Sebastian Vettel holte 2011 in Monza die Pole und den Grand-Prix-Sieg © getty

Der Weltmeister rechnet nicht mit dem Sieg in Italien, hat aber viel vor. WM-Leader Alonso wird von einem Defekt zurückgeworfen.

Von Marc Ellerich

München - Mit der Pole-Position wie noch im Vorjahr dürfte Sebastian Vettel nur zwölf Monate später kaum geliebäugelt haben.

Dennoch lief die Qualifikation zum Italien-Grand-Prix (ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) für den Weltmeister weitaus besser als von vielen, womöglich auch von ihm selbst, erwartet.

Der Red-Bull-Pilot, der sich noch im Training am Samstagvormittag mit einer versagenden Lichtmaschine am RB8 hatte auseinandersetzen müssen, wurde Sechster. Weil der besser platzierte Paul di Resta wegen eines Getriebewechsels am Force India zurückversetzt wurde, geht Vettel sogar vom fünften Platz aus ins legendäre Rennen. (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis)

McLaren auf eins und zwei

"Das war heute unser Limit, es war ein gutes Qualifying für uns", stellte der Titelverteidiger nach dem Monza-Zeitfahren fest und wirkte dabei alles andere als unzufrieden. ( 609903 DIASHOW: Bilder des Qualifyings )

Das McLaren-Gespann Lewis Hamilton und Jenson Button, das souverän die vorderen beiden Startpositionen einfuhr, war für den Deutschen auf dem italienischen Hochgeschwindigkeitskurs im leistungsschwächeren Red-Bull-Boliden ohnehin nicht zu packen. (QUALIBERICHT: Hamilton holt Monza-Pole)

Auch dass Rekord-Weltmeister Michael Schumacher um eine Position besser abschnitt und somit den inoffiziellen Titel "Bester Deutscher" tragen darf, wird Vettel kaum bekümmern.

Nächster Rückschlag für Alonso

Seine Konkurrenten in der WM sind andere als der berühmte Weltmeister-Vorfahre. Mark Webber zum Beispiel. Aber der Australier tat sich deutlich schwerer als sein deutscher Teamkollege und blieb als Elfter bereits im zweiten Durchgang hängen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Größter Widersacher ist weiterhin Ferraris Superstar Fernando Alonso. Der Spanier erlebte nach seinem unfreiwilligen Unfall-Aus in Spa beim Heim-Auftritt der Scuderia im Königlichen Park zu Monza den nächsten Rückschlag: Nur Platz zehn.

An seiner Stelle grüßte nach dem Zeitfahren der ihm bisherigen Saisonverlauf bedeutungslose Felipe Massa vom dritten Platz - Alonso hatte ihm offenbar teamintern abgesprochen per Windschatten zum besten Saisonergebnis verholfen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Roter Schlepptau-Trick

Beim Spanier versagte anschließend der rote Schlepptau-Trick, weil im Heck des F2012 ein Stabilisator zerbrach. Angesäuert kommentierte Alonso, in Q1 und Q2 am schnellsten unterwegs, das ernüchternde Resultat: "Eine Schande, hier wäre für uns die leichteste Pole-Position des Jahres drin gewesen."

Alonsos Schicksal war WM-Verfolger Vettel anschließend nur die dürren Worte wert: "Besser, er steht hinter uns als vor uns."

Aber der Hesse weiß natürlich, dass das Pech des Rivalen eine große Chance ist.

"Noch alles drin"

Den RB8, "Abbey", wie er sein Auto nennt, hält er trotz dessen unterlegenem Renault-Aggregat und der überraschenden Lichtmaschinen-Problematik für ausreichend konkurrenzfähig.

"Wir waren bisher nicht schnell genug. Ich glaube, im Rennen sieht's besser aus", kündigte Vettel an: "Da ist noch alles drin."

Mehr als sein fünfter Startplatz, hofft er offenbar. "Wir haben uns gesteigert", urteilte der Heppenheimer mit Blick auf die bescheidenen Trainingsergebnisse freitags und samstags an: "Und hoffentlich kommt die ganz große Steigerung morgen."

Der Kurs auf dem Autodromo Nazionale di Monza werde seinen Plan, weiter nach vorne zu stoßen, jedenfalls nicht behindern: "Überholen ist hier möglich", analysierte der Vorjahressieger: "Es sei denn alle fahren an der Schnur wie ein D-Zug. Dann wird's schwer."

Die Renn-Taktik werde, anders als zuletzt in Belgien, keinen allzu großen Einfluss haben. "Was die Strategie angeht, sind alle mehr oder weniger gleich getrimmt", glaubt Vettel.

Mercedes vorsichtig

Bleibt Weltmeister-Vorfahre Michael Schumacher. Doch dieser werde ihm nicht schon wieder gefährlich in die Quere kommen, so wie vor einer Woche in den Ardennen, als ein Missverständnis zum Beinahe-Crash führte.

"Wenn er mich auch hier schneidet, komme ich vielleicht nicht so gut davon", scherzte Vettel.

Schumacher wird sich hüten. So weit vorne begann zuletzt nicht allzu oft ein Rennen. Die gute Ausgangslage, die Nico Rosberg als Sechster abrundet, wird das leidgeprüfte Silber-Team nicht durch unbedachte Aktionen gefährden wollen.

Ziel: "Solide Punkte"

Bester Deutscher in der Qualifikation, bei der Landsmann Nico Hülkenberg schon in seiner ersten Runde von Motoren-Problemen jäh gebremst wurde und als Letzter starten wird. Dass er den Grand Prix auch als bester deutscher Fahrer beenden wird, wollte sich Schumacher nicht entlocken lassen.

Vorsichtig blickte er auf den Sonntag. "Solide Punkte sollten ein realistisches Ziel sein", mehr ließ sich der Superstar der Branche nicht entlocken.

Rosberg, nicht ganz zufrieden mit seiner Startposition meinte: "Unser Tempo ist im Rennen meist sehr gut. Deswegen sollten gute Punkte möglich sein."

Vettel: Nicht an den Sieg denken

Offensive sieht anders aus. Und auch Weltmeister Vettel blieb beim Blick voraus ziemlich defensiv.

Die Wiederholung seines Monza-Triumphs aus dem Vorjahr hält er diesmal nicht für möglich.

"Wir dürfen nicht an den Sieg denken", mahnte der Red-Bull-Pilot vor dem letzten Rennen auf europäischem Boden: "Dafür waren wir das ganze Wochenende nicht schnell genug."

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