Michael Schumacher fährt seit seinem Comeback im Jahr 2010 für Mercedes © imago

Schumacher sieht nach Platz sechs und sieben in Monza einen Aufwärtstrend, Rosberg erkennt keinen "grundlegenden Fortschritt".

Von Martin Hoffmann

München - Ein wenig mehr hatte er sich schon ausgerechnet, ganz im Stillen zumindest.

Michael Schumacher war in Monza schließlich Trainingsschnellster am Freitag. "Heimlich gehofft" habe er deshalb schon, "dass sich meine Position eher nach vorn entwickeln würde".

Ganz so gut wie erwünscht hat es nicht geklappt für den Mercedes-Piloten, Rang sechs sprang beim Sieg von Lewis Hamilton (Bericht) am Ende heraus, einen Platz besser als Teamkollege Nico Rosberg (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Eine weitere Enttäuschung, schließlich standen beide als Vierte und Sechste in der Startaufstellung besser da? ( 610180 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Rosberg sieht keinen "grundlegenden Fortschritt"

Beide Mercedes-Piloten wollten das nicht so sehen und zeigten sich zufrieden über das Abschneiden. Ganz einig sind sie sich dennoch nicht, wie sie das italienische Resultat einzuordnen haben.

"Für mich haben wir hier einen klaren Aufwärtstrend gezeigt", befand Rekord-Weltmeister Schumacher.

Eben den mochte Rosberg nicht erkennen: "Ich glaube nicht, dass es ein grundlegender Fortschritt war, sondern eher auf die Strecke zu schieben ist."

Wieder Probleme mit den Reifen

Der Hochgeschwindigkeitskurs kommt der Anlage der Silberpfeile prinzipiell entgegen, was Hoffnungen auf ein besseres Ergebnis geschürt hatte.

Das aber wurde Rosberg wie Schumacher von einem altbekannten Problem zunichte gemacht: den Reifen.

"Ich musste mit meinem ersten Satz ein wenig kämpfen", erklärte Schumacher eher diplomatisch.

Sein Teamkollege wurde deutlicher: "Ich hatte überhaupt keinen Grip."

Brawn über Reifen "enttäuscht"

Das Mercedes-Duo war im ersten Rennabschnitt auf gebrauchten Option-Pneus unterwegs, die es schon im Qualifying benutzt hatte.

"Enttäuschend" fand Teamchef Ross Brawn, dass sie seinen Schützlingen Hindernis statt Hilfe waren. Woran das genau lag, wollte der Brite nicht abschließend beantworten: "Das werden wir jetzt analysieren."

Der erste Boxenstopp verhalf beiden zu besseren Reifensätzen. "Mit dem weiten Reifensatz ging die Post ab", freute sich Rosberg.

Spaß an Überholmanövern

Er und Schumacher kämpften sich Schritt für Schritt nach vorne. "Das hat dann auch Spaß gemacht", so Rosberg, der am Schluss auch die schnellste Rennrunde hinlegte.

"Viele schöne Überholmanöver von Michael und Nico", würdigte Motorsportchef Norbert Haug, Brawn lobte beide für "eine starke, aggressive und kontrollierte Leistung".

Schumacher ärgerte sich allerdings ein wenig, dass ihm nicht mehr Zeit blieb, um nach vorne zu preschen: "Zum Schluss sind mir etwas die Runden ausgegangen. Ich hätte nach vorne noch gut kämpfen können."

Hoffender Blick Richtung Singapur

Mit dem Ergebnis konnte er am Ende dennoch leben: "Wir haben alles in allem das Beste rausgeholt."

Rosberg zeigte sich ebenfalls "zufrieden - obwohl wir vielleicht Potenzial zu mehr gehabt hätten."

Er hofft nun auf eine weitere Steigerung im kommenden Rennen: "Wir müssen zusehen, dass wir neue Teile bringen, was in Singapur auch der Fall sein wird. Hoffentlich machen wir dann wieder einen Sprung."

Teaminterne Kampfansage

Rosberg meint mit "wir" auch "ich". Obwohl er in der Gesamtwertung als Siebter weiter klar vor Schumacher auf Platz elf liegt, zog er seit dem Bahrain-GP teamintern stets den Kürzeren, wenn er und der Altmeister im Ziel ankamen.

Ein Trend, den der Jüngere umkehren will: "Ich bin überzeugt, beim kommenden Rennen wieder vor ihm zu sein."

Eine Kampfansage, die Diplomat Schumacher an sich abperlen ließ: "Wichtig ist, dass wir beide das Maximum herausholen. Wer dann am Ende vorn liegt, ist nicht ganz so wichtig."

Noch ein Punkt, in dem sich die beiden Teamkollegen nicht so ganz einig sind.

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