Ferrari will Kimi Räikkönen (l.) und Fernando Alonso halten
Fernando Alonso erlebt eine Saison zum Vergessen. ZUM DURCHKLICKEN: Die legendärsten Fahrerduelle der Formel 1 © getty

Ferrari steckt in einer tiefen Krise. Gelingt auch in Monaco nicht die Wende, könnte die Saison frühzeitig abgeschenkt werden.

Von Carsten Arndt

München - Die Erwartungen in Italien waren riesig.

Nach der Rückkehr von Kimi Räikkönen hatte Ferrari mit dem finnischen Weltmeister von 2007 und dem Spanier Fernando Alonso auf dem Papier das vermeintlich stärkste Fahrerduo im Feld.

Nach einigen Seuchenjahren wollte die Scuderia endlich wieder an die erfolgreichen Zeiten der Ära Michael Schumacher anknüpfen.

Doch es kam ganz anders - die Saison entwickelte sich zu einer einzigen Katastrophe.

Nach fünf Rennen haben Räikkönen und Alonso lediglich einen kümmerlichen Podestplatz zu Buche stehen - gemeinsam.

Beim Grand-Prix in Monte Carlo (Training, Do. ab LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) hoffen die Italiener mal wieder auf die Wende - es ist wohl der letzte Angriff auf die Spitze.

Deadline gesetzt

Denn intern hat man sich bei Ferrari angeblich eine Deadline gesetzt. Sollten in Monte Carlo und beim anschließenden Rennen in Kanada keine Fortschritte zu erkennen sein, werde die Saison 2014 endgültig abgeschenkt.

Das dies für die Zukunft durchaus einen positiven Effekt haben kann, wird in dieser Saison am Beispiel Mercedes deutlich. Nachdem sich die Silberpfeile im vergangenen Jahr der eklatanten Dominanz Red Bulls gegenübersahen, konzentrierte man sich bei der Entwicklung des Autos frühzeitig auf die aktuelle Saison.

"Ich gehe davon aus, dass wir im Mai den Punkt erreicht haben, ab dem mehr als 50 Prozent am Auto für 2014 arbeiten", hatte Teamchef Toto Wolff damals erklärt - und darf sich nach fünf Siegen in fünf Rennen bestätigt fühlen.

Durchhalteparolen bei Mattiaci

Noch will Ferrari die Flinte allerdings nicht ins Korn werfen.

"Wir sind uns alle der Situation bewusst, in welcher wir stecken. Es muss ein Rhythmuswechsel her und zwar bald. Auf der anderen Seite glauben wir alle an die Werte harter Arbeit. Ich sehe zwei hochmotivierte Piloten, ich sehe eine Truppe, die unermüdlich schuftet, um wieder auf die Siegerstraße zu kommen", sagte der neue Ferrari-Boss Marco Mattiaci.

Angesichts des Ergebnisses beim Spanien-Grand-Prix klingen diese Worte aber doch sehr nach Durchhalteparolen.

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Pleite in Barcelona

Ferrari wartete in Barcelona eigentlich mit einer Generalüberholung des FT40 auf. Kein anderes Team brachte so viele neue Teile mit zum Europa-Auftakt wie die Italiener.

Frontflügel und Heckflügel sowie die Bremsbelüftungen hatten einen neuen Anstrich, der Motor nochmal ein Software-Update bekommen.

Doch das erhoffte Ergebnis blieb aus. Statt Fortschritt war eher ein Stillstand beziehungsweise fast schon ein Rückschritt zu sehen. Hier gibt es Tickets für die Formel 1

Alonso hatte bei seinem Heimrennen am Ende fast 1:30 Minuten Rückstand auf die Spitze, Räikkönen wurde gar überrundet.

Hoffen auf Monaco

Für den Grand Prix in Monaco setzt man im Lager der Roten bei der Hoffnung auf Besserung vor allem auf das Streckenprofil.

Mattiaci und Co. hoffen, dass die weicheren Reifenmischungen für das Straßenrennen dem Chassis von Ferrari eher entgegenkommen als zuletzt in Spanien. In der Tat ist die Motorenleistung auf dem kurvigen Stadtkurs weniger wichtig als im vergangenen Rennen, doch der FT14 hat seine Stärken vor allem in schnellen Kurven.

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Eine wirkliche Besserung ist daher wohl auch im Mekka der Reichen und Schönen nicht zu erwarten.

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Investitionen geplant

Um zumindest auf lange Sicht den Kampf an der Spitze wieder aufnehmen zu können, plant der italienische Rennstall nun wohl eine Aufstockung seines ohnehin bereits stattlichen Budgets.

"Wir können Mercedes und Red Bull nur ernsthaft attackieren und unter Druck setzen, wenn wir wirklich gewaltig in die Entwicklungsabteilung der Formel 1 investieren", kündigte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo an.

Die Führung sei zum Entschluss gekommen, das Formel-1-Projekt wieder stärker unterstützen zu müssen.

So soll ein Großteil vom Gewinn des Unternehmens aus dem vergangenen Jahr, der laut der "Financial Times" bei etwa einer Viertel-Milliarde Euro liegt, in das Formel-1-Team investiert werden.

Rosberg lobt Alonso

Das könnte auch den zuletzt unzufriedenen Alonso besänftigen.

Nach dem Rücktritt von Stefano Domenicali, an dem der Spanier Gerüchten zufolge nicht ganz unbeteiligt gewesen sein soll, hatte er sich in der Öffentlichkeit nicht gerade positiv über dessen Nachfolger Mattiaci geäußert.

"Wir werden jetzt nicht plötzlich eine Sekunde schneller sein", hatte der 32-Jährige erklärt: "Er hat ja nicht das rechte oder linke Vorderrad angeschraubt."

Zudem nagt die Serie von mittlerweile 19 Rennen ohne Sieg am stolzen Spanier, der zweifelsohne zu den besten Fahrern im Feld zählt.

"Fernando Alonso, Sebastian Vettel, meine Teamkollege und Kimi Räikkönen" sind derzeit die Top-Fahrer im Feld", sagte Nico Rosberg am Wochenende im Gespräch mit SPORT1. Zeigen, konnten das die beiden Ferrari-Piloten aber noch nicht.

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