Mark Webber gewann den Grand Prix in Monaco das zweite Mal nach 2010 © getty

Der Australier feiert in Monte Carlo einen Start-Ziel-Sieg vor dem Mercedes-Piloten. Schumacher hat einmal mehr viel Pech.

Monte Carlo - Mark Webber sorgte als sechster Sieger im sechsten Saison-Rennen für einen Rekord.

Teamkollege Sebastian Vettel verlor die WM-Führung und Mercedes hatte nach Rang zwei für Nico Rosberg und eine Sensations-Bestzeit von Michael Schumacher im Qualifying zweimal Grund zum Jubeln.

Auch das Glamour-Rennen in Monaco bewies eindrucksvoll, dass in der Formel-1-Saison 2012 jederzeit alles möglich ist. ( 564949 DIASHOW: Die Bilder des Rennens )

Webber von Prominenz unbeeindruckt

Vor 80.000 Zuschauern, darunter die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und Hollywood-Stars wie Will Smith und Antonio Banderas siegte davon unbeindruckt Webber. (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Er wurde mit 0,6 Sekunden Vorsprung auf Rosberg zum achten Fahrer in den vergangenen neun Jahren, der in Monte Carlo von der Pole gewinnt.

Im Ziel reckte der Australier erleichtert beide Fäuste in die Luft und stieg mit stolzgeschwellter Brust zur Siegerehrung durch das Fürstenpaar.

Anschließend spritzte er seinen Sieger-Champagner frech in die Menge der wartenden Fotorafen.

"Großer Tag für mich"

"Das ist ein großer Tag für mich und das gesamte Team", sagte Webber nach seinem zweiten Monaco-Sieg nach 2010. Sechs Sieger in den ersten sechs Rennen eines Jahres hatte es noch nie gegeben, in der gesamten vergangenen Saison hatten nur fünf verschiedene Fahrer gewonnen.

Der von Rang neun gestartete Weltmeister Vettel wurde nach guter Taktik vom neunten Startplatz aus noch Vierter. "Ich habe viel Boden gutmachen können, das war gut. Man muss alle Punkte mitnehmen", sagte er zufrieden: "Aber es ist auch schade, wenn man sieht, da vorne spielt die Musik und man die knapp verpasst."

In der WM-Wertung führt nun aber der bisher punktgleiche Spanier Fernando Alonso (76 Punkte) nach Rang drei in Monaco mit drei Zählern Vorsprung alleine. "Das freut mich sehr, aber es wird eine enge Saison mit vielen Überraschungen bleiben", meinte der Ferrari-Pilot. (DATENCENTER: Die Fahrer-WM)

Webber und Vettel punktgleich hinter Alonso

Webber ist nun punktgleich mit Vettel, der im Fürstentum lebende und aufgewachsene Rosberg ist als Fünfter mit 59 Punkten hinter dem Neu-Monegassen Lewis Hamilton (McLaren/63/5. in Monaco) endgültig in den Kreis der Titelkandidaten vorgestoßen.

"Das ist eine tolle Sache bei einem meiner beiden Heim-Grand-Prix", sagte der 26-Jährige: "Leider habe ich Mark nicht überholen können. Ich hatte auf jeden Fall das beste Auto, aber man kommt hier einfach nicht vorbei."

Rekordweltmeister Michael Schumacher, der als viertältester Pilot aller Zeiten und ältester seit 1970 am Samstag die Bestzeit im Training gefahren war, hatte im Rennen abermals Pech. Nach Startplatz sechs durch eine Rückversetzung wegen eines Unfalls in Barcelona lag er zwölf Runden vor dem Ende auf Rang sieben, als er seinen Silberpfeil wegen Problemen mit dem Benzindruck abstellen musste.

Schumacher bleibt positiv

"Meine Qualifying-Bestzeit und Platz zwei für Nico sind für uns sehr positiv. Vielleicht bin ich ja im nächsten Rennen in Kanada mit etwas Glück auch mal vorne mit dabei. Das wäre auch heute möglich gewesen", sagte Schumacher.

Force-India-Pilot Nico Hülkenberg wurde Achter, Timo Glock belegte im Marussia Rang 14 von nur 15 gewerteten Fahrern.

Vor dem Start hatten Ferrari und McLaren mögliche Proteste gegen Red Bull wegen angeblich illegaler Löcher im Unterboden angekündigt. Das Weltmeister-Team war sich seiner Sache sicher und verzichtete darauf, die Löcher im Boden zu schließen.

Stunden nach Rennende war noch kein Protest eingelegt. Die Teamchefs Stefano Domenicali (Ferrari) und Martin Whitmarsh (McLaren) sprachen nacheinander bei der FIA vor, verneinten danach aber, Beschwerde eingelegt zu haben

"Ich bin da ganz entspannt", sagte auch Vettel: "Ich glaube, das ist legal, man versucht immer unter den Teams etwas zu feilschen." Auch Red-Bull-Berater Helmut Marko blieb gelassen: "Das Thema tauchte erstmals in Bahrain auf. Da wurde alles untersucht und für legal befunden."

Turbulenter Start

Schon direkt nach dem Start ging es hoch her - und nach wenigen Sekunden hatte das Rennen seine erste Safety-Car-Phase.

Der in den Trainingseinheiten durch starke Leistungen zum Geheimtipp aufgestiegene Franzose Romain Grosjean drehte sich nach einer Kollision mit Schumacher - ein Schuldiger war nicht auszumachen - in der ersten Kurve und schied direkt aus.

Zahlreiche vorbeikommende Piloten, darunter Vettel, konnten ihm gerade noch ausweichen.

Webber und Rosberg waren schnell genug davongekommen, Vettels Teamkollege behielt die Führung vor dem deutschen Mercedes-Piloten und Wahl-Monegassen. Schumacher verlor zwei Plätze und war nur noch Achter.

Vettel nutzt das Chaos

Vettel nutzte das Chaos und fuhr vom neunten auf den sechsten Platz vor, durch die Safety-Car-Phase verlor er in den ersten Runden zudem mit den häteren Reifen fast keinen Boden.

Während der von allen Teams mehrfach während des Rennens angekündigte und erwartete Regen ausblieb, versuchte Vettel durch einen rausgezögerten Boxenstopp einen möglichst großen Vorsprung bis zum Stopp herauszufahren.

16,6 Sekunden waren es, als er in der 46. Runden vorfuhr, als Vierter hinter Webber, Rosberg und Alonso kam er wieder heraus.

Das Manöver war zwar nicht ganz aufgegangen, hatte aber immerhin zwei Plätze eingebracht. Am Ende lag Vettel als Vierter nur 1,3 Sekunden hinter Sieger Webber.

Am außergewöhnlichsten war in der Schlussphase ein Funkspruch von Hamilton, der sich beklagte, dass ihm irgendeinen Gegenstand gegen den Helm geflogen sei.

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