?steigt dann auf und fliegt nur wenige Zentimeter am Kopf von Fernando Alonso vorbei. Dafür wird Grosjean zu einer Zahlung von 50.000 Euro verdonnert und für ein Renne gesperrt
Romain Grosjean (oben) begann seine Formel-1-Karriere 2009 bei Renault © getty

Der Lotus-Pilot bringt Fernando Alonso in Spa in Lebensgefahr und wird hart kritisiert. Besonders Niki Lauda ist außer sich vor Wut.

Von Felix Götz

München - Der Belgien-Grand-Prix war gerade vier Sekunden alt, als den Zuschauern und Fahrern der Atem stockte.

Romain Grosjean drängte Lewis Hamilton ab und löste damit einen Massencrash aus - mit beinahe schrecklichen Folgen. ( 607536 DIASHOW: Die Bilder des Rennens )

Grosjeans 640 Kilogramm schwerer Lotus-Bolide hob ab und verfehlte Fernando Alonsos Kopf nur um etwa einen halben Meter.

"Ich habe großes Glück, dass ich in fünf Tagen wieder im Auto sitzen kann", sagte der Scuderia-Pilot, der in den Sekunden nach dem Unfall wie versteinert in seinem Ferrari sitzen blieb und erst ausstieg, als Feuer ausbrach und er durch den Qualm keine Luft mehr bekam.

"Was passiert ist, ist eine Schande"

Der 26-jährige Grosjean, der bereits zum sechsten Mal in dieser Saison in der ersten Runde und zum siebten Mal insgesamt einen Unfall verursacht hat, wurde von der FIA mit einer Geldstrafe über 50.000 Euro belegt und für das kommende Rennen in Monza gesperrt. (BERICHT: Grosjean räumt ab - Vettel sagt danke)

Es ist die erste Rennsperre seit 2005. Damals wurde das BAR-Team eines Betrugsversuchs überführt. Der Rennstall hatte einen Zusatztank in seine Boliden eingebaut.

"Was passiert ist, ist eine Schande. Ich denke, dass bestimmte Fahrer versuchen sollten, beim Start weniger Risiko einzugehen", meinte Alonso, der durch den Ausfall in der WM-Fahrerwertung nur noch 24 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Sebastian Vettel hat. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Allerdings wollte der Spanier nicht den Stab über den Bruchpiloten brechen: "Ich bin nicht sauer auf Romain, niemand macht das mit Absicht."

"Unwahrscheinlich blöd"

Nicht jeder blieb so besonnen wie Alonso. Mancher prügelte verbal heftig auf den Franzosen ein.

"Der ist talentiert, aber manchmal unwahrscheinlich blöd. Diese Aktion war heller Wahnsinn", wetterte Formel-1-Legende Niki Lauda bei "RTL".

Der dreimalige Weltmeister aus Österreich konnte sich kaum beruhigen. Grosjeans Aktion sei in Sachen Gefährlichkeit das ärgste gewesen, was er je gesehen habe.

Im "Blick" legte Lauda dann noch einmal nach: "Jetzt muss man diesen Grosjean aus dem Verkehr ziehen. So kann der Typ nicht weiterfahren. Er gefährdet das Leben der Gegner. Alonso hätte tot sein können, der Lotus hätte ihm das Genick brechen können."

Schumi zwei Mal das Opfer

In Australien war Grosjean kurz nach dem Start in eine Kollision mit Pastor Maldonado verwickelt, in Monaco und Malaysia war jeweils Michael Schumacher sein Opfer.

Für Sergio Perez war das Rennen in Barcelona nach einem Zusammenstoß mit dem Franzosen früh beendet. Paul di Resta wurde in Silverstone rausgeschossen.

So schlimm wie in Spa war bislang aber keiner der von ihm verursachten Unfälle.

Hamilton ist stinksauer

Hamilton, für den das Rennen neben Alonso, Grosjean und Perez nach der Crash-Situation gelaufen war, war stinksauer und zeigte dem Crash-Kid noch auf der Strecke den Vogel.

"Es ist unglaublich, wie aggressiv er fährt", sagte der McLaren-Fahrer anschließend.

Alonsos Teamkollege Felipe Massa findet es gut, dass Grosjean gesperrt wurde.

"Es bewegt Fahrer dazu, zu verstehen, zu lernen und die Regeln zu befolgen", meinte der Brasilianer.

Oder wie es Lauda ausdrückte: "Die Sperre ist richtig. Von alleine kommt er nicht darauf, weil der Kopf nicht gescheit genug ist."

Kritik von Brundle und Surer

Auch die früheren Formel-1-Piloten Martin Brundle und Marc Surer sparten nicht mit Kritik.

"Ihm fehlt das Gespür, wo sich die anderen Autos befinden", analysierte Brundle.

Und Surer sagte: "Das war so was von unnötig."

"Wie dumm ist der eigentlich?"

Besonders großen Ärger löste die Tatsache aus, dass Grosjean zunächst behauptete, nicht Schuld am Unfall gewesen zu sein.

"Er zeigt keine Einsicht. Es war alles Pech, er ist froh, dass niemandem etwas passiert ist", fasste Lauda Grosjeans Aussagen zusammen und stellte dann die Frage: "Wie dumm ist der eigentlich?"

Erst einige Stunden später zeigte Grosjean Reue.

Grosjean entschuldigt sich

"Ich habe einen Fehler gemacht und mich mit dem Abstand zu Lewis verschätzt. Ich war mir sicher, mich vor ihm zu befinden", erklärte der in Genf geborene Grosjean.

Und weiter: "Es war ein kleiner Fehler, der in einem großen Unfall geendet ist. Es tut mir sehr leid."

Konsequenzen von seinem Arbeitgeber Lotus hat er laut Teamchef Eric Boullier "noch nicht" zu befürchten.

Boullier erklärt Grosjeans Problem

Der 38-Jährige nahm seinen Piloten in Schutz und versuchte zu erklären, was mit Grosjean los ist.

"Teil des Problems ist, dass er Perfektionist durch und durch ist", sagte Boullier: "Er will alles brillant machen. Er muss lernen, dass er beim Start des Rennens nicht zu viel Druck machen darf."

Dazu hat Grosjean nun bis zum 23. September Zeit. Dann darf er beim Singapur-Grand-Prix beweisen, dass er es besser kann.

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