Mark Webber ging nach seinem achten Grand-Prix-Sieg baden © getty

Sechs Rennen, sechs verschiedene Sieger: Die Königsklasse bleibt unberechenbar. Ferrari jubelt, bei McLaren und Maldonado herrscht Frust.

Von Felix Götz

München - Als Mark Webber beim Monaco-Grand-Prix nach 78 Runden als Erster über die Ziellinie fuhr, hatte die verrückte Formel-1-Saison 2012 ihren besonderen Platz in den Geschichtsbüchern endgültig sicher (BERICHT: Webber siegt vor Rosberg).

Sechs verschiedene Sieger in den ersten sechs Rennen - das gab es in der Historie der Königsklasse noch nie.

"Für die Fahrer ist es manchmal frustrierend, wenn es keine Konstanz gibt. Für die Fans aber natürlich toll", sagte der Red-Bull-Pilot, der im Fürstentum Nico Rosberg und Fernando Alonso auf die Plätze zwei und drei verwies.

Webber, der aufgrund von Michael Schumachers Rückversetzung von der Pole-Position aus losfuhr, bot dabei eine Vorstellung der Extraklasse.

Horner lobt Webber: "Fantastisch"

"Er hat die Reifen geschont und das Tempo an der Spitze kontrolliert - fantastisch", lobte Christian Horner den Australier, der nach dem Rennen mit der kompletten Crew vor Freude in einen Pool sprang ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Red-Bull-Teamchef Horner war auch mit Sebastian Vettels Leistung einverstanden. Der Weltmeister verbesserte sich von Startplatz neun bis auf Rang vier.

"Ich bin mit seiner Aufholjagd sehr zufrieden", meinte Horner: "Als er freie Fahrt hatte, ist er an Lewis Hamilton und Felipe Massa vorbeigezogen."

"Es tut gut, den vierten Platz nach Hause zu fahren, wenn man von Rang neun startet. Da gibt es ja nur zwei Punkte. Es wird ein langes Jahr, wir schauen mal, was da noch kommt", war auch Vettel nicht unzufrieden (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Wohl kein Protest

Einem möglichen Protest anderer Teams wegen angeblich illegaler Löcher im Unterboden schob Helmut Marko einen Riegel vor.

"Das Thema tauchte erstmals in Bahrain auf. Da wurde alles untersucht und für legal befunden", sagte der Red-Bull-Motorsportchef.

Das sahen Ferrari und McLaren wohl ähnlich. Stefano Domenicali und Martin Whitmarsh sprachen nacheinander bei der FIA vor, verneinten danach aber, Beschwerde eingelegt zu haben.

Der Sieg wird den "Bullen" also aller Voraussicht nach bleiben, die Führung in der WM-Fahrerwertung ist aber futsch.

Ferrari-Box ein Tollhaus

Alonso liegt mit 76 Zählern auf Rang eins, Vettel und Webber haben jeweils drei Punkte weniger auf dem Konto (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

Bei Ferrari, das zu Saisonbeginn mit großen Problemen zu kämpfen hatte, wurde der alleinige Platz an der Sonne überschwänglich gefeiert.

Unmittelbar nach dem Rennen glich die Box der Italiener einem Tollhaus. Die Mechaniker lagen sich in den Armen und bejubelten ihren spanischen Helden.

"Das Auto war perfekt"

"Mein Rennen war ziemlich gut, das Auto war perfekt. Dafür muss ich mich beim Team bedanken, denn das war der Schlüssel zu unserem Podestplatz. Die Saison dürfte interessant bleiben. Du weißt nie, wer für die Pole-Position und den Sieg in Frage kommt", erklärte Alonso.

Und endlich stand der seit Monaten heftig kritisierte Felipe Massa mal nicht wie ein begossener Pudel daneben.

Der Brasilianer machte das gesamte Wochenende über eine gute Figur und schnappte sich im Rennen Platz sechs - sein bisher mit Abstand bestes Ergebnis in diesem Jahr.

Frust bei McLaren

Wesentlich gedämpfter war die Stimmung bei McLaren, das zu Saisonbeginn als das Maß der Dinge galt.

Während Lewis Hamilton es immerhin noch auf Platz fünf schaffte, erlebte Jenson Button ein Wochenende zum Vergessen.

Im Qualifying ( 564631 Bilder ) war für den 32-Jährigen im zweiten Abschnitt Endstation. Im Rennen fuhr er lange Heikki Kovalainen hinterher, ehe ein Dreher in der 70. Runde das Aus bedeutete.

"Du kannst hier halt nicht überholen, auch wenn du in einem deutlich schnelleren Auto sitzt. Game over. Es war einfach nicht unser Tag. Hoffentlich schlägt bald wieder unsere Stunde. Aber im Augenblick bin ich nicht allzu optimistisch", sagte Button.

Und Hamilton ergänzte: "Wir fallen immer weiter zurück."

Alles geht schief

Wie verrückt diese Saison ist, zeigt das Beispiel von Pastor Maldonado wohl am treffendsten.

Vor zwei Wochen in Barcelona hatte der Williams-Pilot noch grinsend wie ein Honigkuchenpferd von ganz oben vom Podest herunter gewunken, diesmal ging restlos alles schief.

Venezuelas Volksheld wurde aufgrund eines von ihm verursachten Unfalls im Training zunächst um zehn Ränge zurückgestuft, dann kam noch ein Getriebewechsel hinzu und er ging als Letzter ins Rennen.

Aus in Runde eins

Es kam noch schlimmer: Bereits in der ersten Runde war das Rennen nach einer Kollision mit Pedro de la Rosa für ihn gelaufen.

"Ich befand mich auf der schmutzigen Seite der Strecke. Dann blockierte ich meine Vorderräder", sprach Maldonado, winkte ab und verschwand frustriert in den engen Gassen von Monaco.

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