Michael Schumacher erreichte in sechs Rennen 2012 nur zwei zehnte Plätze © getty

Nach dem schlechtesten Saisonstart, den er je erlebt habe, ist der Mercedes-Pilot frustriert. Rosberg hätte gerne gewonnen.

Von Björn Seitner

München/Monte Carlo - Immer wieder sonntags:

Mit einem gequälten Lächeln stand Michael Schumacher den Reportern nach dem Monaco-Grand-Prix gegenüber.

Bis zum Rennstart war es ein perfektes Wochenende. Doch als die Zielflagge geschwenkt wurde stand für den Rekordweltmeister wieder nur ein Nuller zu Buche.

Der vierte Ausfall im sechsten Rennen und weiterhin nur zwei WM-Pünktchen: Schumi bleibt das Pech in der Saison 2012 treu (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Dennoch verbreitete der Mercedes-Pilot wie immer Zweckoptimismus: "Das Rennende ist sicherlich schade und auch enttäuschend. Aber gestern steht für sich. Heute hat eine andere Melodie gespielt", bilanziert Schumacher.

Kollision nur Sekunden nach dem Start

Nach seinem Coup vom Samstag und der schnellsten Runde im Qualifying (Bericht) sah im Fürstentum alles danach aus, als würde der Routinier endlich belohnt werden.

Nur wenige Sekunden nach seinem 17. Rennstart in Monte Carlo lief allerdings wieder alles gegen Schumi: Beim Versuch Romain Grosjean zu überholen wurde der 43-Jährige vom Franzosen touchiert, verlor zwei Plätze und hing fortan im Mittelfeld fest.

15 Runden vor Schluss musste er seinen Boliden dann aufgrund eines Benzindruckproblems abstellen (Rennbericht).

"Schlechtester Saisonstart"

Wieder ein unverschuldeter Defekt - und das an einem Tag, an dem "das Podium realistisch gewesen" wäre, wie Schumacher bei "Sky" etwas ratlos ob der vergebenen Chance zugab.

Doch das "wurde am Anfang gleich mal zunichte gemacht. Punktemäßig oder ergebnistechnisch ist es der schlechteste Saisonstart, den ich je erlebt habe", erklärte er geknickt:

"Wenn wir von der Pole-Position gestartet wären, kann man sich ausrechnen, wo ich angekommen wäre. Deswegen müssen wir uns auf das nächste Rennen konzentrieren."

Bereits in Australien (Getriebe) und in China (Vorderrad locker) musste er seinen Silberpfeil wegen technischer Probleme vorzeitig abstellen.

Schumi eins mit dem Auto

Dennoch versank der fünfmalige Monaco-Sieger nicht in Selbstmitleid. "Ich habe das Gefühl, mit dem Auto eins zu sein."

Ihm sei von vornherein klar gewesen, dass Mercedes in diesem Jahr nicht um die Meisterschaft werde kämpfen können. Stattdessen gelte weiterhin, "das ein oder andere Highlight einzufahren und das Auto so weit zu entwickeln, dass wir wirklich in der Lage sind, um die Meisterschaft zu fahren".

Ob Schumacher dann noch Teil dieses Teams sein wird und um seinen sechsten Grand-Prix-Sieg im Fürstentum mitfahren wird, steht in den Sternen ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

Pessimistische Zukunftsplanung

Auf die Frage, wie seine Zukunft nach dem Vetragsende 2012 aussehen würde, wirkte Schumacher pessimistisch und ein bisschen ratlos:

"Wie soll ich das ausdrücken? Der Punkt ist, dass ich mich voll und ganz auf das konzentriere, was für die Zukunft des Teams das Beste ist. Ob ich daran teilhabe oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt Papier."

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug klang da schon zuversichtlicher: "Es ist schade für Michael, denn er hätte den Speed für den Sieg gehabt. Aber seine Zeit wird wieder kommen."

Rosberg starker Zweiter

Die Zeit von Nico Rosberg ist längst da - Schumachers Teamkollege bestätigte seine gute Form und mischt weiterhin munter in der WM-Wertung mit.

Der 25-Jährige verpasste seinen zweiten Saisonsieg hauchdünn, musste sich am Ende nur Mark Webber im Red Bull mit 0,643 Sekunden geschlagen geben.

"Wir haben den Abstand nach vorne verkürzt. 17 Punkte nach sechs Rennen, das ist nicht viel, darauf können wir aufbauen", erklärte Haug mit Blick auf die Gesamtwertung und Leader Fernando Alonso, der Dritter wurde (DATENCENTER: Die Fahrer-WM).

Mercedes mit dem schnellsten Auto?

Rosberg selbst zeigte sich zwar "überrascht, wie stark wir waren", befand aber, "über das ganze Wochenende gesehen das schnellste Auto" gehabt zu haben.

"Schade, dass es nicht ganz perfekt gelaufen ist, aber ich bin natürlich mit dem zweiten Platz glücklich. Das ist toll bei einem von meinen zwei Heim-Rennen", so Rosberg, der seit seiner Kindheit in Monaco wohnt.

Schumacher muss dagegen hoffen, dass es im Kanada-Grand-Prix in zwei Wochen wenigstens ansatzweise perfekt läuft.

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