Das Auto von Robert Kubica nach seinem Unfall in Kanada 2007 © getty

Die erhöhte Sicherheit nach dem Unfalltod von Ayrton Senna vor 20 Jahren rettet in der Formel 1 einigen Piloten das Leben.

Von Tobias Wiltschek

München - War es nun eine gebrochene Lenkstange oder ein zu hartes Aufsetzen auf der welligen Piste?

Die Ursache für den Unfalltod von Ayrton Senna am 1. Mai 1994 in Imola konnte nie abschließend geklärt werden.

Wäre der Einschlag in die Streckenbegrenzung heute passiert, wäre die Frage binnen weniger Minuten beantwortet.

Unfalldatenschreiber ist Pflicht

Seit 1997 sind alle Konstrukteure in der Formel 1 verpflichtet, einen Unfalldatenschreiber in die Fahrzeuge einzubauen.

Es ist nur eine von vielen Neuerungen, die in der Königsklasse des Motorsports seit der Tragödie beim Grand Prix von San Marino vor 20 Jahren eingeführt wurden.

Damals war nicht nur Senna, sondern tags zuvor auch der Österreicher Roland Ratzenberger tödlich verunglückt.

Sein Tod allein hätte die Sicherheitsrevolution wohl nicht ausgelöst. Der 33-Jährige hatte erst ein Rennen bestritten, sein Simtek Ford galt als unzuverlässiges Fahrzeug.

Große Schockwelle

Die große Schockwelle und mit ihr ein sofortiges Umdenken in der Sicherheitsfrage setzte aber erst nach dem Tod des dreimaligen Weltmeisters Senna ein (BERICHT: Als die Sonne vom Formel-1-Himmel fiel).

Dessen Unfall - da ist sich der damalige FIA-Präsident Max Mosley sicher - hat viele Menschenleben gerettet. Im Motorsport und im ganz normalen Straßenverkehr.

"Dieses Wochenende in Imola war der Katalysator für einen Wandel auf den Straßen, der buchstäblich und ohne jeden Zweifel zehntausende Leben gerettet hat. Das ist die Wahrheit", sagte der Brite der Nachrichtenagentur "Reuters".

Dass in der Formel 1 umgehend Änderungen angestoßen wurden; dafür sorgte er als FIA-Boss höchstpersönlich.

SC Corinthians gedenkt Ayrton Senna

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Schnelle Reaktion der FIA

Der Weltverband gründete sogleich die so genannte "FIA Foundation". Dieses Institut erstellte in kürzester Zeit die verschiedensten Unfallanalysen und arbeitete mit anderen britischen Einrichtungen zusammen, die tödliche Unfälle im Straßenverkehr zu minimieren versuchen.

"Es war klar, dass tödliche Unfälle erst einmal verhindert werden mussten, bevor wir als Ärzte überhaupt zum Einsatz kommen sollten", wird Gary Hartstein, Kollege des damals verantwortlichen Rennarztes Sid Watkins von der "Welt" zitiert.

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Mehr Sicherheit auf allen Ebenen

Im Bestreben nach größtmöglicher Sicherheit wurden die Auslaufzonen auf den Strecken vergrößert, die Fahrerausrüstung überarbeitet und vor allem die Autos komplett neu ausgerüstet.

Die Cockpits erhielten höhere, verstärkende Seitenteile, die Reifen wurden mit Kevlar-Seilen gesichert, Kopf- und Nacken der Fahrer werden heute mit einem besonderen Sicherheitssystem geschützt.

Hätte es diese Vorkehrungen schon vor 20 Jahren gegeben, wäre Senna nicht gestorben. ( 100323 DIASHOW: Die Karriere des Ayrton Senna )

Der Unfall wäre wohl ähnlich glimpflich verlaufen wie der von Robert Kubica. Der Pole prallte am 10. Juni 2007 beim Großen Preis von Kanada mit einer Geschwindigkeit von 280 km/h gegen eine Mauer und überschlug sich.

Sein BMW wurde dabei völlig zerstört, er selbst kam mit einer Gehirnerschütterung und einem verstauchten Knöchel davon.

Piloten kämpfen für mehr Sicherheit

Auch die Piloten selbst nehmen das Thema Sicherheit sehr ernst. An jedem Rennwochenende werde darüber in der Fahrergewerkschaft diskutiert, sagte Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Die Sicherheit sei "über die Jahre unheimlich erhöht" worden, erklärte der aktuelle WM-Spitzenreiter.

Sebastian Vettel warnt dennoch davor, sich zu sicher zu fühlen. "Die Formel 1 ist sicherer heute, aber sie ist noch immer nicht sicher, weil immer noch sehr viel passieren kann", sagte der viermalige Weltmeister der Nachrichtenagentur "dpa".

Ein Vorfall von 2009 stützt die Aussagen des Red-Bull-Piloten. Damals war Sennas brasilianischer Landsmann Felipe Massa beim Ungarn-GP von einer Metallfeder am Kopf getroffen worden, krachte anschließend bewusstlos mit 240 km/h in die Mauer und erlitt schwere Verletzungen.

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Massa hat Glück

Dass Massa diesen Unfall nicht mit seinem Leben bezahlen musste, lag einerseits an den gestiegenen Sicherheitsstandards. Andererseits aber hatte der Ferrari-Pilot auch eine Menge Glück, dass ihn die Feder seitlich am Helm getroffen hat.

"Die Feder wiegt ungefähr ein Kilo. Mit einer Geschwindigkeit von 280 km/h fühlt sich die Feder wie eine Tonne an. Wenn ihn die Feder in der Mitte getroffen hätte, dann wäre er jetzt tot", erklärte der heutige Mercedes-Aufsichtsratschef kurz nach dem Unfall bei "RTL".

Auch die Bilder von Michael Schumacher, der 1999 in Silverstone wegen eines Bremsdefekts frontal in die Mauer krachte, sind unvergessen. Dank der moderneren Sicherheitsvorkehrungen, brach sich der Rekordweltmeister "nur" das Bein.

Die Formel 1 hat aus der Tragödie um Senna gelernt und musste seit 20 Jahren kein Todesfall mehr beklagen. Das Beispiel Massa zeigt aber, dass es in dieser Risikosportart wohl nie den allumfassenden Schutz geben kann.

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