Sebastian Vettel begann seine Formel-1-Karriere 2007 bei BMW Sauber © getty

Der Weltmeister ist gereift und macht im Rennen fünf Plätze gut. Sogar der Sieg wäre drin gewesen. Webber speist mit Fürst Albert.

Monte Carlo - Sebastian Vettel bleibt trotz verlorener WM-Führung der Favorit, Nico Rosberg rückt trotz des verpassten Sieges vor seiner Haustür endgültig in den Kreis der Titelkandidaten auf und Michael Schumacher meldet sich trotz seines abermaligen Ausscheidens eindrucksvoll zurück (BERICHT: Webber sorgt für Novum).

Die deutschen Fußball-Nationalspieler sahen als Ehrengäste auf einer Privatjacht zwar keinen deutschen Rennsieger beim legendären Rennen in Monaco, doch in der "Formel verrückt" spielte das deutsche Top-Trio wieder einmal eine prägende Rolle.

"Wenn man in Monaco, wo das Überholen so schwer ist, von Platz neun losfährt, es trocken bleibt und man Vierter wird, dann war es ein guter Tag", sagte Vettel.

Zwar durfte ausgerechnet sein Teamkollege Mark Webber den Sieg mit einem sehenswerten Überschlag in den Pool auf der Red-Bull-Station genießen und am Abend mit Fürst Albert und dessen Gattin Charlene das Sieger-Dinner einnehmen - aber Vettel war in doppelter Hinsicht auch ein Gewinner ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Vettel ist gereift

Zum einen zeigte er eine derart starke Leistung, dass er von Platz neun in den engen Straßenschluchten von Monaco mit etwas Glück durchaus hätte gewinnen können (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Zum anderen bewies er, als der erhoffte Regen ausblieb, dass er gereift ist und nahm ohne Risiko so viele Punkte mit wie möglich. "Wäre der Regen bis Runde 40 gekommen, hätte Vettel gewonnen", sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko.

Und für "RTL"-Experte Christian Danner ist der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre in einer Saison ohne klaren Favoriten doch der heißeste Kandidat auf den Titel.

"Aber Alonso ist eine ganz harte Nummer", sagte Danner: "Zu Saisonbeginn hatte er eine ganz langsame Gurke, und nun führt er die WM an."

Rosberg ein Titelkandidat

Der Spanier übernahm mit seinem dritten Platz im Fürstentum die alleinige WM-Führung, drei Punkte vor dem Red-Bull-Duo Webber und Vettel.

Mit 17 Punkten Rückstand auf die Spitze ist derweil auch Rosberg zum echten Titelkandidaten aufgestiegen (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

"Wir hatten das schnellste Auto im Feld", sagte der Wahl-Monegasse, als er es um den Wimpernschlag von 0,6 Sekunden verpasst hatte, zum ersten zweimaligen Sieger der Saison zu werden. "Nico gehört jetzt auf jeden Fall zu den Kandidaten", sagte Danner.

"Das wäre etwas zu viel", entgegnete Mercedes-Sportchef Norbert Haug - um gleich anzufügen: "Aber er hat alle Zutaten. In Monaco hat er es sehr sehr gut gemacht, sehr cool und ohne Fehler."

"Ausfälle sind nur Pech"

Für Teamkollege Michael Schumacher endete ein eigentlich grandioses Wochenende wieder mit Frust: Er hatte sensationell die Pole eingefahren, musste wegen einer Rückversetzung von Platz sechs ins Rennen gehen und zwölf Runden vor Schluss wegen eines technischen Defekts den vierten Ausfall im sechsten Rennen hinnehmen.

"Das ist schade. Er hatte hier den Speed, um alle schlagen zu können", sagte Haug und versprach: "Wir müssen die 100prozentige Zuverlässigkeit hinkriegen. Michael ist aber Fachmann genug, um zu wissen, dass die Ausfälle nur Pech sind und keine Absicht oder Schlamperei."

Eine Teamorder schloss Haug trotz des aktuellen Stands von 59:2 Punkten für Rosberg aktuell aus.

Sechster Rang kann entscheiden

Doch wie geht es weiter in der verrückten Saison, die als erste aller Zeiten sechs Sieger aus den ersten sechs Rennen hervorbrachte?

"Wir sind an einem Punkt, wo das Sportliche in den Vordergrund rückt", sagte Danner: "Wenn Du jetzt Vettel in den Ferrari setzt, Alonso in den McLaren und Kimi Räikkönen in den Red Bull, dann ist das Ergebnis genauso. Ein sechster Platz kann die WM entscheiden, da muss man auch die Taktik ändern. Man sieht ja, wie die Burschen über zweite und dritte Plätze jubeln."

Spannend bleibt, wie lange man noch auf den ersten Doppelsieger warten muss, schließlich haben einige Hochkaräter noch kein Rennen gewonnen.

"Lassen wir Schumi in Kanada gewinnen"

"Es kann durchaus so weitergehen", meinte Danner schmunzelnd: "Lassen wir doch Schumacher in Kanada gewinnen - da sah er immer gut aus. Dann Räikkönen in Valencia und Lewis Hamilton vielleicht zu Hause in Silverstone."

"Sky"-Experte Adrian Sutil ergänzte: "Dieses Jahr darf anscheinend jeder Mal."

Die Favoriten sind offenbar aber doch die alten, Vettel und Alonso. Und vielleicht ja auch Nico Rosberg.

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