Maldonado (r., neben Alonso u. Hamilton) war die Überraschung des Qualifyings © getty

Der Weltmeister verpokert sich im Reifen-Lotto und verpasst die erste Startreihe deutlich. Lewis Hamilton düpiert die Konkurrenz.

Barcelona - Lewis Hamilton in einer eigenen Welt, Sebastian Vettel und Co. im Poker-Modus:

Während Hamilton in "einem der besten Qualifyings" seiner Karriere ungefährdet seinem McLaren-Team die 150. Pole Position bescherte, verzichteten Weltmeister Vettel und Rekordchampion Michael Schumacher freiwillig auf den Kampf um die besten Startpositionen beim Großen Preis von Spanien und begnügten sich mit den Plätzen acht und neun.

"Wenn wir den Speed gehabt hätten, dann hätten wir auch versucht, auf die Pole Position zu fahren. Aber das war nicht drin, deshalb haben wir überlegt, Reifen zu sparen. Wir haben noch drei frische Sätze harte Reifen, für das Rennen ist noch alles drin", sagte Vettel:

"Natürlich wäre ich lieber vorne, aber manchmal muss man so etwas akzeptieren. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken." (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

Freie Reifenwahl

Als am Ende absehbar war, dass er sich nicht mehr verbessern würde, brach Vettel seine letzte Runde ab und hat so jetzt die Möglichkeit, die Reifen für den Start des Rennens (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) frei wählen zu dürfen.

Schumachers Mercedes-Partner Nico Rosberg taktierte sich auf Rang sieben, Hamiltons McLaren-Teamkollege Jenson Button und Mark Webber im zweiten Red-Bull-Renault hatten sich dagegen schon im zweiten Qualifying-Durchgang verzockt und müssen von den Plätzen 11 und 12 eine Aufholjagd starten.

"Wir hatten gedacht, dass die Zeit reicht, und sind dann mit heruntergelassener Hose erwischt worden", gab Webber zu. Dafür tauchte erstmals der Venezolaner Pastor Maldonado im Williams-Renault als Zweiter in der ersten Startreihe auf, Lokalmatador Fernando Alonso stellte zur Freude seiner Fans den Ferrari auf Startplatz drei.

Schumacher erklärt Taktik

Schumacher setzte auf eine ähnliche Taktik wie Vettel und erklärte den Hintergrund. "Wenn man Reifen sparen und dabei keinen Platz verlieren will, fährt man nur eine Runde ohne Zeit. Dann geht es nach den Startnummern, Sebastian hat das auch so gemacht", meinte der 43-Jährige, der wie Vettel die Wahl hat, mit den weichen oder den harten Reifen loszufahren.

Die ersten sieben Fahrer müssen dagegen mit den Reifen ins Rennen starten, mit denen sie im letzten Qualifying-Durchgang ihre gezeitete Runde gefahren waren (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Ein verrücktes Qualifying, bei dem es uns in erster Linie darum ging, Reifen für das Rennen zu sparen - und das ist sowohl Nico als auch Michael gelungen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Spektakuläres Rennen

Die ungewohnte Startaufstellung könnte am Sonntag im 5. von 20 WM-Läufen für ein spektakuläres Rennen sorgen, zumal es seit dem vorigen Jahr durch den verstellbaren Heckflügel endlich möglich ist, auch in Barcelona zu überholen.

Die großen Zeitunterschiede durch die weit auseinander liegenden und schnell abbauenden Reifen dürften ihr übriges tun, das Feld durcheinanderzuwürfeln.

In der WM-Wertung führt Vettel mit 53 Punkten vor Hamilton (49), Webber (48), Button und Alonso (je 43) und Rosberg (35). Hamilton, der in diesem Jahr schon zweimal auf der Pole Position stand, aber noch kein Rennen gewann, könnte Vettel am Sonntag die Spitzenposition wieder abjagen.

Hülkenberg geblitzt

Nico Hülkenberg musste sich im Force-India-Mercedes mit Rang 14 zufrieden geben, nachdem er schon einen teuren Vormittag erlebt hatte.

Weil er im dritten und letzten freien Training in der Boxengasse mit 95,5 statt der erlaubten 60 km/h geblitzt worden war, hatten die Rennkommissare dem 24-Jährigen eine Geldstrafe in Höhe von 7200 Euro aufgebrummt.

Marussia-Pilot Timo Glock kam nicht über den 22. Startplatz hinaus.

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