegen Nico Rosberg, der sich im Rennen von Platz zehn auf Rang fünf verbesserte.

"Das Rennen verlief für mich heute Abend zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder nach Maß", freute sich der 27-Jährige nach seinem besten Ergebnis seit dem zweiten Platz beim GP von Monaco vor knapp vier Monaten.

Der gebürtige Wiesbadener profitierte vom zuverlässigen Auto genauso wie von der klugen Strategie seines Teams. Der erste Einsatz des Safety-Cars nach dem Unfall von Narain Karthikeyan spielte ihm zusätzlich in die Karten.

Kampfansage von Rosberg

Vor dem Rennstart musste sich Rosberg nur wegen seiner höheren Startnummer hinter seinem Teamkollegen Schumacher einreihen, nachdem beide in Q3 auf eine Runde verzichtet hatten.

Diese Benachteiligung nahm er für eine kleine, aber deutlich vernehmbare Kampfansage zum Anlass (BERICHT: Rosberg sagt Schumi den Kampf an).

"Angesichts des Ergebnisses hätte ich natürlich lieber die niedrigere Startnummer gehabt", hatte Rosberg nach dem Qualifying gesagt: "Für dieses Jahr haben wir das vor der Saison so entschieden. Fürs nächste müssen wir dann mal schauen."

Es könnte nicht die einzige Änderung bei den Silberpfeilen sein.

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