Michael Schumacher gewann seine Formel-1-Karriere 1991 bei Jordan © getty

Der Mercedes-Pilot schafft in Monaco eine dicke Überraschung. Sebastian Vettel ist stinksauer. Mark Webber startet von Rang eins.

Monte Carlo - Michael Schumacher schüttelte ungläubig den Kopf, winkte ins Publikum und schickte "einen dicken, dicken Kuss an meine Frau": Den moralischen ersten Sieg seit seinem Comeback vor zweieinhalb Jahren genoss der Rekordweltmeister in vollen Zügen - obwohl er ihn nicht behalten durfte.

Mit einer sensationellen Runde in den Straßenschluchten von Monaco hatte der Rekordweltmeister im Qualifying für das Rennen im Fürstentum (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) die Kritiker Lügen gestraft, seine erste Pole Position seit fast sechs Jahren holte er aber zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Wegen des Unfalls mit Bruno Senna im vorherigen Rennen wird Schumacher um fünf Rennen zurückversetzt und muss von Rang sechs aus starten, seine Pole erbt Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber.

Und das in Monaco, wo in den vergangenen acht Jahren sieben Mal der Fahrer gewann, der von Platz eins aus startete (DATENCENTER: Das Quali-Ergebnis).

"Ich bin sehr glücklich"

Schumachers Freude tat dies aber keinen Abbruch.

"Ich bin sehr glücklich, seit langem mal wieder auf der Pole zu sein. Es ist die erste meines zweiten Karriereabschnitts, und das fühlt sich fantastisch an", sagte der 43-Jährige und ignorierte die Rückversetzung zunächst:

"Es hat etwas länger gedauert, als ich es mir vorgestellt habe, aber Mercedes hat mir auch in Zeiten, wo es nicht so einfach war, den Rücken gestärkt und jetzt ein Paket, mit dem solche Erfolge möglich sind."

Bestzeit angekündigt

Seine Bestzeit hatte er unter der Woche mit einem Schmunzeln schon angekündigt.

"Ich hatte es einfach im Gefühl, dass unser Auto hier schnell sein würde", sagte er nun. Zur Rückversetzung, deren Berechtigung er vor zwei Wochen vehement angezweifelt hatte, wollte er sich nicht mehr äußern: "Ich beschäftige mich nicht mehr damit, was vor zwei Wochen war. Ich schaue nur noch nach vorne."

Seine Bestzeit machte Schumacher, der zuletzt am 16. Juli 2006 in Magny Cours als Erster ins Rennen gegangen war, auf jeden Fall optimistisch, "dass wir am Sonntag noch was folgen lassen können und zuversichtlich für den Rest der Saison sein dürfen".

"Das war Michaels Tag"

Webber war es fast etwas peinlich, den ersten Startplatz zu erben. "Das war Michaels Tag", sagte er fair.

Direkt neben dem Australier wird am Sonntag Schumachers Mercedes-Kollege Nico Rosberg ins Rennen gehen. Der 26-Jährige, der in Monaco lebt und aufgewachsen ist, darf vor seiner Haustür damit auf den zweiten Sieg der Saison und der Karriere hoffen.

"Ich denke, dass wir gute Chancen haben, ganz vorne reinzustoßen", sagte Rosberg nach einem "bisher sehr schönen Wochenende".

Vettel startet als Neunter

Weltmeister Sebastian Vettel muss dagegen von Rang neun aus eine Aufholjagd starten.

Ein Stück weit hatte der Hesse dies mit einem Reifenpoker in Kauf genommen, dennoch war er enttäuscht.

"Ich hoppele hier rum wie ein Kaninchen", schimpfte er während des Qualifyings über den Boxenfunk. Auch nachher ließ er seinem Frust freien Lauf.

Vettel freut sich für Schumi

"Wir haben vom Morgen zum Nachmittag was das Auto angeht einen Schritt zurück gemacht", sagte er: "Wir hatten uns versprochen, dass es besser geht. Natürlich stinkt mir das jetzt, aber wir waren überzeugt, dass es passt."

Über Schumachers Bestzeit sagte er: "Das war eine sehr gute Runde, ich freue mich für ihn."

Der mit Vettel in der WM-Wertung führende Fernando Alonso startet als Fünfter. Nico Hülkenberg geht im Force-India-Mercedes von Rang zehn aus ins Rennen am Sonntag, Timo Glock startet im Marussia von Rang 20.

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