Sebastian Vettel fuhr in dieser Saison erst einmal aufs Podium © getty

Der Weltmeister wird seit Saisonbeginn von einer unheimlichen Pechsträhne verfolgt, die zuvor nur sein Ex-Teamkollege kannte.

Von Tobias Wiltschek

München - Sebastian Vettel muss sich in dieser Saison an viele Dinge gewöhnen.

Dazu gehören neuerdings auch kesse Sprüche des jungen Teamkollegen in seine Richtung.

"Es ist ein gutes Gefühl, dafür zu sorgen, dass Sebastian ein bisschen was für sein Geld tun muss", verkündet Daniel Ricciardo in der "Sport-Bild".

Ricciardo selbstbewusst

Der 24-jährige Australier hatte bislang im internen Duell in vier von fünf Qualifyings die Nase vorn und sprüht nur so vor Selbstvertrauen.

Ganz im Gegensatz zum viermaligen Weltmeister. Statt mit einem überlegenen Auto an der Spitze des Feldes einsam seine Kreise zu ziehen, fährt Vettel in diesem Jahr hinterher.

Satte 55 Punkte beträgt sein Rückstand auf den WM-Führenden Lewis Hamilton, auf dessen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg sind es 52. Auch der einzig ernst zu nehmende Rivale der letzten Jahre, Fernando Alonso, liegt im Klassement vor ihm.

Und hinter ihm macht sein eigener Teamkollege Druck (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

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Vettel begrenzt Schaden

Warum der Red-Bull-Pilot derzeit im Gesamtklassement nur auf Rang vier der WM-Wertung liegt, wurde am vergangenen Rennwochenende in Barcelona wieder einmal deutlich, auch wenn er mit seiner Aufholjagd auf Platz vier den Schaden noch begrenzen konnte (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Doch was sich am Freitag und Samstag abgespielt hatte, war die Fortsetzung einer beispiellosen Negativserie, die in den vergangenen Jahren bei den "Bullen" - wenn überhaupt - nur seinem Teamkollegen Mark Webber widerfuhr.

Im Freien Training schmorte im Heck des RB10 ein Elektrokabel durch, wodurch auch der Kabelbaum und mehrere Elektronikboxen teilweise beschädigt wurden.

Im Qualifying kam es noch dicker: Erst verweigerte der zweite Gang seinen Dienst, wenig später verabschiedeten sich auch alle weiteren Gänge.

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"Das ist Pech"

Fassungslos reagierte Motorsport-Berater Helmut Marko auf die neuerlichen Probleme: "Das ist Pech. Alle diese Zahnräder gehen in der Qualitätskontrolle durch die gleiche Prozedur. Trotzdem tritt eben mal ein Defekt auf."

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Warum aber trifft es in dieser Saison fast ausschließlich den Deutschen, während Neuling Ricciardo keinerlei Probleme mit seinem Boliden hat?

An der fehlenden Konzentration der Mechaniker liege es nicht, beteuert Marko in "Motorsport aktuell": "Es gibt nun mal solche Phasen. In der Vergangenheit hat es Mark Webber mal getroffen. Und es gibt ja auch andere Teams, bei denen es immer mal nur den einen der beiden Piloten trifft."

Vettels Phase dauert nun schon über einen Zeitraum von fünf Rennen an. Schon beim ersten Grand Prix in Australien musste er seinen RB10 nach einem Elektronikschaden früh in der Box abstellen.

In den folgenden Rennen kämpfte Vettel weiter mit den Tücken seiner "Suzie".

Verzogenes Chassis

Wie jetzt bekannt wurde: Offenbar fuhr er die ganze Zeit mit einem verzogenen Chassis. Die Folge war, dass er vor allem in Kurven, die hart angebremst werden mussten, sehr viel Zeit verlor.

Erst nach dem China-GP, als er in der Schlussphase eine Sekunde pro Runde langsamer war als ein junger Teamkollege Ricciardo, wurde dieser Schaden bemerkt.

Wie "auto, motor und sport" berichtet, wurde das Fahrgestell anschließend noch einmal vermessen und festgestellt, dass tatsächlich ein Konstruktionsfehler zu den Problemen führte.

"Der Schaden wurde in der letzten Phase des Bremsens angerichtet, dort wo du schon beim Einlenken bist. Da wurde das Heck unruhig", berichtet Vettel: "Es fehlte das Vertrauen, spät zu bremsen. Also bremst du früher, doch dann passt die Linie nicht mehr, weil das Auto zum Scheitelpunkt hin falsch positioniert ist."

Nach seiner Aufholjagd in Barcelona mit einem anderen Chassis stellte der 26-Jährige erleichtert fest, dass sich der Wechsel gelohnt hat. Er spüre jetzt wieder, was sein Auto mache.

"Das Fragezeichen ist weg", atmet Vettel auf. Nun müssen er und sein Team nur doch daran arbeiten, auf die anderen Unwägbarkeiten die richtige Antwort zu finden.

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