Sebastian Vettel (M.) feierte in dieser Saison in 13 Rennen erst einen Sieg © getty

Die Nullrunde in Monza könnte für Red Bull das Ende der WM-Träume bedeuten. Vettel bleibt optimistisch. Dem RB8 fehlt Konstanz.

Monza - Wann denn der Ärger verfliegen werde, wurde ein zerknirschter Sebastian Vettel nach seinem vorzeitigen Aus beim Großen Preis von Italien (Bericht)gefragt.

"Schon vorbei", antwortete der Weltmeister knapp - seine Miene verriet etwas anderes.

Das Rennen in Monza sollte der nächste Schritt werden bei der Jagd auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso im Ferrari. Stattdessen ging für Red Bull alles schief, was schiefgehen konnte. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Nach dem Doppelausfall von Vettel und Teamkollege Mark Webber holten die "Bullen" das erst Mal seit Südkorea 2010 keine Punkte - die erste Nullrunde seit 34 Rennen.

Auf der Strecke deutlich geschlagen von Ferrari und McLaren, von den Rennkommissaren hart bestraft und letztendlich von der eigenen Technik besiegt. ( 610180 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Vettels Zweckoptimismus

Für Vettel ernüchternd und ein herber Rückschlag im Kampf um den dritten WM-Titel, der nach Monza in weite Ferne rückt.

"Es geht ja weiter, wir glauben weiter dran", sagt der Hesse und übt sich in Zweckoptimismus: "Davon lassen wir uns nicht unterkriegen. Wie sind professionell genug, um den Kopf oben zu halten und konzentrieren uns auf die Zukunft."

Doch 39 Punkte Rückstand (140:179) auf Alonso, der fulminant von Startplatz zehn auf Rang drei fuhr, sind eine große Hypothek. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Gerade angesichts der konstanten Stärke, die der Spanier und sein Auto demonstrieren. Zudem verlor Vettel die Rolle des ersten Verfolgers an Lewis Hamilton (142 Punkte). Der Brite holte den dritten Sieg in Folge für die momentan extrem schnellen McLaren.

Lange Geraden nicht ideal für RB8

Dass der Hochgeschwindigkeits-Kurs in Monza mit seinen langen Geraden nicht das ideale Pflaster für Vettels RB8 ist, das war vorher klar.

Doch das Rennen offenbarte ein weiteres großes Problem. "Aufgrund der fehlenden Zuverlässigkeit", sagt Vettel, "ist es uns nicht gelungen, wenigstens ein paar Punkte zu holen."

Schon wegen der Durchfahrtstrafe für eine Aktion gegen Alonso zurückgeworfen, scheiterte Vettel beim Versuch der Schadensbegrenzung fünf Runden vor Schluss an der streikenden Lichtmaschine.

Besonders ärgerlich, zumal es nicht das erste Mal war: Schon im freien Training am Samstag hatte derselbe Defekt die Elektronik lahmgelegt, beim Großen Preis von Europa in Valencia hatte die Lichtmaschine Vettel den sicheren Sieg gekostet.

"Das muss man abstellen"

"Dass der Red Bull auf einmal Lichtmaschinen frisst, ist bemerkenswert", sagt "RTL"-Experte Christian Danner: "In Spanien wurde das ja noch unter der Kategorie 'Pech gehabt' abgehakt. Aber jetzt gleich zweimal an einem Wochenende, das muss man wirklich abstellen."

Gerade im Duell mit Alonso scheinen solche Fehler unverzeihlich. Der momentan wohl beste Pilot im Feld sitzt in einem Auto, das ihn nie im Stich lässt.

Nur einmal beendete Alonso mit seinem F2012 in der laufenden Saison ein Rennen nicht: In Spa bedeutete der Massencrash in der ersten Kurve das unverschuldete Aus.

Perez zeigt wie's geht

Auf Topspeed-Strecken, das wurde zudem wieder klar, ist der Red Bull zurzeit kein Weltmeister-Auto. Für Danner das zweite Problem des Weltmeisterteams - exemplarisch erklärt am Zweitplatzierten von Monza.

"Wenn ein Sergio Perez es in einem Sauber schafft, Kreise um Alonso zu fahren, dann muss Red Bull das auch mal wieder auf die Strecke zaubern", sagt der frühere Formel-1-Pilot: "Da muss man keine Wunderdinge erwarten, sondern einfach ein konkurrenzfähiges Auto."

Hoffnung, so Danner, kann Red Bull aus dem verbleibenden Rennkalender schöpfen.

Hoffnung Rennkalender

Nach dem letzten Europa-Grand-Prix warten Kurse, die Vettels Auto besser liegen sollten. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"Auf den kommenden Strecken gibt es nicht so viele lange Geraden", sagt Vettel: "Da können wir hoffentlich wieder angreifen. Das nächste Rennwochenende wird kommen, und das wird garantiert besser als dieses."

Am 23. September geht es zunächst in Singapur weiter, danach stehen die Rennen in Japan, Südkorea, Indien, Abu Dhabi und den USA auf dem Programm. Zum Abschluss wartet Brasilien.

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